Neues aus „der Wissenschaft“: Frauen wählen links! Oder eben klug …
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Ich muss ein Mann sein, anders ist mein Weltbild nicht zu erklären. Gerade überrascht die amerikanische Financial Times mit einer Studie, wonach sich ein neuer Gender-Gap zwischen Männern und Frauen auftut, diesmal jedoch nicht bei den Gehaltsunterschieden, sondern als „ideological gender gap“ in der grundsätzlichen Weltanschauung und daraus resultierend auch im Wahlverhalten.

Um das Ergebnis kurz vorweg zu spoilern: Sie wählt links, er wählt rechts, kein Wunder, dass die viel zitierte Generation Z – oder nennen wir sie in Deutschland besser liebevoll „Generation Luisa und Malte-Torben“ – der heute 18- bis 30-jährigen Beziehungsunfähigen nicht mehr zusammenfindet. Glaubt man den Experten, müssten sie dafür eine ganze ideologische Kluft überwinden, weil sie feministisch-liberal denkt, während er den alten Patriarchats-Zeiten nachhängt, als er noch Herr im Haus war und seine Wäsche noch nicht selbst waschen musste.
Der neue Geschlechtergraben zwischen hyperprogressiv und rechts
Die im Beitrag der Financial Times zitierte Fachfrau Dr. Alice Evans vom Stanford King Center on Global Development wagt gar die These, die Generation Z sei in Wahrheit nicht eine, sondern zwei ganz unterschiedliche Geschlechter-Generationen, sie hyperprogressiv, er konservativ bis rechts.

Dr. Alice Evans hat für ihre Studie in einer repräsentativen Umfrage 3716 Personen über 16 Jahre befragt.
Man will das gar weltweit statistisch untersucht und bestätigt haben, leider sind bei der Financial Times keine genauen Quellen zum verwendeten statistischen Material genannt, so bleibt es wage, aus welchen belastbaren Zahlen genau man diesen dramatischen Geschlechtergraben gerade bei der jungen Generation ausgemacht haben will. Immerhin spricht man von bis zu 30 Prozentpunkten, die Frau liberaler sein soll als der Mann und das nicht nur in westlichen Gesellschaften, sondern auch in Südkorea, China oder Tunesien. Auslöser des Linksdralls junger Frauen soll die weltweite #Metoo-Debatte gewesen sein, was man offenbar als globalen Initiationsritus für das Empowerment der weiblichen Generation versteht. Die Themenfelder sexuelle Selbstbestimmung, Einwanderungspolitik und die Einstellung zur Rassenfrage der Critical Race Theory dienen dabei als entscheidende Gradmesser in der Kategorisierung für linke und rechte Denkschubladen.
Der Mann: ein Relikt aus den 50er Jahren
Es gäbe gar Anzeichen, dass in Deutschland junge Männer „aktiv nach rechts rücken“ und sich gar der weit rechten AfD zugewandt hätten. Das wird noch ein paar Dutzend Demos „gegen rechts“ nach sich ziehen! Es wird zudem festgehalten, die Frau habe sich nach links bewegt, der Mann sei hingegen schlicht stehengeblieben in seiner Einstellung. Na was denn nun, driftet er nach rechts oder steht er?

Wohnzimmer-Idylle in den 1950er Jahren.
Egal, das Framing steht fest: Der Mann als unbewegliches, rückwärtsgewandtes Wesen, das mit der Moderne nicht mitkommt und schon gar nicht mit der jungen, dynamischen, modernen, liberalen, weltoffenen, empathischen, großartigen, klugen Frau, die sich weiterentwickelt und emanzipiert hat, während er einfach in den 50er Jahren zurückgeblieben ist und sich nur die alten Zeiten zurückwünscht. Entsprechend überschlagen sich gerade die Interpretationsversuche im deutschen Feuilleton. Als ob man dort nicht schon vorher unhinterfragbar gewusst hat, dass der Mann an sich grundsätzlich schon immer das Problem war, der alte weiße insbesondere. Und nun – Gott behüte – zeigt sich, der junge Mann ist kein Deut besser.
Der deutsche Soziologe Ulrich Beck hat bereits vor vielen Jahren das stoische Dinosaurierverhalten von Männern beschrieben, die sich zwar verbal aufgeschlossen gegenüber emanzipierten Frauen zeigen, aber letztendlich real eine Partnerin wählen, die ihnen in Sachen Karriere, Bildung und Finanzen unterlegen ist. Er bezeichnete es als „verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre“, oder um es mit den Worten des Frauenverstehers John Wayne zu sagen: „Natürlich habe ich nichts gegen Emanzipation, solange abends ein warmes Essen auf dem Tisch steht.“ Was Beck nicht erwähnte, ist das Dinodenken der Frauen, das man im feministischen Lager parallel ebenfalls verdrängt, denn auch Frau versucht sich recht erfolglos in der Überwindung stereotyper Verhaltensmuster: So will sie immer noch zu einem Mann aufblicken können, er soll aber nicht herabblicken, sie behauptet einen Mann zum Reden zu suchen, heiratet aber immer noch lieber den mit dem größeren Haus/Job/Auto/Pferd, weil sie den weitaus attraktiver findet.

John Wayne genießt mit seiner Frau und seiner Tochter ein gemeinsames Mittagessen.
Der geübte Gender-Experte reibt sich verwundert die Augen
Während nun das „nicht mit der Zeit gehen wollen“ des Mannes durchweg als negativer Charakterzug gebrandmarkt wird, so als gäbe es eine gesellschaftliche Pflicht, jede neue Sitte mitzumachen, nur weil sie neu ist, hinkt die gesamte Argumentationslinie der Financial Times an gleich so vielen Stellen, dass man gar nicht weiß, wo beginnen.
Vielleicht mit der Expertin Evans, deren Fachrichtung wohl mit Expertin für globale Genderforschung beschrieben werden kann, und deren letzte Publikationen Titel wie „Zehntausend Jahre Patriarchat!“, „Die Mutterschafts-Strafe“ und „Warum hassen manche US-Frauen den Feminismus?“ hießen, was, vorsichtig formuliert, nicht unbedingt auf vorurteilsfreie Betrachtung der Mann-Frau-Situation schließen lässt. Der geübte Gender-Experte wird sich zudem verwundert die Augen reiben: nur zwei Geschlechter in dieser Statistik, genau wie in der Fankurve von Bayer Leverkusen 04! Ganz offensichtlich ist man statistisch selbst unter Genderforschern sehr realistisch im binären Geschlechterschema verhaftet, spielt sich die gesamte LGBT-Debatte in Wahrheit doch vor allem in einem linken Paralleluniversum abseits des normalen Erlebens der restlichen Weltbevölkerung ab.
Doch selbst wenn man nun den Zahlen Glauben schenken will, drängen sich Fragen auf: Was genau ist politisch rechts, was ist links? In der Studie wird explizit die Ablehnung der Migrationspolitik genannt, die nun laut Allensbach Institut 80 Prozent in Deutschland ablehnen. Sind die alle rechts und sind das nur Männer? Ich bin dann definitiv ein Mann, zumal ich auch den #Metoo-Hype genau wie vorher die #Aufschrei-Hysterie als Frau niemals geteilt habe.

In der Ablehnung der deutschen Migrationspolitik lässt sich kein Gender-Gap beobachten. 80% der Bevölkerung lehnen sie ab.
Und so würde ich die These in den Raum stellen, dass Männer schlicht mit einer linken Bewegung nichts anfangen können, die von ihnen in alljährlichen Sexismus-Debatten ständig ein Schuldbekenntnis als männlicher Täter abverlangt, ihnen die Männlichkeit abschwatzt und jeden Anflug, Mann zu sein, als toxisch verurteilt. Sie driften nicht nach rechts, sie finden in linker Politik schlicht keine positiven Anknüpfungspunkte, aber auch keinen Ansprechpartner, denn die einzigen Männer, auf die sie dort treffen, sind längst enteierte Waschlappen oder Geschlechtsgenossen mit einem neuen Hang zu Damenschuhen.
Man könnte das männliche Wahlverhalten zudem positiv betrachten, dass sie realistischer sind als Frauen, und sich weniger von woken Wolkenkuckucksheimen beeindrucken lassen, sie gleichzeitig bereit sind, sich ihre politische Meinung auch etwas kosten zu lassen, anstatt gratismutig immer auf der einfachen Seite der politisch Korrekten zu stehen. Oder um es böse zu sagen: Sie werfen nicht so schnell Kuscheltiere auf Bahnhöfe in einrollende Züge angesichts millionenfacher Einwanderer aus frauenfeindlichen Gesellschaften, und genaugenommen können Frauen nur froh sein, um jeden Mann, der das so sieht und noch bereit ist, sein Weib zu verteidigen.
Gerade die Themenkomplexe weibliche Emanzipation und auch Migrationspolitik bieten jungen Männern außer einem ständigen mea culpa als Nachfahren weißer, patriarchaler Kolonialherrschaft rein gar nichts an. Warum genau sollten sie die politischen Vertreter solcher Thesen wählen – aus Hang zu Masochismus?
Sinnlose Schubladen in der politischen Debatte
Der angeblich männliche Drall nach rechts und die unterstellte Ablehnung weiblicher Emanzipation passen zudem gar nicht zur Tatsache, dass diese Männer offenbar trotzdem gerade in Europa Parteien wählen, die explizit von starken Frauen geführt oder gar gegründet werden. Giorgia Meloni in Italien, Marine Le Pen in Frankreich, Alice Weidel in Deutschland. Dass Frauen nicht nur rechte Parteien anführen, sondern Frauen ebenfalls rechts denken und wählen, hat bereits die Demoskopen bei der ersten Trump-Wahl in den USA verstört. Seltsam, dass Millionen Frauen diesen angeblichen Frauenhasser und Sexisten viel lieber wählten als die ausgewiesene Feministin Hillary Clinton.

Giorgia Meloni und Marine Le Pen in einer italienischen TV Show.
Nicht nur ich selbst, sondern viele andere weibliche Publizisten und selbst eingefleischte linke Feministinnen wie Alice Schwarzer müssen sich inzwischen als „rechts“ beschimpfen lassen, weil sie bei Themenkomplexen wie Islam, Transpolitik oder Masseneinwanderung darauf hinweisen, dass mit linken Thesen ein Backlash der Frauenrechte mitten im emanzipierten Westen droht. Nichts entlarvt besser die Sinnlosigkeit krampfhafter links-rechts-Schubladen in der politischen Debatte, als das.
Ganz sicher jedoch verläuft die Linie des links-rechts-Wählens nicht an der Bruchkante von Mann und Frau. Man könnte es schlicht so formulieren: Kaum sagt man heute noch ein kluges Wort, ist man rechts. Sowohl als Mann, als auch als Frau.
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Birgit Kelle
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