Reisebericht aus der Toskana: Wie es ist, wenn in einer Stadt keine Migranten sind
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Lucca ist eine wunderschöne italienische Stadt im Herzen der Toskana mit knapp 90 000 Einwohnern. Sie hat eine Stadtmauer, auf der man spazieren gehen kann oder Radfahren. Lucca ist die Stadt der Türme und des Olivenöls. Lucca ist der Geburtsort des berühmten Opernkomponisten Puccini. Lucca heißt übersetzt „Lichtbringer“.

Blick auf die Altstadt von Lucca und die Piazza dell'Anfiteatro.
Ich war gerade ein paar Tage in diesem „toskanischen Juwel“, wie Lucca in vielen Reiseführern genannt wird. Die Stadt war voller Touristen. Die meisten Italiener, weil das ganze Land im August Ferien macht. In den Gassen das übliche Stimmengewirr, überwiegend italienisch, englisch, französisch und natürlich deutsch, denn die Deutschen haben die Toskana in ihr Herz geschlossen (in meiner Jugendzeit fuhr man nach Rimini, einer Stadt an der Adriaküste mit langen Stränden und kurzen Nächten). Was ich in Lucca nicht gehört habe, war arabisch. Ich beherrsche es nicht, aber ich kann hören, wenn es einer spricht. Und ich kann sehen, wer es spricht. Und ich will es auch sehen – das ist für einen aus Berlin ein ganz normaler Reflex, das sagt mir mein gesunder Menschenverstand. Aber wenn du zum Beispiel in den Bezirken Neukölln oder Kreuzberg durch die Straßen gehst und jeden mustern willst, der arabisch sprichst, hast du viel zu tun. Du musst sehr viel gucken, und die meisten Migranten wollen nicht, dass du guckst.
In Lucca stellt sich dieses Problem nicht. Es gibt keine arabischen Migranten, keine verschleierten Frauen. Jedenfalls habe ich keine gesehen. Und das bestätigt grundsätzlich die Statistik. Die größte Einwanderungsgemeinschaft in Italien bilden die Rumänen (rund eine Million Menschen) gefolgt von den Albanern. Unter den nichteuropäischen Einwohnern sind die Marokkaner die größte Gruppe, gefolgt von den Chinesen.

Einheimische und Touristen geniessen Espresso oder ein Mittagessen auf der Piazza San Michele.
Warum ich das erzähle – weil ich in der toskanischen Kleinstadt Lucca etwas erlebt habe, was ich so in keiner deutschen Stadt in letzter Zeit erleben dufte: Menschen, die sich völlig entspannt durch die Straßen bewegen. Die lachen, quatschen, gestikulieren. Die Shorts tragen (Männer wie Frauen), Jungs mit freien Oberkörpern, Mädchen mit kurzen Röcken. Was ich nicht gesehen habe: Frauen in Burkas, und Männer mit langen muslimischen Bärten. Und am Strand von Viareggio am Mittelmeer (22 Kilometer entfernt) waren alle Strandliegen voll und alle Schirme besetzt. Ich habe keine Burkinis gesehen. Aber ganz, ganz viele glückliche Menschen.
Was ich hier schreibe, ist eine Beobachtung, es ist kein Plädoyer. Ich weiß, dass wir die Zeit nicht zurückdrehen können. Und Nationen vieler Länder können zusammenleben – wenn es friedlich geschieht. Und wenn sich diejenigen, die Gäste sind, an die diejenigen anpassen, die im Land leben. Nicht umgekehrt.
Unter den Deutschen, die sich in den Straßenlokalen von Lucca unterhielten, konnte ich einige Wortfetzen auffangen, wenn ich an ihren Tischen vorbei ging. Alle hatten ihr Handy dabei, alle kannten die Nachrichten. Und das Wort, das ich im Vorübergehen am häufigsten hörte, war der Name einer Stadt – Solingen.
Der dreifache Messer-Mord eines Isis-Terroristen war auch in der Toskana unter den Deutschen Tagesgespräch. In Lucca, der Stadt, in der ich keine arabischen Migranten gesehen habe.
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Louis Hagen
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