Rentenaufschubprämie: Statt zwölfmal 1200 Euro Rente im Jahr – 14.400 Euro auf einen Schlag
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Das Wort ist eher abschreckend, aber was sich dahinter verbirgt, könnte Millionen Menschen interessieren: Bei der „Rentenaufschubprämie“ bezieht man keine Rente mehr, sondern wird vom Staat einmalig ausgezahlt. Das geht so: Wer länger arbeitet, kann eine Prämie als Einmalzahlung in der Höhe der Rente bekommen, die ihm sonst ausgezahlt worden wäre. Das geht aus einem Papier aus Regierungskreisen hervor, über das die die „Süddeutsche Zeitung“ zuerst berichtete. Das heißt: Wer ein Jahr länger arbeitet und in diesem Zeitraum keine Rente bezieht, erhält diese dann auf einen Schlag.
Bei einer Rente von 1200 Euro im Monat wären das 14.400 Euro, berichtet die Bild. Dazu kommt ein Aufschlag von zurzeit 8,2 Prozent. Der berechne sich aus dem, was die Rentenversicherung spart, weil an ihrer Stelle der Arbeitgeber weiter in die Krankenkasse einzahlt. Macht also in dem Beispiel 15 580 Euro Rentenaufschubprämie pro Jahr. Ungeklärt ist noch, ob die Prämie steuerfrei sein soll – wohl eher nicht – und ob sie mehr als drei Jahre angesammelt werden kann. Die neue Prämie soll dazu beitragen, mehr Fachkräfte, die auf den Ruhestand zugehen, an ihren Arbeitsplätzen zu halten.

Immer mehr Rentner gehen arbeiten.
Die neue Prämie passt zum Ergebnis einer Umfrage des Versicherungskonzerns Axa Investment Managers, über das die Neue Zürcher Zeitung berichtet: „Mehr Menschen als je zuvor wollen im Rentenalter aus Freude weiterarbeiten.“ Die Botschaft lautet: Seniorinnen und Senioren werden älter und fühlen sich jünger. Lag die Grenze in 1990er Jahren noch bei 69 Jahren, so bezeichnen sich die heutigen Senioren erst mit 80 als „alt“. Der Trend scheint offensichtlich: Viele der heutigen Rentner sprühen vor Energie und Schaffensdrang. Nach einer Analyse des Berner Generationenhauses stufen sich 75-jährige Personen in der eigenen Wahrnehmung durchschnittlich wie 64 ein – ganze elf Jahre jünger also. Aus den Zahlen lässt sich herauslesen: Die bessere Gesundheit der Senioren führt nicht zwangsläufig dazu, dass sie länger arbeiten sollten oder wollten. Der gute Wille, im Job zu bleiben, mag durchaus vorhanden sein: Jedoch sollte dieser Spaß machen und Zufriedenheit bieten, heißt es im Ruhestandsbericht der Axa. Der ultimative Test bleibe der Leidensdruck. Wer die Wahl hat, findet sein Glück im dritten Lebensalter auch ohne Arbeit.
Die neue „Rentenaufschubprämie“ stammt von Arbeitsminister Hubertus Heil. Sie soll dem Papier zufolge ab 2027 greifen. Wenn Arbeitnehmer erwägen, über ihr reguläres Rentenalter hinaus weiterzuarbeiten, sollte auch der Arbeitgeber mitspielen. Ein Recht darauf, im alten Job einfach weiterzuarbeiten, gibt es nicht.

Arbeitsminister Hubertus Heil bringt einen Vorschlag zur „Rentenaufschubprämie“ auf den Weg.
Bislang gilt: Wer regulär Rente beziehen kann und trotzdem länger arbeitet, wird mit einer höheren Rente belohnt – und das sein Leben lang (jeder Monat länger im Job bringt 0,5 Prozent mehr Rente). Wer ein Jahr länger arbeitet, erhält demnach sechs Prozent mehr Rente (drei Jahre länger 18 Prozent).
Reaktionen auf den Heil-Vorschlag: Steffen Kampeter in Bild: „Erst wird die Frühverrentung subventioniert. Jetzt ist das gleiche fürs länger arbeiten geplant. Das ist nicht klug und kostet doppelt. Besser wäre es, jedweden Frühverrentungsansatz sofort abzuschaffen.“ Anja Piel vom Deutschen Gewerkschaftsbund verweist laut Bild auf mehr Arbeits- und Gesundheitsschutz, damit Arbeitnehmer überhaupt länger arbeiten können.
In unsere Rente kommt also Bewegung. In welche Richtung sie sich bewegt – noch wissen wir es nicht. Eines ist klar: Die Rente, so wie sie jetzt ist, können wir uns nicht endlos lange leisten. Der Staat zahlt den „allgemeinen Bundeszuschuss“ von 54,2 Milliarden Euro, den „zusätzlichen Bundeszuschuss“ von 14,6 Milliarden und den „Erhöhungsbetrag zum zusätzlichen Bundeszuschuss“ von 15,4 Milliarden Euro. Zahlen, die einen schwindelig werden lassen …
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Louis Hagen
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