Sachsen-Anhalt verbietet Gendersprache an Schulen: Nachahmer gesucht
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Die Kultusministerin von Sachsen-Anhalt, Eva Feußner (CDU), hat etwas Selbstverständliches getan, wozu im verqu(e)eren Debattenklima in Deutschland mittlerweile allerdings eine Portion Mut gehört: Mit einem offiziellen Brief an alle Schulleiter hat Frau Feußner verfügt, dass Gender-Sonderzeichen – Sternchen, Binnen-I, Unterstrich („Gender-Gap“) und andere Merkwürdigkeiten – in der Schule nicht mehr benutzt werden dürfen. Deren Verwendung soll künftig als Verstoß gegen die Regeln der deutschen Rechtschreibung gelten.
Feußners Begründung: Die Sonderzeichen könnten zu grammatischen Folgefehlern führen – so bei Artikeln oder Pronomen. Stattdessen seien Wendungen wie „Schülerinnen und Schüler“ oder neutrale Begriffe wie „Lehrkräfte“ zu nutzen.
NIUS hat darüber berichtet: Sachsen-Anhalt verbietet Gendersprache an Schulen
Feußner bezieht sich auf den Rat für deutsche Rechtschreibung. Dieser hatte im Juli 2023 empfohlen, Gender-Zeichen nicht in das orthographische Regelwerk aufzunehmen. Bei der Wankelmütigkeit des seit Jahrzehnten dahinarbeitenden „Rates“ (siehe 25 Jahre Rechtschreibreform!) sollte man hierzu aber keine Wetten abschließen.

An einem Whiteboard steht das Wort Lehrer in verschiedenen Gender-Schreibweisen
Man kann hoffen, dass Feußners Vorbild Nachahmer findet. Vor Sachsen-Anhalt hatten auch die Länder Sachsen und Schleswig-Holstein die Genderschreibweisen aus der Schule verbannt. Seltsamerweise aber haben sich andere Bundesländer nicht explizit dazu durchgerungen. Im Gegenteil: Der Landtag in Rheinland-Pfalz lehnte im Januar 2022 eine Verbannung der Gendersprache aus Schule und Verwaltung mit der Ampel-Mehrheit und mit den Stimmen der CDU-Fraktion ab. Unausgesprochene Begründung: Der Antrag kam von der AfD.
Einen ähnlichen Antrag brachte Anfang 2023 die FDP im Stuttgarter Landtag ein. Ergebnis: Die grün-schwarze Koalition lehnte den Antrag ab. Bereits zuvor, Ende 2021, hatte es Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) den Schulen freigestellt, ob sie „gendern“ oder nicht. Was das bedeutet, etwa wenn Kinder die Schule oder gar ein Bundesland wechseln, war ihr offenbar egal.
Minderheit, die sich als Avantgarde ausgibt
Nein, die Gendersprache hat in den Schulen nichts zu suchen: weder in der Schrift, noch in der holprigen Aussprache. Was letzteres betrifft, muss man sonst damit rechnen, dass noch mehr Kinder logopädiebedürftig werden. Gendersprache ist eine Dekonstruktion von Wirklichkeit, zum Beispiel der Zweigeschlechtlichkeit – eine Zerstörung, wie sie eine mittlerweile schäumende Minderheit anstrebt, die sich als Avantgarde ausgibt.
Aus der Sprachgeschichte und der Sprachwissenschaft heraus ist Gendersprache Unfug. Und schließlich gehört die Sprache dem Volk und nicht irgendwelchen kulturmarxistisch motivierten Ideologen, die mittels Sprache die Welt umkrempeln wollen.
Das Volk lehnt den Gendermurks je nach Umfrageinstitut mit Werten zwischen 67 bis 82 Prozent ab. Der große Lyriker, Essayist und DDR-Dissident Reiner Kunze, der an diesem Mittwoch 90 Jahre alt wird, hat über die Gendersprache zu Recht gesagt: „Der Sprachgenderismus ist eine aggressive Ideologie, die sich gegen die deutsche Sprachkultur und das weltliterarische Erbe richtet, das aus dieser Kultur hervorgegangen ist.“
Nicht noch ein Ideologieprojekt
Mehr noch, es ist Instrumentalisierung unserer Kinder, um sie gerade in den Phasen ihrer Sprachentwicklung zu indoktrinieren und zu verdummen. Dabei hätten wir Grund genug, die sprachliche Bildung unseres Nachwuchses ernster zu nehmen. Zuletzt haben Schulleistungstests hinreichend und alarmierend genug verdeutlicht, dass das Sprachvermögen unserer Kinder bereits in der Grundschule sehr zu wünschen übriglässt. Da verwirrt ein Ideologieprojekt nur noch mehr – zumal unter Kindern nichtdeutscher Herkunftssprache.

Eine Klasse in Berlin-Neukölln beim Unterricht: Unsere Kinder brauchen keine weiteren Ideologieprojekte
Hoffentlich bleibt es nicht nur bei der Entscheidung der Kultusministerin aus Sachsen-Anhalt. Es müssten sich alle 16 deutschen Schul- und Wissenschaftsminister hier endlich einstimmig zu einem Verbot des Genderunfugs durchringen. Die Wissenschaftsminister auch deshalb, weil der Genderismus mittlerweile an den Hochschulen um sich greift und Zwang auf Studenten ausgeübt wird, in Seminar- und Examensarbeiten „geschlechtergerecht“ zu schreiben.
Das gilt auch für die so verqueren Umschiffungen der Gender-Sonderzeichen mittels widersinnigen Gebrauchs des Partizips Präsens: Teilnehmende statt Teilnehmer, Wählende statt Wähler, Fußgehendenbrücke statt Fußgängerbrücke... Was dabei herauskommt, kann man leider immer häufiger sogar in den Medien lesen: „Drei tote Radfahrende durch LKW“ titelte die ARD im Februar 2023. Wie bitte? Fahren sie noch, oder sind sie tot, oder sind es Zombis auf einem Rad?
Im Mai vergangenen Jahres konnte man im Zusammenhang mit der niedrigen Wahlbeteiligung von nur 55 Prozent bei der NRW-Landtagswahl den widersinnigen Satz lesen: „Viele Wählende blieben zu Haus.“ Es waren damit übrigens nicht Briefwähler gemeint, sondern 45 Prozent Wahlberechtigte, die nicht wählen gingen. Schluss also mit diesem Unfug! Wir haben andere, viel gravierendere Bildungsprobleme!
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Über den Autor: Josef Kraus war von 1987 bis Juni 2017 Präsident des Deutschen Lehrerverbandes.
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