Sie beerdigen das Lebensgefühl Volkswagen: Er läuft und läuft und läuft … nicht mehr
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Wenn man das Erfolgsmodell Deutschland in nur zwei Buchstaben darstellen wollte, wäre das gar nicht schwer. Die zwei Buchstaben lauten: VW.
Diese Buchstaben sind eine Marke, und diese Marke steht für Erfolg, Zuverlässigkeit, Leistung, Zukunft. Der letzte Begriff ist diese Woche leider ins Wanken geraten – Volkswagen drohen Werksschließungen und Kündigungen und ein drastisches Sparprogramm. Und mehr noch: Es droht das Ende eines Lebensgefühls, das drei Generationen umspannt. Er läuft und läuft und läuft … nicht mehr.

Ein Schweizer Kennzeichen, und dennoch: VW war „Made in Germany“ im besten Wortsinn.
Er eroberte unsere Herzen
Es genügt, bestimmte Namen zu nennen. Und keiner, der in der Bundesrepublik je Auto gefahren ist, bleibt vom Klang dieser Namen unberührt: Käfer, Golf, Passat, Bulli. Lange vor den E-Autos kannten wir – die deutsche Nachkriegsgeneration – Batterieautos nur per Fernsteuerung. Sie hießen Distler-Porsche und Schuko Mercedes-Benz 300 SL. Es war die Zeit, als wir Steppkes den Ami-Schlitten in den zerbombten Straßen nachschauten – Cadillac, Buick, Dodge, Mustang. Träumen, aber nicht kaufen. Niemand hatte ein Auto, Geld für solche Karossen sowieso nicht. Dann kam der Käfer: eng, hässlich, langsam, laut. Er eroberte Deutschland, er eroberte unsere Herzen. Er war das Wirtschaftswunder – und das Wirtschaftswunder kam mit ihm zu uns.

VW stand in einer bestimmten Generation für ein Lebensgefühl.
Am 5. August 1955 lief der millionste Volkswagen in Wolfsburg vom Band. Es war ein Auto, das sich viele leisten konnten. Es wurde zum erfolgreichsten deutschen Auto aller Zeiten – über 21,5 Millionen Mal verkauft. Luftgekühlter, unverwüstlicher Boxermotor – der Käfer war mit seiner Mechanik und seiner runden Form ein Stück unverwechselbarer deutscher Fertigungsqualität. Er war „Made in Germany“ im besten Wortsinn. Er entwickelte sich zum deutschen Exportschlager. Um ihn zu erwerben, musste ein durchschnittlich verdienender Arbeiter 16 Bruttomonatslöhne aufbringen, die Standardausführung kostete 1960 knapp unter 5000 Mark. Höchstgeschwindigkeit: etwa 120 Stundenkilometer (auf leicht abschüssiger Strecke).
Zu viert im Käfer über den Brenner
Es ist unvermeidlich, lieber Leser, dass jemand, der jahrelang einen Käfer fuhr, wenigstens ein Ferienerlebnis auspackt. Man flog damals nicht mit Ryanair nach Pisa, um über die Alpen zu kommen. Man packte seinen 25 PS starken Käfer und stopfte alles rein, was ging. Kofferraum gab es praktisch nicht, der war klein wie das Handschuhfach. Zu viert mit Gepäck war sportlich, vor allem beim Aufstieg über den alten Brennerpass. Natürlich war es eine Auffahrt, die aber im Schritt-Tempo. Käfer-Leichen pflasterten unseren Weg – fast alle waren auf dem steilen Gelände heiß gelaufen, brauchten Wasser und eine Verschnaufpause.

Für viele Urlaubsdomizil und Gefährt in einem: der VW-Bus.
Zwei bis drei Tage ohne Pause im Käfer nach Italien oder Spanien – wir kannten nichts anderes. Urlaub war ein Abenteuer, Käfer war ein Abenteuer – irgendwie das ganze Leben. Zurück in Deutschland: die Scheibe runtergedreht, Eltern oder Freunde angrinsen. Motto: Seht ihr, wir wissen, wie es geht, das tolle Leben. Wer sich einen VW Bulli (Volkswagen-Bus) oder später einen Golf leisten konnte – der hatte es sowieso geschafft.
Nie wäre einem Volkswagen-Fan in den Sinn gekommen, dass es sein Auto, seine Heimat, seine Wurzeln irgendwann nicht mehr geben könnte. Motto: Die Welt mag zerbrechen, unser Volkswagen bleibt.

Demonstranten protestieren gegen die Sparpläne des Konzerns.
Wir VW-Fans hätten aufmerksam werden sollen, als die Volkswagen-AG glaubte, elektrisch werden zu müssen. Alles wird grün, hatte unsere Regierung befohlen. Und der damalige VW-Chef Diess ließ alles (fast alles) grün werden.
Aber die Leute wollten keine lautlosen Batteriekarossen. Sie wollen Autos hören, sehen und riechen können.
Ich gebe zu, die letzte Bemerkung ist ziemlich persönlich.
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