So erlebte ich den moralischen Fall der amerikanischen Universitäten
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Ein Gastbeitrag von Henrik Schildt Lundberg
Es begann lange vor den tödlichen Schüssen auf Charlie Kirk auf dem Utah Valley University Campus in Orem, dass an vielen Universitäten der USA etwas aus dem Ruder lief.
Immer unversöhnlicher prallen ideologische Lager aufeinander. Wobei es vor allem eine links-liberale Gruppierung ist, die ihre Agenda mit wachsender Militanz gerade an den bekannten Elite-Universitäten durchzusetzen versucht. Ein weltanschauliches Gemisch aus Antisemitismus, aggressiver Parteinahme für die LGBTQ-Community und antikapitalistischen Ideologien verdichtet sich nicht nur in meiner Wahrnehmung zu einem brisanten Sprengsatz für die gesamte Gesellschaft, der nach dem Ende des Studiums in Köpfen von Entscheidungsträgern weiterwirkt.
Es ist deshalb alles andere als überraschend, dass Trump und seine Administration relativ schnell in harte Auseinandersetzungen mit den Universitäten gerieten. Im Folgenden möchte ich schildern, wie ich selbst diesen Konflikt als Student an der Georgetown University in Washington D.C. erlebt habe.

Die Georgetown Universität wurde 1789 von Bischoff John Carroll gegründet.
Nicht lange nach Beginn von Donald Trumps zweiter Amtszeit kündigte seine Regierung an, das US-Bildungsministerium abzuschaffen. Liberale Akademiker und Politiker auf beiden Seiten des Atlantiks reagierten ungläubig auf diesen vermeintlichen Angriff auf die hart erkämpften Ideale von Lehr- und Lernfreiheit. Unter dem Banner des „Krieges gegen die Universitäten“ entschied Trump, 2,3 Milliarden Dollar an Bundesmitteln einzufrieren und zum Beispiel der Harvard University – dem „Kronjuwel“ der amerikanischen Hochschulbildung – rund 450 Millionen Dollar zu streichen.

US-Präsident Trump hat rigide Kürzungen von Bundesmitteln, die an amerikanische Universitäten gingen, durchgesetzt.
Ähnliche Kürzungen in Höhe von 400 Millionen Dollar wurden der Columbia University auferlegt, dem Brennpunkt der gewaltsamen pro-palästinensischen Proteste, die wir im letzten Jahr erlebt haben. Auch andere Elite-Institutionen wie Cornell University und Princeton University standen unter ähnlichem Druck. Doch für diejenigen von uns, die an Amerikas Elite-Universitäten studiert haben, wirkten die Reformen weniger wie ein Angriff auf die Meinungsfreiheit, sondern vielmehr wie eine längst überfällige Reaktion auf ein System, das völlig aus dem Ruder gelaufen ist.

Pro-palästinensische Demonstranten campierten im Jahr 2024 vor der Columbia University in New York. Es kam zu schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei.
Ich schloss 2024 die School of Foreign Service (SFS) an der Georgetown University in Washington D.C. ab. Zuvor hatte ich meinen Dienst in den Schwedischen Streitkräften geleistet und war als schwedischer Diplomat auf zahlreichen Posten in Afghanistan, Afrika und am Persischen Golf. Die Idee war: Ich wollte studieren, was ich im Feld praktiziert hatte. Was ich dann beim Studium erlebte, war mehr als eine tiefe Enttäuschung.
Antisemitismus und Hass auf den Westen
Dabei hat Georgetown gerade unter Politikern ein hohes Renommee. Zu den Alumni der SFS zählen unter anderem der ehemalige US-Präsident Bill Clinton, zwei Stabschefs des Weißen Hauses, König Felipe VI. von Spanien, Botschafter und Staatsoberhäupter aus aller Welt. Es ist die Hochschule der Wahl für die Kinder der jordanischen Königsfamilie und führt regelmäßig internationale Rankings an. Während die Öffentlichkeit die Schule mit großer Bewunderung betrachtet, ist im Innern etwas zutiefst faul an „der ältesten Hochschule für internationale Beziehungen in den Vereinigten Staaten und der allerbesten Hochschule für internationale Beziehungen der Welt“. Der Grund: Hinter den geheiligten Idealen von Diversity, Equity and Inclusion (DEI) verbergen sich virulenter Antisemitismus und echter Hass auf den Westen. Ich weiß es – ich war dort.
Erstes Jahr.
Das Studium begann für mich mit einem Pflichtkurs in Geschichte, „Globalization: Inter-societal Relations“. Der Kurs war DEI-zertifiziert und offiziell dazu gedacht, die Auswirkungen westlicher Expansion auf die Welt zu untersuchen. In der Praxis verurteilte er jedoch den Westen für seinen Einfluss auf die Dritte Welt und behauptete, der Westen schöpfe zu Unrecht die Früchte seiner unverzeihlichen Vergangenheit ab.
Um zu bewerten, ob der Kurs die DEI-Anforderungen erfüllte (d. h. ob er ausreichend die negativen Auswirkungen des Westens auf ethnische, sexuelle und geschlechtliche Minderheiten hervorhob), bat die Programmleitung um Online-Feedback. Ich nutzte das geteilte Google-Dokument, um den Kurs dafür zu kritisieren, dass er übermäßig politisch und einseitig sei, und forderte einen ernsthaften Geschichtskurs, der sich nicht nur mit den Übeln von Kolonialismus und Imperialismus beschäftigte. Künftige Beamte, schrieb ich, müssten ihre eigene Geschichte kennen, um zu verstehen, was sie vertreten und warum.
Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Ein Student schrieb, dass der Kurs „– wenn verbessert – eine der Maßnahmen sein könnte, die verhindern, dass sich die privilegiertesten Menschen – nämlich weiße Männer – treffen, um intellektuell über verherrlichte Darstellungen des Westens zu onanieren.“ Als die Kommentare eskalierten, nahm die Verwaltung das Dokument vom Netz – nicht jedoch, ohne den Studentenvertreter, der im Auftrag der Verwaltung selbst das Dokument erstellt hatte, des Rassismus zu beschuldigen, weil er eine Plattform (ein leeres Google-Dokument) geschaffen habe, auf der „rassistische Ideen“ geäußert wurden.
Mobbing als Antwort auf nicht-linke Kritik
Wenige Tage später schickte der Programmdirektor, George Shambaugh, eine E-Mail an alle, in der er erklärte, er sei sich „eines Dokuments mit rassistischen Kommentaren und verletzenden Antworten“ bewusst. Auch wenn mein Name nicht explizit erwähnt wurde, war allgemein klar, dass die Bemerkungen auf mich zielten. Damit begann das eigentliche Mobbing. Studenten beschuldigten mich der „ideologischen Vergewaltigung“ und des „spirituellen Völkermords“. Ich wurde als weißer Suprematist bezeichnet und völlig abwegig und falsch beschuldigt, das schwedische Kapitel von „QAnon“ gegründet zu haben. Die Gruppierung ist in Europa dafür bekannt, am 6. Januar 2020 den sogenannten Sturm auf das US-Kapitol mit angestachelt zu haben. In Schweden gibt es so eine Gruppe nicht.
Studenten, die ich nie getroffen hatte, schrien mir auf dem Campus „Vergewaltiger“ hinterher. Als ich meinen Lacrosse-Schläger unbeaufsichtigt in der Student Lounge ließ, wurde er in den Müll geworfen. Ein schwuler Freund von mir, der gegenüber seinen Eltern nicht geoutet war, wurde bedroht, dass man ihn „outen“ würde, falls er unsere Freundschaft nicht öffentlich verurteile. Zweimal wurde ich auf dem Campus von schwarzen Studenten auf E-Scootern tätlich angegriffen, die mich „fucking white guy“ nannten.
Es hatte keinen Sinn, zur Polizei zu gehen. Während einer verpflichtenden „DEI-Skills-Clinic“ – eine Überschrift, die sprachlich damit spielt, dass man krank sei, solange man nicht in der „Klinik“ geheilt werde („clinic“ kann auch als „praktische Lehrveranstaltung“ übersetzt werden – Anm. d. Red.) – erklärten zwei Dozenten in der Einführungswoche, man solle keine Polizei rufen oder Anzeige erstatten, wenn der Täter einer ethnischen Minderheit und das Opfer weiß sei, „weil die Polizei rassistisch ist“. Die Studenten im Raum nickten zustimmend.
Von all den Härten tat mir am meisten weh, dass mir Studenten und einige Freunde rieten, meine lokale Kirche nicht zu besuchen, da dies die bereits weit verbreitete Wahrnehmung, ich sei ein Nazi, verstärken würde.
Als die Schikanen zunahmen, wurde ich zu einem kleinen Treffen mit Direktor Shambaugh und einem weiteren Professor geladen. Während des Gesprächs räumte Shambaugh ein, dass mein Feedback „weder rassistisch noch problematisch“ gewesen sei. Als ich ihn bat, diese Einschätzung dem Rest des Jahrgangs mitzuteilen, weigerte er sich. Inzwischen begannen Studenten, sich selbst zu zensieren, aus Angst, so behandelt zu werden wie ich.
Ich schrieb eine E-Mail an die Programmleitung, in der ich argumentierte, sie hätten eine Kultur der Angst geschaffen und durch das Vorgehen gegen eine gültige akademische Meinung die Meinungsfreiheit auf dem Campus unterdrückt. Shambaugh antwortete, meine Kritik sei beleidigend, und verlangte, mich bei den kritisierten Mitarbeitern zu entschuldigen.
Nach meiner letzten Prüfung im Frühjahr flog ich nach Schweden zurück, mit dem Plan, im Herbst nicht zurückzukehren. Doch ich hoffte, dass die Sommerpause das Campusklima beruhigen würde, und kehrte mit der Erwartung zurück, dass das zweite Jahr besser werde. Das wurde es nicht.
Zweites Jahr.
Das Herbstsemester hatte kaum begonnen, als Hamas am 7. Oktober den größten Massenmord an Juden seit dem Holocaust verübte. Anstatt diesen islamistischen Terroranschlag, bei dem auch amerikanische Opfer und Geiseln betroffen waren, breit zu verurteilen, feierten ihn einige Campusgruppen als „tatsächliches Ereignis“ gegen den Kolonialismus. In einem viel gelesenen Studentengruppenchat schrieb ein Student: „Nur Gewalt kann ein gewalttätiges und schwer bewaffnetes Kolonialregime beseitigen.“ Als einer der Chat-Moderatoren erklärte ich, dass Aufrufe zu Gewalt gegen jüdische oder israelische Studenten nicht erlaubt seien. Man entgegnete mir, die Teilnehmer des Chats hätten das Recht auf freie Meinungsäußerung.
Weniger als eine Woche später wurden Mahnwachen abgehalten – nicht für die Opfer des Massakers, sondern für die „Märtyrer, die von der Besatzung ermordet wurden“. Auf Plakaten am Campus stand: „Steht in Solidarität mit dem Kampf für die Befreiung Palästinas.“ Andere erklärten: „Ehre unseren Märtyrern.“ Die „Students for Justice in Palestine“ (SJP), eine US-weite Gruppe, die für ihre Rolle bei der Columbia-Hall-Besetzung und den Harvard-Protesten bekannt ist, rief zu „Walk Out or Sit In“-Aktionen auf – Studenten verließen mitten in der Vorlesung die Räume oder legten sich auf den Boden, um Opfer israelischer Gewalt zu imitieren.

Palästina-Aktivisten an der Georgetown Universität im Februar 2024
Auch deutsche Universitäten erlebten, was die Deutsche Welle als „Tsunami des Antisemitismus“ beschrieb. Studenten der Freien Universität Berlin priesen den Angriff vom 7. Oktober, und an der Universität Hamburg wurden Menschen angegriffen, weil sie ein öffentliches Seminar über Antisemitismus besucht hatten.
Mit dem Anwachsen der pro-palästinensischen Proteste wuchs auch die Angst jüdischer Studenten um ihre Sicherheit. Bei einem Treffen zwischen jüdischen Studenten und der Universitätsleitung erkannte der Dekan der SFS, Joel Hellman, den Anstieg des Antisemitismus zwar an, beharrte jedoch darauf, dass die Proteste vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt seien. Eine leitende DEI-Verantwortliche gab zu, dass Juden nicht als „geschützte Minderheit“ kategorisiert seien, „man arbeite aber daran“. Ich nahm als praktizierender Christ mit Sorge um meine jüdischen Kommilitonen teil. Als ich Dekan Hellman fragte, wie er es zulassen könne, dass mich Dozenten als Rassisten bezeichneten, während er sich auf freie Meinungsäußerung berufe, wenn Studenten zum Tod von Juden aufriefen, antwortete er lediglich: „Die andere Seite leidet genauso wie ihr.“
Im November 2023 kündigte mein Programm die Einstellung einer neuen stellvertretenden Direktorin für akademische Angelegenheiten an: Aneesa Johnson, die Hauptansprechpartnerin für Masterstudenten werden sollte. Eine kurze Google-Suche ergab, dass sie eine lange und gut dokumentierte Geschichte virulenter antisemitischer und antiisraelischer Äußerungen hatte, darunter Bezeichnungen wie „Zio-Schlampen“ für Juden und Posts mit der Unterschrift „Die Welt hasst euch“ unter einem Bild eines chassidischen Jungen. Sie teilte auch ein Bild eines Gleitschirmfliegers – eine Anspielung auf die Methode, mit der Hamas das Nova-Musikfestival überfallen hatte, bei dem 378 Menschen ermordet wurden – mit der Bildunterschrift: „By any means necessary“ (deutsch etwa: Um jeden Preis. Mit allen Mitteln).

Aneesa Johnson wurde wegen antisemitischer Äußerungen von der Georgetown Uni beurlaubt. Die Leitung behauptete, vor der Berufung nichts von ihrer Hetze gegen Juden gewusst zu haben.
Ein anderer Student und ich veröffentlichten unsere Funde auf X; die Geschichte erhielt landesweite Aufmerksamkeit, und Johnson wurde am nächsten Tag beurlaubt. Die Leitung behauptete, keine Kenntnis von ihren Ansichten gehabt zu haben. Später verklagte Johnson Georgetown wegen unrechtmäßiger Entlassung und behauptete Diskriminierung ihrer palästinensisch-afroamerikanischen Identität.
Zur gleichen Zeit begann ein Mitstudent – ein Veteran des US Marine Corps und frisch konvertierter Muslim – antisemitische Inhalte im Programmchat zu posten. So teilte er eine Karikatur von Ex-Präsident Joe Biden mit Teufelshörnern, Davidsternen als Pupillen und blutgetränkten Händen, umgeben von brennenden palästinensischen Flaggen. Ich zeigte das Bild Direktor Shambaugh, doch er tat es ab als „nicht einmal problematisch“.
Inzwischen war meine Verteidigung der westlichen Zivilisation bekannt und in vielen Studentenkreisen ein Thema. „Stirb nicht mit so viel Hass in deinem Herzen“, schrieb mir der frisch Konvertierte drohend über WhatsApp. Ein Terrorismusexperte und Georgetown-Professor riet mir als Freund, vorsichtshalber für eine Weile zu Hause zu bleiben. Ich folgte seinem Rat.
Im Februar 2024 lud die Georgetown Israel Alliance, eine Studentengruppe, IDF-Soldaten zu einem Vortrag auf dem Campus ein. Die Veranstaltung, bewacht von über einem Dutzend bewaffneter Polizisten, hatte kaum begonnen, als sie von schreienden Studenten unterbrochen wurde, die ihre Hände rot bemalt hatten – eine Anspielung auf den Palästinenser, der 2000 nach der Lynchmord-Aktion an zwei israelischen Soldaten in Ramallah blutige Hände aus einem Fenster schwenkte. Vor dem Raum versammelten sich Hunderte Demonstranten. Ein jüdischer Student erzählte mir, dass ein Demonstrant ihm direkt ins Gesicht schrie: „I will fucking kill you“, direkt vor den Campus-Polizisten, die nichts unternahmen. Als ich ihn ermutigte, die Drohung bei der Polizei zu melden, fragte er nur rhetorisch: „Bei wem? Bei der Polizei?“
Auch Fakultätsmitglieder beteiligten sich an der Feindseligkeit. Professor John Esposito, Mitbegründer des Prince Alwaleed Centers for Christian-Muslim Understanding (ACMU), lud Mohamad Habehh zu einem Vortrag ein. Habehh nannte sich selbst „PR-Typ für Hamas“ und arbeitete für „American Muslims for Palestine“, eine Organisation, die von der US-Regierung wegen materieller Unterstützung für Terrorismus untersucht wird. Am ACMU ist auch Nader Hashemi angestellt, ein gut dokumentierter Hamas-Unterstützer. Trotz interner Einwände wurde seine Anstellung von Dekan Hellman selbst genehmigt. Anthropologieprofessorin Laurie King nannte den damaligen Interimsdirektor für studentisches Leben, Rabbi Daniel Shaefer, auf Instagram „einen verlogenen Faschisten, der die Tötung von Arabern unterstützt“.
Im Juni dieses Jahres forderte ACMUs Lehrstuhlinhaber für Islamische Zivilisation, Jonathan Brown, Iran auf, US-Militärbasen anzugreifen, als Reaktion auf amerikanische Angriffe auf iranische Nuklearanlagen. Er wurde inzwischen beurlaubt.
Der moralische Nihilismus der Universität
Der Streit über freie Meinungsäußerung und institutionelle Neutralität erreichte seinen Höhepunkt, als die Präsidenten der Harvard University, Columbia University und des Massachusetts Institute of Technology im Dezember 2023 vor dem US-Kongress aussagen mussten. Auf die Frage, ob Aufrufe zum Völkermord an Juden gegen die Verhaltenskodizes ihrer Universitäten verstießen, antworteten alle drei Präsidenten, das hänge vom „Kontext“ ab.
Dass führende Institutionen, denen die Ausbildung künftiger Führungskräfte anvertraut ist, unfähig sind, offenen Antisemitismus zu verurteilen, wurde mit Ungläubigkeit aufgenommen. Wie konnte freie Meinungsäußerung – die unter dem akademischen DEI-Regime erodiert war – plötzlich unantastbar werden, wenn sie zur Rechtfertigung von Aufrufen zum Völkermord diente?
Zahlreiche Akademiker und Intellektuelle in den USA und Europa haben ihre Jobs oder ihre öffentliche Stellung für weit mildere Äußerungen verloren. 2022 wurde Ilya Shapiro, einer der führenden Experten für Verfassungsrecht in Amerika, daran gehindert, seine Stelle als Direktor am Center for the Constitution an der Georgetown Law School anzutreten, weil er getwittert hatte, die designierte Verfassungsrichterin Ketanji Brown Jackson sei wegen ihrer Hautfarbe und nicht wegen ihrer Qualifikation ausgewählt worden. Eine mindestens zulässige Meinungsäußerung.
2021 wurde Sandra Sellers von derselben juristischen Fakultät entlassen, nachdem sie ihre Sorge geäußert hatte, dass schwarze Studenten tendenziell am Ende ihrer Klasse rangierten. Ihr Gesprächspartner, David Batson, trat zurück, bevor disziplinarische Maßnahmen ergriffen werden konnten.
Prestige statt moralischer Kompass
In den USA zu studieren ist teuer, und die meisten Europäer sind auf Stipendien angewiesen. Ich teilte meine Geschichte mit den Stiftungen, die mein Studium finanziert hatten. Viele äußerten tiefe Besorgnis, aber keine war bereit, angesehene Universitäten von ihren Listen zugelassener Institutionen zu streichen. Die Verlockung des Prestiges überwog den Preis des moralischen Kompasses. Ein schwedischer Geldgeber der SFS schrieb mir sogar: „Georgetowns Entscheidung, aktive IDF-Soldaten einzuladen, war genauso kontrovers und fragwürdig wie die Einladung eines Hamas-Vertreters.“ Die eine Seite kämpft für die einzige Demokratie im Nahen Osten. Die andere ist eine fanatische islamistische Terrororganisation. Sind wir wirklich so tief gesunken, dass wir den Unterschied nicht mehr erkennen?
Universitäten in Europa und den USA haben Neutralität lange als heiliges Prinzip behandelt. Doch die nächste Generation von Diplomaten, Geheimdienstlern und Beamten wird nun an Institutionen wie der SFS ausgebildet, wo Neutralität bedeutet, sich zu weigern, die Werte zu verteidigen, die unsere westlichen Gesellschaften einst zusammenhielten. Ein Drittel der SFS-Studenten sind Ausländer, aus Ländern wie China, Iran und Russland. In Georgetown und in der gesamten „Ivy League“ lernen sie, dass es keine objektiv guten Werte oder Tugenden gibt, die es zu verteidigen lohnt.
Ausländische Gegner wie Russland und Katar nutzen diese Lektion aus, wenn sie argumentieren, der Westen sei in Dekadenz verfallen. Jede Kritik an unmoralischen Praktiken in Ländern des Nahen Ostens, in Afrika oder Asien wird als „koloniales Denken“ abgetan. Der moralisch neutrale Kurs westlicher Universitäten hat sie schutzlos gegenüber konkurrierenden Vorstellungen des vermeintlich Guten gemacht.
Als Präsident Trump also Milliarden an Geldern für amerikanische Universitäten einfrieren ließ, hielten viele von uns Absolventen dieser Universitäten das nicht nur für gerechtfertigt, sondern für notwendig – unabhängig davon, was man sonst von seiner kontroversen Präsidentschaft hält. Sollten Universitäten nicht lehren, dass es bestimmte Werte gibt, die objektiv wahr und gut sind – Tugenden, die notwendig sind, um unsere Länder zusammenzuhalten?
Die wachsende Kluft zwischen Eliten und Öffentlichkeit
Nein, der liberale Drang, Lernen und Führung auf bloße Fragen von Meinung und Rechten zu reduzieren, macht eine solche Lehre unmöglich. Kein Wunder, dass die liberale Elite des Westens Macht mehr begehrt als Gerechtigkeit. Man sollte meinen, gerade Deutschland würde globale Bemühungen im Kampf gegen Antisemitismus anführen. Doch das Fehlen nationalen Selbstbewusstseins an seinen Universitäten, kombiniert mit einer stetig wachsenden Zahl muslimischer Migranten, macht es den heutigen Führungskräften und ihren elitären Absolventen unmöglich, für das einzustehen, was uns einst groß machte.
Als Hamas-Anhänger bei meiner Abschlussfeier mit palästinensischen Flaggen einen Putsch inszenierten, buhten meine angereisten Familienangehörigen und Freunde die Demonstranten aus, als diese hinausgingen. Die Kluft zwischen Elite und Öffentlichkeit zeigte sich offen. Diese Kluft wird größer – in Amerika und Europa – und wenn wir diese inneren Bedrohungen nicht angehen, könnten unsere ohnehin schon wankenden Gesellschaften bald gar nicht mehr bestehen.
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