Söder hat Recht! Deutsche Tugenden sind nicht altmodisch
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Bei seiner Parteitagsrede in Augsburg bezeichnete Bayerns Ministerpräsident Markus Söder Begriffe wie Leistung, Anstand, Pünktlichkeit und Fleiß als Kennzeichen deutscher Tugenden. Und er sagte: „Deutsche Tugenden sind nicht altmodisch.“ Söder hatte vorher darüber gesprochen, dass Menschen, die arbeiten können, kein Bürgergeld beziehen sollten. Großer Beifall. Ohne es auszusprechen, hatte er eine Verbindung geschaffen: Wer fleißig und leistungsbereit ist, braucht kein Bürgergeld.
Da sind sie wieder, die oft verlachten „deutschen Tugenden“. Fangen wir bei dem Begriff Leistung an. Psychologen definieren das Wort laut Wikipedia so: „Wenn wir uns anstrengen und Ziele erreichen, wachsen wir über uns hinaus. Wir erwerben neue Fähigkeiten, stärken unser Selbstvertrauen und erweitern unseren Horizont“. Mag alles sein, sagt mir mein gesunder Menschenverstand. Aber man muss es gar nicht so kompliziert erklären.

Der deutsche Kanu-Vierer freut sich über ihre Leistung und Olympisches Gold.
Fleiß muss man vorleben
Als lebenserfahrener (anderes Wort für älterer) Mensch glaube ich, auch wenn es jetzt etwas platt klingt – fleißig bist du entweder nie oder immer. Soll heißen: Wenn du nicht – sozusagen mit der Muttermilch – aufsaugst, dass Fleiß eine bedeutende und positive Tugend ist, wirst du es schwer im Leben lernen. Fleiß bedarf Vorbilder, am besten über Generationen. Die oft zitierte Aufbaugeneration war fleißig. Und wenn die Mütter dieser Generation den Sinn und Wert von Fleiß vorgelebt und weitergegeben haben, lebten ihre Kinder das oft nach, versuchten es jedenfalls. Wenn heute Eltern ihren Kindern das Leben im Bürgergeld vorleben, dann … ich brauche es gar nicht auszusprechen.
„Das macht ein anständiger Mensch nicht“
Nehmen wir Anstand. Auch hier: Den Satz meiner Mutter „das macht ein anständiger Mensch nicht“, habe ich durch meine ganzen Kinder- und Jugendtage gehört. Und er hat mich oft genervt. Als ich ein „Halbstarker“ war (so nannte man in den 50er Jahren Jungen, die schon groß waren, aber noch Pickel hatten), zog ein neuer Junge in unsere Nachbarschaft. Er stotterte, und zwar fürchterlich. Keiner lachte, obwohl die meisten von uns sonst untereinander oft grausam waren. Es war eine Frage des Anstands, nicht über den stotternden Jungen zu lachen. Keiner musste darüber reden, keiner hat sich abgesprochen. Man lachte einfach nicht.
Auch die Pünktlichkeit ist ein Ausdruck des Respekts gegenüber anderen. Wenn man pünktlich ist, zeigt man, dass man die Zeit und Bedeutung anderer Menschen respektiert. Wer pünktlich ist, zeigt: Ich nehme einen Termin ernst. Ich bin pünktlich, weil ich die Zeit ernst nehme, zu der wir uns verabredet haben. Mehr noch, etwas pathetisch gesagt: Die Zeit ist mir heilig. Warum sollst du warten, nur weil ich zu spät komme?

Pünktlichkeit ist eine deutsche Tugend, die bei der Deutschen Bahn kaum noch gepflegt wird.
Auch da: Wer als Kind pünktlich ist (nicht mal, sondern fast immer), wird es später im Berufsleben auch sein. Jeder von Ihnen, liebe Leser, wird Menschen kennen, die immer unpünktlich sind. Wenn man es gut meint, sagt man: „Ich gehe später hin – der kommt ja sowieso nicht pünktlich.“ Wenn nicht, will man diese Menschen nicht mehr treffen. Heute kommen viele junge Leute sogar zum Vorstellungsgespräch zu spät.
Fazit: Die deutschen Tugenden, über die Markus Söder gesprochen hat, sind nicht altmodisch, wirklich nicht. Sie sind zeitlos, sie sind modern – heute, morgen, immer.
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