Wie der Brustkrebs von Trumps Wahlkampfheldin Susie Wiles die empathische Seite des US-Präsidenten offenbart
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Melanie GrünSusie Wiles ist keine, die sich in den Vordergrund drängt. Die 68-Jährige ist die stille Architektin der Macht im Hintergrund Donald Trumps. Sie steuerte erfolgreich zwei Präsidentschaftskampagnen. Doch diesen Gegner hat sie nicht kommen sehen: Susie Wiles hat Brustkrebs. Und der Präsident hat das auf seiner Plattform Truth Social gepostet.
Als Trump kurz darauf in Washington bei einer Kuratoriumssitzung des Kennedy Centers zu einem besonderen Statement ansetzt, ist die Aufmerksamkeit der bescheidenen Frau sichtlich unangenehm. Mit ernstem Gesicht sitzt Wiles neben Trump. Ihr zartrosa Blazer verströmt mehr Optimismus als ihr Gesicht.
„Ich möchte auch noch Susie Wiles vorstellen, unsere Stabschefin. Sie ist eine erstaunliche Person und eine erstaunliche Kämpferin, und sie geht gerade durch eine kleine Schwierigkeit, wird aber bald in guter Verfassung sein.“
Dabei klopft Trump ihr kumpelhaft auf den Rücken. Fast wirkt es, als müsse er sich selbst überzeugen. Als habe hier einer einfach Angst um seine alte Freundin. Susie Wiles lächelt schwach. Sie macht andere groß, sorgt dafür, dass der Laden läuft. Sie kontrolliert einen Großteil des Personals, den Kalender des Präsidenten und wägt ab, wer mit ihm sprechen darf. Doch das Leben macht oft andere Pläne, die in keinem Organigramm abzubilden sind.
Krankheit trifft auch mächtige Menschen – mehr als 600.000 Frauen sterben jedes Jahr weltweit an Brustkrebs. Vorsorge und Früherkennung sind essenziell für die Behandlung. Die Diagnose bleibt dennoch beängstigend. Selbst der sonst so toughe Präsident sucht ein bisschen unbeholfen nach Worten: „Ich habe zu ihr gesagt: Handle sofort! Speziell bei dieser Diagnose gilt: Je schneller, desto besser. Sie hat also schon begonnen, die Prognose ist exzellent.“
Und Susie Wiles entgegnet ruhig: „Thank you, Sir.“

Susie Wiles leitete schon erfolgreich Wahlkämpfe für Donald Trump
Der Feind im eigenen Körper
Über Susie Wiles (der Cicero schrieb einst, sie habe den schwierigsten Job der Welt) weiß man nicht viel. Die geschiedene Mutter zweier Töchter wurde von ihrem Vater, einem Sportkommentator, allein großgezogen. Sie beobachtet gern Vögel und backt für ihre Enkel. Selbstdarstellung ist nicht ihr Ding. Wer die Entscheidung getroffen hat, diese sehr private Erkrankung öffentlich zu machen? Vermutlich Donald Trump selbst.
In seinem Posting auf Truth Social bezeichnet Trump Susie Wiles am Montag als eine seiner „engsten und wichtigsten Beraterinnen“. Er und seine Frau Melania stehen ihr „in jeder Hinsicht zur Seite“. Wiles werde es bald „besser als je zuvor gehen“. Kleiner hat er’s nicht.
Die Linken hätten aus der Diagnose vermutlich eine große Empowerment-Kampagne gemacht. Trump und seine Beraterin machen es auf ihre eigene Weise, und so hat diese Szene eine ganz eigene Würde: Zwei Politik-Dinos werden gemeinsam älter – und auch mal krank. Emotionen sind aber nicht der Job von Susie Wiles. Sie löst Probleme. Jetzt hat sie selbst eines, und der Chef würde es wegbomben, wenn er könnte. Gegen den Krebs ist der Iran zwar ein kleiner Gegner, gekämpft wird trotzdem, Seite an Seite. Im System Trump wird Loyalität belohnt.
Die Macht der Bescheidenheit
Susie Wiles hat jetzt schon Geschichte geschrieben – und das wollen viele Feministinnen nicht wahrhaben: Als erste Frau in der Geschichte der USA wurde sie Stabschefin eines Präsidenten. Bei der US-Präsidentschaftswahl 2016 leitete Wiles die Wahlkampagne von Donald Trump im Bundesstaat Florida. 2024 verantwortete sie den kompletten Wahlkampf. Dazwischen war sie zumeist als Politikberaterin tätig. Sie gilt als zuverlässig und verschlossen. Nur ein Interview mit der Vanity Fair im Dezember 2025 ging nach hinten los, weil sie Trumps Verhalten mit dem ihres alkoholkranken Vaters verglichen hatte. Trump stärkte ihr dennoch den Rücken. Sie sei fantastisch.

Susie Wiles genießt das Vertrauen des US-Präsidenten.
In der New York Times äußerte sich Wiles jetzt selbst. Sie werde zeitnah eine mehrwöchige Behandlung in der Hauptstadtregion Washingtons beginnen. Sie erklärte, der Präsident habe ein effektives Team, das sicherstellen werde, dass es keine Diskontinuitäten geben wird. Es wird Vertreter geben, denen Trump genauso vertraut wie ihr. Es wird jemand sein müssen, der nicht selbst nach der Macht strebt und völlig uneitel ist. Der Schritt nach vorn an die Presse war trotzdem nötig. Denn die erfahrene Stabschefin weiß auch: In Krisenzeiten ist gute Kommunikation wichtig.
Auf X erklärte Wiles: „Fast jede achte Frau in den Vereinigten Staaten wird diese Diagnose einmal erhalten. Täglich meistern diese Frauen die Herausforderungen, ihre Familien zu versorgen, ihrer Arbeit nachzugehen und sich mit Stärke und Entschlossenheit für ihre Gemeinschaften einzusetzen. Ich gehöre nun zu ihnen.“

Vielleicht hat die sachliche Strategin nicht damit gerechnet, dass die Menschen einmal Gänsehaut bei einem ihrer Statements haben würden. Jetzt ist es so weit. Bescheiden, pragmatisch und offen geht Susie Wiles mit ihrer Erkrankung um, und das macht sie groß. Auf X postete sie gestern: „Ich bin Präsident Trump zutiefst dankbar, weil er mich unterstützt und ermutigt, während ich mich in Behandlung begebe und in meiner Rolle als Stabschefin weiterhin im Dienst bin.“
Wiles’ politische Gegner werden ihr keine Schwäche zugestehen. Im Weißen Haus gilt: Wenn du blutest, kommen die Haie. Und der Krebs ist ein harter, unberechenbarer Gegner. Aber Susie Wiles und ihr Chef sind fest gewillt, auch ihn zu besiegen – als Team.
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