Thilo Mischke: Vom Woke-Liebling zum Buhmann
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Er galt lange als einer der „Guten“, arbeitete für Die Zeit und ZDFneo. Er drehte Sozialreportagen und einen Film namens „Forrest Trump“: Thilo Mischke. Bei seinem langjährigen Arbeitgeber ProSieben galt der 44-Jährige als Allzweckwaffe gegen schwierige gesellschaftliche Umtriebe. Und, schwierig, das waren offenbar gerne mal Positionen, die der Biomarkt-Adel nicht vertritt.
Im August 2021, als der Widerstand gegen die Corona-Maßnahmen seinen Höhepunkt erreichte, drehte Mischke die ProSieben-Reportage „Deutschland radikal – wie Hass unsere Gesellschaft spaltet“. Wenig hilfreich in Zeiten, in denen Millionen Menschen nicht wussten, wohin mit ihrem Unmut. Auf Instagram gibt er sich nachdenklich, gendert und spricht mit Moderatorin Linda Zervakis über Journalismus. Knapp 65.000 Menschen folgen ihm.

uf Instagram gibt er sich nachdenklich, gendert und spricht mit Moderatorin Linda Zervakis über Journalismus.
Mischke muss draußen bleiben
Thilo Mischke ist gut darin, Missstände aufzuzeigen. Vergangenes Jahr zeigten andere plötzlich mit dem Finger auf ihn: Sein 2010 erschienenes Buch „In 80 Frauen um die Welt“ wurde – 14 Jahre nach Veröffentlichung – wegen Rassismus und Sexismus kritisiert. Mehr als 100 Autorinnen, Autoren und Kulturschaffende schrieben einen offenen Brief an die ARD-Verantwortlichen und forderten, Mischkes geplanten Wechsel zu den Öffentlich-Rechtlichen zu stoppen.
Die Moderation des Kulturmagazins ttt – titel, thesen, temperamente war damit vom Tisch. Seitdem weiß Thilo Mischke, wie es sich anfühlt, gecancelt zu werden – mit allen harten Konsequenzen. Im Podcast Hotel Matze erzählt Mischke jetzt, er habe sich letztes Weihnachten sogar umbringen wollen. Seine Mutter sei aufgrund der Anfeindungen immer noch „kaputt“.
Schuldig!
Mischke sagt im Podcast, er sei bereit, sich „für immer zu entschuldigen“. Solche Werke wie sein Buch seien früher denkbar gewesen, würden heute aber zu Recht auf Ablehnung stoßen. Das Buch sei „beschissen“ und ein „Produkt seiner Zeit“.
Eine Gerichtsverhandlung gab es nie. Trotzdem befand die Woke-Society: SCHULDIG. Mischke beklagt heute, dass er kaum von Kollegen direkt konfrontiert worden sei – eigentlich das kleine Einmaleins des Journalismus.
Jetzt hat er den langen Rückweg vom Canceln angetreten. Und dafür gilt: öffentlich Einsicht zeigen und in Zukunft höllisch aufpassen.
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Melanie Grün
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