Tod auf der Bahnsteigtreppe
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Es ist eine Geschichte, die man eigentlich unterkühlt erzählen sollte. Sie geht so zu Herzen, dass mir genau das schwerfällt.
Ein Mann ist auf dem Weg nach Hause. Er heißt Ramesh K. und stammt aus Afghanistan. Er war 2012 gemeinsam mit seiner Familie vor den Taliban geflüchtet. In Deutschland arbeitete er als Küchenhelfer – oft bis spät in die Nacht. Er ist fleißig, er muss seine Familie ernähren. Er hat vier Kinder. Die Familie lebt in Lüneburg (Niedersachsen). Seine Tochter Suman ist 24. Sie berichtet, dass ihr Vater am vergangenen Samstag „bei einer Familienfeier in Hamburg“ war, weil ein Verwandter selbst Vater geworden war. „Später war er noch im Schanzenviertel, um dort nach dem Fest in einem afghanischen Restaurant nach einem neuen Job zu fragen.“
Den Bahnhof sollte er nicht mehr lebend verlassen
Als er in Hamburg auf dem Bahnhof auf seinen Zug wartet, habe er noch seine Ehefrau Pawni angerufen und sie mit den Worten beruhigt, dass sie sich keine Sorgen machen solle, da er jetzt auf dem Nachhauseweg sei. Es war das letzte Mal, dass die 56-Jährige mit ihrem Mann sprach.
Ramesh K. war so müde, dass er im Regionalzug einschlief. Statt am Zielbahnhof Lüneburg auszusteigen, fuhr er schlafend bis nach Uelzen.

Der Hundertwasser-Bahnhof in Uelzen. Hier strandete Ramesh K., weil er vor Erschöpfung im Zug eingeschlafen war und seinen Ausstieg verpasste.
Den Bahnhof sollte er nicht mehr lebend verlassen. Denn zur selben Zeit, gegen 1:30 Uhr, hielt sich auch ein 18-Jähriger in dem Gebäude auf. Weshalb er so aggressiv gegen sein Opfer vorging, ist noch unklar. Eine Zeugin beobachtete jedoch, was im Folgenden geschah.

Polizisten simulieren am Uelzener Bahnhof den mutmaßlichen Tathergang.
Ihren Angaben zufolge stieß oder trat der 18-jährige Marokkaner sein Opfer so brutal an der Bahnhofstreppe, dass er die Stufen hinabstürzte. Trotz Wiederbelebungsversuchen starb Ramesh K. noch am Tatort infolge eines Schädel-Hirn-Traumas, wie die Polizei berichtete. Der Täter wurde noch in derselben Nacht von Bundespolizisten im Bereich des Bahnhofs gefasst, nachdem er vorher geflohen war.
Der Täter war erst kurz zuvor aus dem Polizeigewahrsam entlassen worden
Vor der Tat lebte der Beschuldigte laut einem Polizeisprecher in einer Unterkunft für Asylbewerber in Uelzen. Er ist den Behörden bereits bekannt gewesen: Nur viereinhalb Stunden vor der tödlichen Auseinandersetzung war er wegen Taschendiebstahls und Körperverletzung aus dem Polizeigewahrsam entlassen worden. Am Zentralen Busbahnhof von Uelzen soll der 18-Jährige einem 31-Jährigen mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen haben. In diesem Fall ermitteln die Beamten wegen einfacher Körperverletzung. Der Polizeigewahrsam zur Verhinderung weiterer Straftaten sei beendet worden, nachdem die Geschäfte geschlossen hätten, sagte ein Polizeisprecher.
Hier endet die Geschichte, die eigentlich kein Ende finden darf. Der Täter wird verurteilt werden – wahrscheinlich zu einer Jugendstrafe. Die Familie des Opfers Ramesh K. wird wohl nie zur Ruhe kommen.
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