Über die Scheu, von Weihnachten zu reden
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Heute feiert die Christenheit Weihnachten. Liturgisch korrekt handelt es sich um das „Hochfest der Geburt des Herrn“. In den Tagen davor waren die Innenstädte belebter als sonst, man drängelte sich auf der Jagd nach dem letzten Geschenk aneinander vorbei – oder stieß gemeinschaftlich an auf die einstige „Stille Zeit“.
Beim Einkauf oder im Lokal verfestigte sich ein Trend, der in den letzten Jahren energisch an Fahrt aufnahm. Die Verkäufer und Kellner wünschen „frohe Festtage“ oder „schöne freie Tage“ oder schon „einen guten Rutsch“. In die Defensive geriet jener Wunsch, der Anlass und Inhalt des Festes benennt: „Frohe Weihnachten!“.
In den Vereinigten Staaten, wo die politische Korrektheit ihre ersten Höhepunkte feierte, waren Unternehmen die Vorreiter, die aus Rücksicht auf ihre multireligiöse Belegschaft „seasonal greetings“ aussprachen, jahreszeitliche Wünsche. Was die Jahreszeit dann vorgibt – den Winter, das kalendarische Ende, Chanukka oder doch Weihnachten –, darf sich jeder Wunschempfänger nach Gusto hinzudenken.
Weihnachten ist nicht nur wegen seines ausschließlich christlichen Inhalts anstößig. Ohne den überlieferten Glauben, da habe sich die „Geburt des Herrn“ ereignet, gäbe es dieses Fest nicht bis heute.
Doch auch der Name lässt sich nicht säkularisieren. Es ist die Feier einer geweihten Nacht, und diese Weihe meint den Zuspruch aus himmlischen Höhen.
Wäre die Nacht im Stall zu Bethlehem nicht geweiht gewesen, sprächen heute nur noch Historiker von ihr, wenn überhaupt.
Insofern steckt in der grassierenden Scheu, von Weihnachten zu reden, eine richtige Erkenntnis: Wer das Fest als das bezeichnet, woran es erinnert, der steht schon inmitten der Kette der Verkündigung. Der Geist von Weihnachten bleibt eine wunderbare Herausforderung.
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Alexander Kissler
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