Verhöhnung eines Mordopfers: Warum das Lachen der Berliner Grünen so verräterisch ist
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Lachen kann entwaffnend sein. Oder entlarvend. Wenn ein Politiker wie der damalige CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet beim Trauerakt für die Opfer der Ahrtal-Flut über einen Witz lacht, ist er im milderen Fall nicht bei der Sache, im ernsteren verhöhnt er die Toten und Menschen, die alles verloren haben.
Lachen kann aber auch intellektuelle Wehrlosigkeit offenlegen und Abwesenheit jeglichen Anstands, wie dieser Tage im Berliner Abgeordnetenhaus. Auf die bedrückenden Worte der Berliner Innensenatorin Iris Spranger (SPD) „Der schreckliche Tod von Mannheim zeigt uns...“ hielt es die Grünen-Abgeordnete Tuba Bozkurt für angemessen, feixend dazwischenzurufen „Mannheim ist tot?“ und war mit ihrer Heiterkeit nicht allein. „Lachen bei den Grünen“, hielten die unbestechlichen Parlamentsstenografen an dieser Stelle im Protokoll fest.
Wer den Staat verhöhnt, müsse die Härte des Rechtsstaats zu spüren bekommen, hatte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) Anfang Februar mit Blick auf Rechtsextremisten erklärt. Wer brutal ermordete Staatsdiener verhöhnt, kommt mit einer Entschuldigung davon. Ihr Zwischenruf sei „unanständig“ gewesen, schrieb Bozkurt auf Twitter (X), sie „bereue ihn zutiefst.“ Das ist das Mindeste. Wie glaubhaft solche Entschuldigungen sind, muss jeder selbst entscheiden.

Ein Vermummter hält ein Plakat mit „1312“ (All Cops Are Bastards) in die Luft. Auch bei den Grünen gibt es eine „milieutypische Verachtung“ gegenüber Polizeikräften.
Milieutypische Verachtung gegenüber der Polizei
Denn Lachen entwaffnet auch, weil es in entscheidenden Momenten schwer zu kontrollieren und entlarvend ehrlich ist. Es bricht einfach heraus. Im Falle der Grünen entlarvt es die milieutypische Verachtung gegenüber der Polizei, es entlarvt ein intellektuell und ethisch durch nichts gerechtfertigtes Überlegenheitsgefühl in der grünen Gruppe und eine tiefe Volksverachtung gegenüber jenen, die Recht und Ordnung für ein gutes Prinzip halten.
Eine selbstgewisse ideologische Elite blickt ungerührt herab auf einen Beamten, der von einem Islamisten in blinder Raserei geradezu hingerichtet wird. Und selbst dieser viral verbreitete, fanatische Blutrausch vermochte es nicht, den öko-elitären Dünkel gegenüber der vermeintlich biederen Staatsmacht zu durchbrechen und für einen kurzen Moment des Innenhaltens menschlich mitzufühlen.
Es gibt viele Spielarten des politischen Lachens. Das gespielte Lachen, um sympathisch zu erscheinen. Das gekünstelte Lachen beim Münchner Starkbieranstich am Nockherberg, wenn man als Politiker gute Miene zum bösen satirischen Spiel über einen selbst machen muss. Das eiskalte Lachen der Macht, das gönnerhafte auf den Diktatoren-Tribünen dieser Welt.
Für gewöhnlich wird in der Politik eher ein Mangel an ehrlichem, freiem, gelösten oder einfach nur fröhlichen Lachen beklagt. Das Lachen im Berliner Abgeordnetenhaus gehört zu den widerwärtigsten Spielarten des Lachens. Niemand hätte es vermisst.
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Ralf Schuler
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