Weihnachten in Wokistan – wie gehe ich mit dem linken Onkel um?
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Ein Kommentar von Melanie Grün und Sven Jäger
Jahrelang galt er als Problembär am Raclette-Tisch: der rechte Onkel. Große Wochenzeitungen gaben Tipps für den Umgang mit Verschwörungstheoretikern aus der Verwandtschaft, Populismus-Verdächtigen und Coronamaßnahmen-Skeptikern.
Klar war: Die sind gefährlich, die müssen irgendwie eingefangen werden. Denn begann so eine Debatte über der Käsepfanne erstmal zu zündeln, war schnell ein Großbrand unterm Tannenbaum entfacht. Noch vorm Dessert war man beim Klima, der Ukraine und Trump. Und schuld war immer: der rechte Onkel. Das ist in diesem Jahr anders.
Weihnachten 2025: Der rechte Onkel lächelt
Denn der rechte Onkel hatte leider recht – zumindest in vielen Punkten. Aber er hat’s aufgegeben, darüber zu streiten. Denn er weiß: es bringt nichts mehr, und es hat niemals was gebracht. Er wartet jetzt geduldig, bis selbst die guten Menschen nicht mehr leugnen können, wo es mit diesem Land lang geht (nämlich stramm den Bach hinunter).

An Weihnachten kommt es in vielen Familien zu Diskussionen.
Und entschuldigen werden sich die Guten selbst dann nicht bei ihm. Der rechte Onkel hat begriffen: damit was besser wird, muss es erst noch schlimmer kommen. Jetzt lächelt er weise in sich hinein und betäubt seine Verzweiflung mit Rotwein. Da wir uns also um den rechten Onkel keine Sorgen mehr machen müssen, geben wir hier lieber Tipps für den weihnachtlichen Umgang mit seinem Endgegner: dem linken Onkel, der zum frohen Fest wie jedes Jahr als ungebetene Gabe eine Jutetasche voll moralischer Überheblichkeit mitgebracht hat.
Damit er wieder gnadenlos mit seiner Gesinnung schrottwichteln kann. Wir sagen Ihnen, wie sie die linke Problem-Verwandtschaft erkennen und entwaffnen – so, dass der Weihnachtsabend für Sie nicht wieder mit Magengrummeln endet.
Das Beste am linken Onkel: Er meint es gut
Bis heute sind die Worte Christian Drostens für ihn die Heilige Schrift (natürlich testet er sich auch 2025 vor Familientreffen). Er hält Angela Merkel für eine gottgleiche Kanzlerin. Er freut sich auf die Energiewende, demonstriert mit anderen Weißen regelmäßig für die Vielfalt, und beim Namen Habeck bekommt er feuchte Augen. Den Kapitalismus lehnt er ab und betrachtet seinen Arbeitsplatz im öffentlichen Dienst als entscheidenden Beitrag zum Wohlstand der Gesellschaft. Ein Leben ohne NGOs ist für ihn möglich, aber sinnlos.

Der Virologe Christian Drosten ist für viele noch immer ein Heiliger.
Der linke Onkel: So erkennen Sie ihn
Zum weihnachtlichen Familienfest erscheint der linke Onkel in einer Funktionsjacke und mit Klammern an den Hosenbeinen, denn er ist natürlich mit dem Lastenrad da. An die hilflose Verwandtschaft verschenkt er Bücher von Luisa Neubauer. Von der Gans will er nichts abhaben, er hat eine Bambusdose mit veganem Bratling dabei. Sobald alle am Tisch sitzen, dauert es maximal 10 Minuten, bis sich der linke Onkel das erste Mal empört, weil jemand eine andere Meinung hatte. Der Falschmeinende wird sodann zurechtgewiesen und lautstark als charakterlicher Problembär eingeordnet. Bedroht jemand sein Weltbild, wird der linke Onkel zum Wutbürger. Aber er kämpft ja für eine gute Sache – und wird damit automatisch zum Erziehungsberechtigten.
Eiertanz am Esstisch
Weihnachten ist das Fest der Liebe. Doch in den meisten Familien ist es mittlerweile ein Minenfeld. Mit dem Auto in die Kirche? Technikgeschenke unter der Tanne? Braten als Festtagesessen? Ein ungegenderter Weihnachtsmann? Oder gar – da kriegt er sofort Herz- und Hirnrasen: das Wort „Stadtbild“. Muss er sich dann noch grundsätzliche Kritik an den Regierenden anhören, kann es sogar passieren, dass er einen allergischen Schock erleidet und mit einer Hafermilch-Infusion wiederbelebt werden muss. In jedem Thema versteckt sich ein ideologischer Sprengsatz, und der linke Onkel wird ihn zünden, damit er sich beruhigt schlafen legen kann. Jahrelang hat er auf Sie eingedroschen, ihre angebliche YouTube-Bildung und Telegram-Affinität verlacht – denn er vertraut ja völlig auf seine Qualitätsmedien, in denen er die Realität zuverlässig „eingeordnet“ bekommt. Zeit, ihn einzubremsen – am besten mit seinen eigenen Methoden.
So entwaffnet man woke Verwandtschaft
Die wichtigste Technik des linken Onkels: Argumente vermeiden und stattdessen dem Gegenüber sofort an die moralische Gurgel gehen. Er will den Andersmeinenden direkt einplanieren. Die Debatte ist dann nicht beendet – sie existiert nicht mehr. Eine effektive Methode, die man dem linken Onkel wunderbar klauen kann. Und so geht’s: Betritt der linke Onkel den Raum, müssen Sie schnell sein. Registrieren Sie jedes Wort, das er sagt, jede Geste, jedes Lächeln. Und sobald er auch nur einen halben Satz sagt, den man ihm – und sei es mit Mühe – als fragwürdig auslegen könnte: Attacke! Sie müssen gar nicht auf Details eingehen. Zünden Sie stattdessen einfach die progressive Stalinorgel und belegen Sie den linken Onkel mit einem Trommelfeuer aus Vorwürfen – je persönlicher, desto besser.
Demokratiefeinde sind überall
Ein guter Einstieg ist immer: „Du, ich bin jetzt menschlich von dir sehr enttäuscht.“ Wer es etwas härter mag, kann auch gleich sagen: „Verschone mich heute Abend bitte mit deinen Verschwörungstheorien“. Der linke Onkel wird nun erstaunt gucken und versuchen, sich zu rechtfertigen. Es ist aber völlig egal, was er sagt, denn Sie starten jetzt die zweite Angriffswelle: „Sorry, aber was du hier redest, das gefährdet unsere Demokratie!“ Er wird jetzt ziemlich ins Schwimmen kommen, denn das war bislang immer sein Satz. Während er stammelnd nach einer Ausrede sucht, gehen Sie ohne Zögern in den moralischen Nahkampf: „Sag mal, wo bist du eigentlich falsch abgebogen?“ Wenn er immer noch nicht zusammenbricht, bringen Sie den Vernichtungssatz: „Ich mach mir echt Sorgen um Dich!“
Die Nazi-Keule
Der linke Onkel ringt inzwischen vermutlich nach Luft. Das ist der Moment, in dem Sie kein Pardon zeigen dürfen. Holen Sie ihr Handy raus und sagen Sie so laut, dass es alle hören: „Ich müsste Dich eigentlich bei Facebook blockieren!“ Nun ist es Zeit für den Gnadenstoß. Warten Sie nicht ab, bis der linke Onkel wieder gleichmäßig atmet. Gucken Sie ihm tief in die Augen und sagen Sie: „Nazis raus!“ Natürlich ist er gar kein Nazi, aber die meisten Leute, die er immer Nazi nennt, sind es ja auch nicht. In seiner Welt lautet die Regel: Wer das N-Wort als Erster sagt, hat gewonnen. Er ist jetzt argumentativ erledigt. Vielleicht radelt er nach Hause, vielleicht löffelt er schweigend seinen Chiapudding. Bieten Sie ihm ein Gläschen Hochprozentiges zur Versöhnung an. Das nächste Weihnachten wird ruhiger. Versprochen!
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Melanie Grün
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