Rocker, Koks und Mafia: Ab heute läuft Deutschlands brisantester Prozess gegen einen Staatsanwalt
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Vor dem Landgericht in Hannover startete heute die Verhandlung eines spektakulären Kriminalfalls. Der Staatsanwalt Yashar G. muss sich vor Gericht verantworten, ihm wird vorgeworfen, in mehreren Fällen gemeinsame Sache mit Drogenbanden gemacht und Informationen weitergegeben zu haben. Konkret wird Staatsanwalt Yashar G. vorgeworfen: in mindestens 14 Fällen Bestechlichkeit, Verletzung von Dienstgeheimnissen und in zwei Fällen Strafvereitelung im Amt.
Staatsanwalt Yashar G. aus Hannover wird angelastet, Ermittlungsinformationen an eine Drogenbande weitergegeben zu haben, vermutlich um finanzielle Gegenleistungen zu erhalten. Monatlich soll der Jurist 5.000 Euro Bargeld für Hinweise kassiert haben – insgesamt sollen es sogar bis zu 65.000 Euro gewesen sein. Die gleiche Bande steht im Verdacht, im Februar 2021 rund 16 Tonnen Kokain in den Hamburger Hafen eingeführt zu haben. In dem Verfahren war Yashar G. selbst als klagender Staatsanwalt tätig. Der 39-jährige hielt schließlich sogar das Schlussplädoyer im Hannoveraner Gerichtssaal gegen einen der Angeklagten, obwohl Staatsanwaltschaft, Gericht und Justizministerium bereits zu diesem Zeitpunkt von den Vorwürfen gegen ihn wussten. Allerdings scheiterte der Drogendeal damals, nachdem die Ermittler rechtzeitig informiert wurden und fünf Container mit dem Kokain beschlagnahmen konnten. Dies stellte zu dem Zeitpunkt den größten Kokainfund in der Geschichte Deutschlands dar. Doch das scheint nur die Spitze des Eisbergs zu sein.
Warnte Yashar G. vor einer bevorstehenden Razzia?
Im Rahmen einer anschließenden Großrazzia, die länger geplant war, konnten lediglich 20 Verdächtige festgenommen werden, während zwölf weitere Männer offenbar zuvor gewarnt wurden und nicht angetroffen werden konnten. Nach Recherchen des Norddeutschen Rundfunks deuten ausgewertete Chatnachrichten darauf hin, dass der angeklagte Staatsanwalt Yashar G. diese Warnungen ausgesprochen haben könnte. In diesen Chats diskutierten Mitglieder der Bande anscheinend auch, ob Treffen mit dem Staatsanwalt entweder vor dem Landeskriminalamt oder sogar in der Staatsanwaltschaft Hannover stattfinden könnten. Ob solche Treffen tatsächlich stattfanden, ist bislang unklar. Yashar G. soll nach Informationen der Behörden öfter Personen, die nicht dienstlich mit ihm verbunden waren, in seinem Büro empfangen haben.

Der angeklagte Staatsanwalt Yashar G. heute Vormittag im Landgericht Hannover.
Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen
Für den Prozess sind zunächst 20 Verhandlungstage bis Mitte September eingeplant. Ob diese Zeit ausreichen wird, um alle Details des Falls zu klären, ist noch offen. Aufgrund der besonderen Umstände wurden die Sicherheitsvorkehrungen im Landgericht Hannover stark erhöht: Umfangreiche Eingangskontrollen wurden eingeführt und Mobiltelefone, Computer sowie Kameras sind strikt verboten. Laut einem Sprecher des Landgerichts sind diese verschärften Maßnahmen für diesen außergewöhnlichen Fall notwendig.

Landgericht Hannover: Aufgrund der erhöhten Sicherheitsvorkehrungen müssen Besucher vor dem Gericht länger auf den Einlass warten.
Laut Informationen des NDR vermutet die Anklagebehörde, dass sich der Umfang des Falles ausweiten könnte. Es wird derzeit untersucht, ob Yashar G. neben den 14 bereits angeklagten Personen möglicherweise auch seinen Schwager, einen bereits verurteilten Drogendealer, sowie die „Hells Angels“ mit vertraulichen Ermittlungsdetails versorgt haben könnte. Diese Vorwürfe sind bislang jedoch nicht offiziell Bestandteil der Anklage. Auch diese zusätzlichen Anschuldigungen weist Yashar G. nach Aussage seines Anwalts zurück.
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