Was eine Frau erlebte, die sich gegen einen arabischen Clan gewehrt hat: „Sie wollten mich tot sehen!“
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Sie war Mitglied einer bekannten arabischen Großfamilie und ist ausgestiegen.
Aus Sicherheitsgründen verschweigt sie ihren echten Namen, sie nennt sich Latife Arab. Sie ist im vergangenen September verschleppt und brutal misshandelt worden – wohl von ihrer eigenen Familie. Grund war ihr Buch „Ein Leben zählt nicht – als Frau im arabischen Clan“.
Jetzt sprach sie in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) über die schlimmsten Stunden ihres Lebens:
„Im ersten Moment dachte ich, es sei Säure“
„Ich erinnere mich nur bruchstückhaft, weil ich mehrmals das Bewusstsein verloren habe. Mehrere Männer zerrten mich in ein Auto und würgten mich mit dem Schulterriemen meiner Handtasche, bis ich ohnmächtig wurde. Als ich wieder zu mir kam, sah ich Bäume über mir. Sie schleiften mich über den Boden und ließen mich fallen, dann begannen sie auf mich einzutreten. Ich versuchte verzweifelt, meinen Kopf zu schützen. Plötzlich spürte ich eine Flüssigkeit auf meiner Haut. Im ersten Moment dachte ich, es sei Säure. Ich dachte, das sei die Strafe, die sie für mich ausgesucht hatten – dass ich mein Leben lang entstellt bleiben würde.“

Der jungen Mutter wurde schwerste Gewalt angetan – sie lebt noch immer in Todesangst. (Symbolfoto)
„Ich hatte Todesangst“
„Ich roch Benzin. Es lief mir in Mund und Nase. Ich dachte, sie wollten mich verbrennen. Ich hatte Todesangst. Ich musste an meine Kinder denken – wie sie von meinem Tod erfahren würden und wann man mich in diesem Wald finden würde.“
„Werfen wir sie von einer Brücke oder erschießen wir sie?“
„Sie haben sich sicher sehr durch mein Buch provoziert gefühlt – davon, was ich über das Leben der Frauen öffentlich gemacht habe. Ich kann mich an einige Gesprächsfetzen erinnern, die ich wie im Dämmerschlaf mitbekam, als ich im Auto für ein paar Augenblicke das Bewusstsein erlangte. Sie waren sich nicht einig, was sie mit mir anstellen sollten. Werfen wir sie von einer Brücke, damit es aussieht wie ein Suizid? Oder erschießen wir sie? Ich geriet in Panik, aber sobald ich mich bewegte, zogen sie den Riemen um meine Kehle enger, und ich wurde wieder ohnmächtig.“
„Einer trat mir mit voller Wucht gegen den Hinterkopf“
„Ich weiß nicht, wie ich auf dem Gelände eines Krankenhauses gelandet bin. Haben mich die Täter dort abgelegt? Habe ich mich selbst dahingeschleppt? Das Letzte, an das ich mich erinnere, ist das Klicken eines Feuerzeuges und wie ich an dem Gefäß festklammerte, aus dem sie Benzin über mich ergossen hatten. Dann trat mir einer mit voller Wucht gegen den Hinterkopf. Als ich wieder aufwachte, lag ich auf einem Rasenstück vor dem Krankenhaus.“

Großaufgebot der Polizei vor einer Villa aus dem Berliner Clan-Milieu (Symbolbild).
„Jedes Mal haben sie mich gefunden“
„Ich kann keine Namen nennen, wenn ich nicht weiß, wie ein Schutz gewährleistet werden soll. Jeder weiß, wozu diese Menschen fähig sind. Ich habe schon mehrmals meinen Namen geändert und bin umgezogen. Jedes Mal haben sie mich gefunden. Sie sind den Behörden immer einen Schritt voraus. Das Angebot des Landeskriminalamtes, ins Zeugenschutzprogramm zu gehen, galt nur für mich. Ich hätte meine Kinder und meinen Lebensgefährten zurücklassen müssen. Ich habe sofort gesagt: Ich lasse meine Kinder nicht allein. Welche Eltern würden das tun? Ich habe die Beamten gefragt, ob sie das mit ihren eigenen Kindern machen würden. Sie haben mich nur angeschaut und geschwiegen.“
„Meine Botschaft an alle Frauen“
„Wenn ich es schaffe, auszusteigen, schafft ihr es auch – das war die Botschaft meines Buches. Ich hatte so gehofft, dass meine Botschaft auch in der Politik ankommt. Nicht nur für Frauen aus diesen Strukturen, sondern für alle Frauen, die Opfer von Gewalt werden. Manchmal denke ich, es war ein Fehler, dieses Buch zu schreiben. Denn nach allem, was ich erlebt habe, kann ich den Frauen nicht mehr sagen, sie können ihre Familie verlassen. Es ist eine grausame Situation: Ihr habt Todesangst, ihr werdet bedroht, und die Behörden lassen euch im Stich. Dabei könnte man so viele Straftaten verhindern, wenn man die Frauen schützen würde.“
„Wenn ich sterbe, dann auch, weil die Behörden es zuließen“
„Ich weiß nicht, wo ich heute Nacht schlafen werde. Ich kann kaum noch klar denken. Ich kann nicht bei meinen Kindern bleiben, damit sie in Sicherheit sind und ein normales Leben führen können. Wenn ich jetzt Ihr Büro (bei der FAZ) verlasse und auf offener Straße erstochen werde, wird man sagen: Sie hat ja nicht kooperiert. Man wird sagen, ich hätte ja in ein Frauenhaus gehen können. Wäre ich nicht die bekannte Clan-Aussteigerin, wäre der Angriff auf mich eine kleine Meldung neben den vielen anderen Misshandlungen, Vergewaltigungen und Femiziden gewesen, denen Frauen täglich zum Opfer fallen. Wenn ich sterbe, dann auch, weil die Behörden es zuließen.“
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Redaktion
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