Innenministerium: In Deutschland gibt es mindestens 36 Clans mit insgesamt 500.000 Mitgliedern
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Die Bundesregierung hat neue Zahlen zur sogenannten Clankriminalität veröffentlicht. In der Statistik werden 36 von insgesamt 647 im Jahr 2024 erfassten Gruppierungen der Organisierten Kriminalität (OK) als „Clankriminalität“ eingeordnet. Gemeint sind damit in der Regel familienbasierte, migrantisch geprägte Strukturen, in denen einzelne Mitglieder organisiert und wiederholt Straftaten begehen, teils auch schwere Delikte, berichtet der Focus.
In dem Regierungsdokument wird ein „Clan“ als informelle soziale Organisation beschrieben, die von einem gemeinsamen Abstammungsverständnis getragen wird. Innerhalb solcher Strukturen spielten Hierarchien, feste Normen und Werte eine zentrale Rolle. Die Zugehörigkeit könne dabei als verbindendes Element wirken, das Straftaten begünstige oder Ermittlungen erschwere, weil interne Regeln über die staatliche Rechtsordnung gestellt werden könnten.
Herkunft: Wie die 36 Gruppierungen eingeordnet werden
Auch zur Herkunft der erfassten Familienstrukturen macht die Bundesregierung Angaben. Demnach sind:
- 13 Clans arabischstämmig,
- 11 Clans der Gruppe der Mhallamiye zugeordnet (arabischsprachige Gemeinschaften, überwiegend mit Wurzeln in der Türkei, im Libanon oder in Syrien),
- 9 Clans „rein türkischer“ Herkunft,
- 2 Clans kurdischer Abstammung,
- 1 Clan ursprünglich vom Westbalkan.
Zu den Strukturen, in denen Clanmitglieder nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden besonders häufig auftreten, zählt die Wachschutz- und Sicherheitsbranche.
Clan-Aktivitäten gehen über Deutschland hinaus
Nach Auskunft der Bundesregierung agieren 22 der 36 zugeordneten Clans nicht ausschließlich innerhalb Deutschlands, sondern sind auch in anderen EU-Staaten oder in Drittstaaten aktiv. Vier Gruppierungen unterhalten demnach sogar fortdauernde Beziehungen zu anderen Clans oder Gruppierungen im Ausland.
Die Bundesregierung verweist außerdem auf Schätzungen, nach denen alle Familienclans zusammengenommen rund 500.000 Mitglieder umfassen sollen. Gleichzeitig wird betont, dass nur ein kleiner Teil dieser Menschen tatsächlich kriminalitätsbelastet ist.
Die Zahlen wurden im Zuge einer parlamentarischen Anfrage der AfD-Fraktion veröffentlicht. Nicht alle Fragen konnten beantwortet werden. So macht die Bundesregierung unter anderem keine Angaben dazu, wie viele Fälle von Gewalt gegen Polizei und Rettungskräfte bei Einsätzen gegen Clans registriert wurden. Auch zur Frage nach Massenschlägereien rivalisierender Clans enthält die Antwort keine Auskünfte.
Bekämpfung der Clankriminalität soll verbessert werden
Bereits 2019 wurde die Bund-Länder-Initiative „BLICK“ gegründet, um Informationen zur Bekämpfung der Clankriminalität besser zu bündeln und den Austausch zu verbessern. Beteiligt sind die Länder Berlin, Bremen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sowie das Bundeskriminalamt, die Bundespolizei und das Zollkriminalamt. Vereinbart wurden ein arbeitsteiliges Vorgehen und eine enge Kooperation.
Laut Lagebild zur Organisierten Kriminalität deuten die Zahlen darauf hin, dass die Zahl der registrierten Tatverdächtigen mit Clanbezug zurückgeht: 2023 wurden 727 Tatverdächtige mit Clanbezug erfasst, 2024 waren es 565.
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