Raser: Immer mehr illegale Autorennen in Deutschland
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Im Jahr 2025 ist die Zahl illegaler Autorennen deutlich angestiegen. Das hat die Taz durch eine Anfrage bei den 16 deutschen Bundesländern herausgefunden. Exakte Zahlen zu Rasern und Autorennen liegen allerdings nicht vor, denn Verkehrsstraftaten werden in der Kriminalstatistik nicht gesondert erfasst.
Elf der angefragten Bundesländer nannten dem Blatt die Zahl der Anzeigen wegen illegaler Rennen aus den Jahren 2024 und 2025: Sie stieg dort von 6.075 auf 6.800 – ein Zuwachs um rund 12 Prozent.
- Detailliertere Zahlen als andere Bundesländer lieferte beispielsweise Nordrhein-Westfalen: 2.384 illegale Rennen wurden dort 2025 registriert, 5 Prozent mehr als im Vorjahr, 17 Prozent mehr als 2021. Die Zahl der dadurch verursachten Unfälle sprang von 2021 bis 2025 gar um 72 Prozent auf 663. 19 Menschen kamen dort in den Jahren 2024 und 2025 ums Leben – so viele wie nie zuvor.
- Aus Hessen heißt es, es gebe „derzeit rund 50 Beamtinnen und Beamte in sieben spezialisierten Kontrolleinheiten bzw. Kontrollgruppen“. Die Zahl der Anzeigen wegen illegaler Rennen ist von 155 im Jahr 2020 auf 403 im Jahr 2025 gestiegen.
- Vom Innenministerium in Bayern erhielten die Journalisten lediglich die Zahl der Rennen aus den letzten beiden Jahren. Sie stieg von 555 auf 633, ein Zuwachs von mehr als 14 Prozent. „Details ließen sich nur anhand einer manuellen Auswertung jedes einzelnen Anzeigen-Vorgangs aus der polizeilichen Vorgangsverwaltung erheben“, heißt es laut Taz weiter.
- In Baden-Württemberg wurden laut dpa-Informationen 2024 insgesamt 433 Fälle erfasst, im ersten Halbjahr 2025 bereits 293 – ein deutlicher Anstieg, auch durch intensivere Kontrollen.

Ein Angeklagter, der wegen versuchten Mordes zu 13 Jahren Haft verurteilt wurde, steht vor der Urteilsverkündung im Prozess wegen Mordes an zwei jungen Frauen in einem Saal des Landgerichts.
Raser in Stuttgart wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt
In Stuttgart ist ein Raser im April 2026 über ein Jahr nach einem Autorennen mit zwei Toten in Ludwigsburg wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Der Mann hatte sich mit seinem Bruder in illegales Autorennen in Ludwigsburg geliefert – sein Wagen hatte das Auto zweier junger Frauen gerammt. Der Bruder, der einen zweiten Wagen gefahren haben soll, muss wegen versuchten Mordes für 13 Jahre in Haft.
Angeklagt war auch der 26-jährige Cousin der Männer. Nach Überzeugung des Gerichts verabredeten sich die drei Türken am Abend des 20. März 2025 zu einem illegalen Rennen in der Ludwigsburger Innenstadt. Sie rasten durch eine Bahnhofsunterführung, bremsten, stimmten sich ab und beschleunigten erneut – teils in einer Tempo-50-Zone. Dabei filmten sie und feuerten sich an. Schließlich rammte der jüngere Bruder mit mehr als 130 Kilometern pro Stunde das Auto von zwei Frauen im Alter von 22 und 23 Jahren, die gerade eine Tankstelle verlassen wollten und bei dem Unfall ums Leben kamen.

Stuttgart, April 2026: Ein Cousin eines Opfers und eine Schwester eines Opfers kommen nach der Urteilsverkündung in einem Prozess wegen Mordes an zwei jungen Frauen vor dem Landgericht Stuttgart aus dem Gerichtsgebäude.
Familienangehörige behinderten die Aufräumarbeiten
Erst vor wenigen Tagen, am Montag, den 13. April, sorgte ein Fall aus Bremen für Schlagzeilen. Ein mit vier Personen besetzter Mercedes lieferte sich ein Rennen mit einem anderen Wagen, kam von der Fahrbahn ab, überfuhr einen Bordstein und den Gehweg und kollidierte dann mit einem Lichtmast und einem Verkehrszeichen. Der Wagen kam auf dem Dach zum Liegen, die vier Insassen mussten durch die Feuerwehr unter Einsatz eines hydraulischen Rettungsgeräts aus dem Fahrzeug befreit werden. Der Fahrer und der Beifahrer wurden mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht, zwei Frauen erlitten leichte Verletzungen. In der Mitteilung zu dem Fall heißt es: „Diverse Familienangehörige erschienen an der Unfallstelle und behinderten die Aufräumarbeiten, sodass die Polizei weitere Kräfte hinzuziehen musste, um die Unfallstelle abzusperren und den Verkehr umzuleiten.“
- Bremen registrierte 2023 Vorfälle „auf einem mittleren zweistelligen Niveau“, 2024 sowie 2025 hingegen „auf einem hohen zweistelligen Niveau“. Ältere Zahlen lägen „aufgrund von Löschfristen in den polizeilichen Erfassungssystemen“ nicht vor, sagte die Polizei gegenüber der Taz.
- Rheinland-Pfalz teilte mit, dass die Zahl der Rennen kontinuierlich von 288 im Jahr 2020 auf 419 im Jahr 2025 gestiegen sei. Wie viele Menschen dabei ums Leben kamen, lasse sich aber „anhand des rheinland-pfälzischen Vorgangsbearbeitungssystems nicht valide erheben“, heißt es im Artikel der Taz.
- Hamburg benennt einen dramatischen Zuwachs der Rennen von 117 im Jahr 2024 auf 186 im letzten Jahr. Weitere Details gebe es aber nicht, da „eine händische Einzelauswertung aller erfassten Fälle für eine journalistische Anfrage nicht leistbar ist“.
- In Sachsen-Anhalt wurde laut Innenministerium „durch händische Sichtung der einzelnen Vorgänge, folglich in einem sehr aufwändigen Verfahren“ zwar ein spezielles Lagebild zu den verbotenen Rennen erstellt – aber nur für die Jahre 2020 bis 2022. Die Zahl der registrierten Straftaten sei in diesem Zeitraum von 303 auf 468 im letzten Jahr um mehr als 50 Prozent gestiegen.
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