Broder knöpft sich Böhmermann vor: „Grenzbereich zwischen KZ-Humor und Veterinärmedizin“
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Seine Mutter hat die Todesmärsche von Auschwitz überlebt, sein Vater das KZ Buchenwald: Der Autor Henryk M. Broder gilt als eine der wichtigsten deutsch-jüdischen Stimmen unserer Zeit.
Und er meldet sich mit einem bemerkenswerten Kommentar in der Debatte um Jan Böhmermann zu Wort: „Seine Empfehlung, ‚einfach mal ein paar Nazis (zu) keulen‘, bewegte sich im Grenzbereich zwischen KZ-Humor und Veterinärmedizin. ‚Keulen‘, ein Zeitwort aus der Kategorie der ‚schwachen Verben‘, bedeutet: ‚Nutztiere töten, um Tierseuchen zu verhindern oder einzudämmen.‘ Die Idee des Keulens auf Menschen zu übertragen, könnte auch als eine Maßnahme gegen ‚lebensunwertes Leben‘ verstanden werden.“
Broders Meinungs-Beitrag erschien in der Welt (Das verräterische Nazi-Verständnis von Jan Böhmermann) und widmete sich der „ZDF Magazin Royale“-Ausgabe vom vergangenen Freitag, in der sich der ZDF-Moderator mit folgenden Worten verabschiedete: „Nicht immer die Nazi-Keule raus holen, sondern vielleicht einfach mal ein paar Nazis keulen. Tschüss, bis nächste Woche.“ Hier ist die Szene:
Damit waren, so schreibt Broder, nicht die historischen Nazis gemeint („längst ausgestorben“), sondern offenbar alle Menschen, die ganz einfach anders denken als Böhmermann. Nazi-Sein würde neu definiert: „Nazi ist, wer auf die Nachteile der Zuwanderung hinweist, den Sinn der Energiewende in Frage stellt und einen SUV mit Dieselantrieb fährt. Um sich als Antifaschist zu qualifizieren, reicht es dagegen, eine Halskette oder ein Armband mit dem Kürzel ‚FCKAFD‘ zu tragen. Wer sich noch stärker ‚gegen Nazis‘ engagieren will, nimmt an einer Menschenkette rund um das bedrohte Regierungsviertel teil.“
Broder vermutet, dass Böhmermann sich mit der Standard-Ausrede, es sei alles satirisch gemeint gewesen, herausredet. Und Satire dürfe bekanntermaßen alles. „Das wäre eine vertretbare Position, nur würde sie dazu führen, dass auch ‚Der Stürmer‘ rückwirkend als Satiremagazin anerkannt werden müsste.“ Er kommt zu dem Schluss: „Böhmermann ist kein Satiriker, er ist ein politischer Influencer.“ Broders Begründung: „Ein denunziatorischer Hinweis von ihm, und die Innenministerin entlässt einen Behördenleiter, den Böhmermann verdächtigt hatte, über einen deutschen Lobbyverein in Verbindung mit russischen Geheimdiensten zu stehen. Das ist gelebter Antifaschismus, made by Böhmermann & Friends.“

Böhmermann beschäftigte sich am Freitag mit FPÖ-Chef Herbert Kickl
NIUS erfuhr von der Staatsanwaltschaft Mainz, dass mehrere Anzeigen wegen der am Freitag ausgestrahlten und weiterhin im Netz auffindbaren Sendung eingegangen sind. Die Anzeigen werden gerade geprüft. Heißt: Ob es ein Ermittlungsverfahren gibt oder nicht, ist derzeit offen.
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