„Deutschland, du mieses Stück Scheiße“: Die linksradikalen Ansichten des zuständigen AfD-Reporters beim Bayerischen Rundfunk
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Wie unvoreingenommen berichtet der öffentlich-rechtliche Rundfunk über die AfD? Recherchen von NIUS zeigen: Einer der führenden Redakteure, die jüngst eine große Investigativ-Recherche über „rechtsextreme Mitarbeiter“ innerhalb der AfD-Bundestagsfraktion umgesetzt hat, äußerte sich in der Vergangenheit linksradikal und deutschlandfeindlich. Dabei handelt es sich um den Investigativjournalisten Alexander Nabert vom Bayerischen Rundfunk.
In den Tweets Naberts, die NIUS vorliegen, heißt es unter anderem: „»Scheiße« ist eine enorme Verharmlosung von Deutschland“ oder „Volkstod jetzt! #wiesmarties“. Nabert stimmt zum #deutschlandbeleidigungstag ein und schreibt, auch jetzt sei das Land noch „Moppelkotze“. An anderer Stelle wird gefragt: „Soll ich als Shitstorm oder als Volkstod zu Halloween gehen?“
Zudem fordert Nabert: „Mehr Karl Marx an Schulen & Universitäten!“. Auch zitiert er den Rapper NMZS der Antilopengang mit der Songzeile: „Gib mir eine Brandbombe in die Hand und ich bin Feuer und Flamme für Deutschland.“ Im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise auf der Insel Moria schrieb Nabert 2015: „Deutschland, du mieses Stück Scheiße. #Griechenland“. Länder, in denen Frauen Genitalbeschneidungen erleiden, wollte der Reporter „bombardieren“. Die Tweets aus dem Zeitraum zwischen 2014 und 2016 sind inzwischen gelöscht, NIUS liegen Screenshots und Rohdaten vor.

Nabert: Damals und heute. (Screenshot: ÖRR Blog)
Bei den zitierten Tweets Naberts dürfte es sich dabei um zulässige Meinungsäußerungen handeln, die zudem auf einem privaten Twitterprofil getätigt worden sind, bevor der 31-jährige Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks (BR) wurde. Doch sie werfen die Frage auf, wie ARD-Journalisten sozialisiert wurden – und wie parteiisch sie sind, wenn sie über die AfD berichten. Zu den Schwerpunkten des Reporters, der seit 2023 beim Bayerischen Rundfunk angestellt ist, zählen nach eigenen Angaben Innenpolitik, Terrorismus, Nachrichtendiensten und Spionage, aber eben auch: Rechtsextremismus – und damit immer wieder die AfD.
Indymedia „Plattform oder Zeitung?“
NIUS wollte vom Bayerischen Rundfunk und Alexander Nabert wissen, wie sie heute zu den Tweets stehen, ob sie zum Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunk passen – und inwiefern sie nicht ein Problem für die Glaubwürdigkeit darstellen, wenn Nabert zeitgleich zu einer rechten Partei wie der AfD berichtet. Nabert ließ die Anfrage unbeantwortet. Der BR teilte im Laufe des Samstags mit: „Die handfesten und unwiderlegten Ergebnisse unserer faktenbasierten Recherche [zur AfD] bleiben von der persönlichen Vergangenheit eines Teammitglieds unberührt.“ Mit dieser müsse man sich aber auseinandersetzen.
Nabert äußerte sich dabei nicht nur in Tweets auf zweifelhafte Art und Weise, sondern war auch 2013 Beisitzer im Bundesvorstand der Grünen Jugend. Das berichtet das Monitoring-Portal ÖRR-Blog. Zudem engagierte er sich als er Mitglied in der Redaktion der Mitgliederzeitschrift der Grünen Jugend. Später schrieb er für die linken Zeitungen Jungle World und taz. In einem Artikel bei der Jungle World heißt es: „Die Strategie, die AfD kleinzuhalten, indem man sie imitiert, mag aufgehen – doch die AfD entscheidet damit die ideologischen Kämpfe für sich. Sie gewinnt also so oder so.“ In der taz hingegen veröffentlichte Nabert 2019 einen Artikel über die linksextreme Bekenner- und Outingplattform Indymedia, der übertitelt ist mit: „Plattform oder Zeitung?“ Beide Berichte wurden im autonomen Spektrum rezipiert – und auf mehreren linksextremen Blogs zitiert. Zudem ist inzwischen ein Beitrag auf X aufgetaucht, in dem dargelegt wird, wie Nabert 2013 mit einer Frau unterwegs gewesen sein soll, um – nach Aussagen der Frau – bei der Linksjugend Solid für eine „linksextreme Kampagne“ zu werben.

Nabert einst bei der Grünen Jugend. (Screenshot: ÖRR Blog)
Trotz Zirkelschluss: Resonanz bei Correctiv und heute show
Die Vergangenheit Naberts mitsamt seinen Äußerungen auf Twitter sind vor dem Hintergrund brisant, dass der 31-Jährige heute eine exponierte Rolle bei ARD und Bayerischem Rundfunk einnimmt – und damit auch das deutsche Stimmungsbild zur AfD prägen dürfte. Vergangene Woche war Nabert federführend an einer BR-Enthüllung beteiligt, bei der es um 100 rechtsextreme Mitarbeiter ging, die „Zugang zum Parlamentsbetrieb“ haben. Die Geschichte, die er mit sieben weiteren Kollegen publizierte, wurde in der Tagesschau und bei zahlreichen Medien aufgegriffen, Correctiv titelte daraufhin im eigenen Newsletter: „Extrem rechts“ – und verwies auf die Enthüllungsstory. Und auch Oliver Welke machte sie zum Thema der aktuellen Ausgabe der ZDF-heute show.

Welke in der neusten Ausgabe der ZDF-heute show.
Dabei ist die Recherche des Bayerischen Rundfunks schon aus dem Grund fragwürdig, weil sie auf einem Zirkelschluss beruht: Wie das Portal Apollo News und die Weltwoche berichten, definiert der BR Dutzende Mitarbeiter als „rechtsextrem“, weil Landesverbände der AfD und Teile der Jungen Alternative, also der AfD-Jugendorganisation, als rechtsextrem eingestuft werden. Und diese Teilstrukturen werden wiederum so eingestuft, weil viele ihrer Mitarbeiter als rechtsextrem gelten. Bei dieser Methodik ist eine Falsifizierung des Vorwurfs gar nicht möglich – und es stellt sich die Frage, was „rechtsextrem“ eigentlich bedeutet. Auf sozialen Medien verweisen Kritiker zudem auf den immer wieder zitierten Verfassungsschutz als Beurteilungsgrundlage des BR, der vielen als politisierte Behörde gilt, die politisches Engagement im konservativen Spektrum vorschnell als rechtsextrem einstuft.
In der Recherche Naberts taucht auch etwa der Name John Hoewer auf. Hoewer publiziert heute als Autor beim rechten Verlag Jungeuropa und ist Mitarbeiter des Bundestagsabgeordneten Sebastian Münzenmaier. Beim BR wird suggeriert, Hoewer könnte gewalttätig sein, in dem Bericht heißt es: „Zudem gibt es Videos, die Hoewer im Januar 2017 in handgreiflichen Auseinandersetzungen mit linken Demonstranten in einem Hörsaal der Universität Magdeburg zeigen.“
Damals sollte der ehemalige AfD-Politiker André Poggenburg dort über Geschlechtlichkeit referieren, Hoewer war an seiner Seite. Bei der Veranstaltung kam es zu Auseinandersetzungen zwischen der Entourage Poggenburgs und linksextremen Demonstranten, auch Hoewer war in eine Schubserei verwickelt. Dieser gingen aber Aggressionen, ein Böllerwurf und der tätliche Angriff auf die Gruppe um Poggenburg voraus, allesamt aus dem Spektrum der autonomen Gegendemonstranten, die den Vortrag verhindern wollten. Dieser Kontext wird in der Berichterstattung von ARD und BR gänzlich ausgespart. Die linksextremen Magdeburger Demonstranten, die selbst gewalttätig wurden, nennt Nabert im Podcast 11 km „studentische Gruppen“ – obwohl selbst die Universität damals von „Antifa“ sprach.
Weidel sieht Verleumundungskampagne
Erst vor wenigen Tagen griff die AfD-Vorsitzende Alice Weidel Journalisten des Bayerischen Rundfunks an, als sie nach einer Stellungnahme zu besagten rechtsextremen Mitarbeitern der AfD gefragt wurde. Weidel konfrontierte den Reporter Sammy Khamis, der an der Recherche Naberts über die Mitarbeiter beteiligt war, nach vorliegenden Belegen und Definitionen für die rechtsextremen Mitarbeiter. Die Einschätzung, auf die sich der Bayerische Rundfunk beruft, seien „subjektiv“ und „Werturteile“, hieß es von Seiten Weidels. Auf X schrieb die Parteivorsitzende zudem: „Die Denunzierung der Opposition durch öffentlich-rechtliche Medien ist grenzenlos. Eine Verleumdungskampagne reiht sich an die nächste.“
Nabert, der seine journalistische Laufbahn bei der Jungle World und taz begann und später als Investigativ-Redakteur für WELT gearbeitet hat, ist dabei nicht das einzige Beispiel von Mitarbeitern, denen eine politisch linke Schlagseite vorgeworfen wird. Sebastian Friedrichs etwa, der in Vergangenheit für NDR Panorama gearbeitet hat, referierte in der Vergangenheit bei der Interventionistischen Linken. Auch „Rechtsextremismusexperten“, die wiederholt bei Antifa-Gruppierungen auftgetreten sind – wie Natascha Strobl oder Robert Andreasch – ordnen beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk regelmäßig die AfD ein.
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Jan A. Karon
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