Le Monde diplomatique: Französische Presse rechnet mit deutschen Medien ab
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In der März-Ausgabe der französischen Zeitung Le Monde diplomatique rechnet das Blatt mit der deutschen Presse ab. Die deutschen Medien, die sich einst durch Meinungsvielfalt und Kritik an den Obrigkeiten hervortaten, haben sich selbst über die letzten Jahrzehnte zu den Steigbügelhaltern der Mächtigen erkoren und haben infolge so massiv an Akzeptanz ihres Publikums einbüßen müssen.
Während die reichweitenstarken Medien vor allem aus intellektuellen Kreisen Ende der 60er-Jahre lautstark kritisiert wurden, so verstummte dieser öffentliche Diskurs während der 80er-Jahre. Kommerzielle Interessen verstärkten sich zusehends, nicht zuletzt durch die neuen Wettbewerber am Markt – die privaten Fernsehsender. Selbst der gebührenfinanzierte öffentliche Rundfunk passte sein Angebot an den privaten Wettbewerb an und strich Bildungsprogramme zugunsten boulevardesker Angebote, analysiert Le Monde diplomatique.
In Deutschland ist Medienkritik rechts
Die Beobachter von Le Monde diplomatique stellen fest, dass deutsche Medien gerne mit der omnipotenten Verschwörungstheorie-Keule auf Kritik reagieren. So sei vom Spiegel und vom RBB praktiziert worden, als Falschmeldungen und Korruption publik wurden. Unübersehbar ziehe sich die deutsche Presse hinter dem „Lügenpresse“-Anwurf von Rechts zurück, um Kritik per se als unlauter zu framen.

Journalismus im Sinne der Regierenden: Im Artikel der französischen „Le monde diplomatique“ werden der RBB und der Spiegel (hier das Verlagsgebäude in Hamburg) ausdrücklich erwähnt.
Die französische Zeitung attestiert auch eine gefährliche Nähe und zu wohlwollende Berichterstattung über die Regierung am Beispiel Waffenlieferungen für die Ukraine. Während Umfragen ergeben, dass sich etwa die Hälfte der Bevölkerung gegen Waffenlieferungen ausspreche, so zeichnen die Medien faktenwidrig ein anderes Bild, heißt es. Die Meinung in der Bevölkerung fände kaum Beachtung in der deutschen Medienlandschaft.
Auch die Berichterstattung während Corona ist Thema bei Le Monde diplomatique. Die Einteilung der Medien in „Gut und Böse“, die sich in Schlagzeilen wie „Diskriminierung von Ungeimpften ist ethisch gerechtfertigt“ von der Zeit manifestierte, sei im Nachhinein kaum zu rechtfertigen. Zu wenige Stimmen hätten sich gegen die diskriminierenden Zuschreibungen, wie „Covid-Leugner“ oder „Covidioten“ erhoben.

Während der Coronakrise wurden Bürger, die gegen Maßnahmen und Impfung auf die Straße gingen, als „Corona-Leugner“ verunglimpft. Viele große Medien heizten die Meinungsmache an.
Forscher haben zahlreiche deutsche Beiträge von Januar 2020 bis April 2021 auf ihre Standpunkte untersucht hinsichtlich der Berichterstattung über staatlich angeordnete Corona-Maßnahmen, wie beispielsweise Ausgangssperren. Le Monde diplomatique schreibt, dass die Forscher lediglich 1,6 Prozent an Berichten ausmachen konnten, die den staatlichen Maßnahmen grundsätzlich widersprachen.
Wirtschaftlicher Druck führt zu Opportunismus
Durch den steten Auflagenrückgang der Presseerzeugnisse bei gleichzeitigem Einbruch des Werbemarktes zugunsten digitaler Werbung gerieten die deutschen Medien enorm unter Druck, analysiert Le Monde diplomatique. Dies führe zu großer Unsicherheit innerhalb der Branche, weshalb es schlichtweg sicherer wäre, sich dem allgemeinen Duktus anzupassen: „Es sind eher die Opportunisten, die Karriere machen“, schreibt Le Monde diplomatique.

Die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) während der Coronakrise, hier bei einer Kabinettssitzung im Juni 2021. Kritik an der Coronapolitik war in Deutschland zu dieser Zeit tabu.
Als problematisch bewertet die französische Zeitung die Präsenz der Akteure in sozialen Medien. Die Gier nach Klicks und medialer Aufmerksamkeit seien zunehmend zu beobachten. Der deutsche Journalismus greife zu zaghaft ein, wenn es darum geht, Spitzenpolitiker zu korrigieren, so Le Monde diplomatique.
Alles in allem attestiert Le Monde diplomatique der deutschen Presselandschaft eine überaus bedenkliche Entwicklung. Die Medien bildeten schon lange nicht mehr die Lebensrealitäten der Bevölkerung ab, sondern dienten vor allem dem Selbsterhalt. In schwierigen Nachrichtenlagen, zum Beispiel Corona, kuscheln die deutschen Medien lieber mit den Mächtigen, statt ihrer eigentlichen Aufgabe nachzukommen: den Obrigkeiten mit kritischer Berichterstattung standhaft zu begegnen und zu widersprechen. Auch wenn es Mut erfordert.
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Katharina Schmieder
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