Linkes Reporterglück: Wenn die Süddeutsche Zeitung in den Osten fährt, gellt „Heil Hitler“ über das Pflaster
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Der Osten wählt. Grund genug, da mal hinzufahren. Auch wenn man, wie die Süddeutsche Zeitung, die Distanz zum Osten bereits im Namen trägt.
Die Zeitung schickte also seine Journalistin Sonja Zekri nach Eisenach, wo die ehemalige Linken-Politikerin Katja Wolf Wahlkampf macht – als Thüringer Spitzenkandidatin des Bündnis Sahra Wagenknecht. Die Journalistin reiste mit viel Empathie für Wolf an und kam zurück mit einem Text-Einstieg, der manchen Poeten neidvoll erblassen ließe:
„Über Eisenachs schmucke Fußgängerzone senkt sich die wohl heißeste Nacht des Jahres. Der Imbiss mit ‚Thüringischen Spezialitäten‘ und der Buchladen liegen verlassen, kaum ein Mensch weit und breit. Da gellt über das leere Pflaster ein Schrei: ‚Heil Hitler!‘“
Bemerkenswertes Reporterglück: Die Journalistin kommt nicht nur in der „wohl heißesten Nacht des Jahres“ (Achtung, Klimawandel!) in die Stadt, die Läden liegen nicht nur verlassen und das Pflaster ist leer, es gellt auch noch ein Schrei – und ausgerechnet so einer.

Eisenach bei Nacht
Martin Debes, Stern-Reporter und des Rechtsextremismus nicht gerade verdächtig, kommentierte auf X: „Da lebe ich seit 53 Jahren in Thüringen, berichte seit 25 Jahren als Journalist in und aus Thüringen, war Dutzende Male beruflich in Eisenach, und niemals hat ein Neonazi so etwas für mich veranstaltet. Und da kommt einmal eine Kollegin der SZ vorbei … Das ist nicht fair!“
„Thüringische“ Spezialitäten?
Eine Nutzerin antwortet Debes: „Und bietet der Imbiss fürwahr ‚Thüringische Spezialitäten‘, statt der üblichen ‚Thüringer Spezialitäten‘?“ Debes darauf: „Darüber senkt sich barmherzig die wohl heißeste Nacht des Jahres.“
Als Zweifel an der Wahrhaftigkeit des Berichts will der Stern-Reporter seinen Beitrag nicht verstanden wissen: „Disclaimer, wegen der Kommentare hier. Ich unterstelle keinerlei Falschberichterstattung. Null. Mich ermüdet nur die unreflektierte Bedienung von Klischees.“
Tatsächlich hat die Süddeutsche Zeitung eine eher unrühmliche Vorgeschichte mit Recherchen über rechtsextreme Machenschaften. Im August 2023 hatte sie über ein antisemitisches Flugblatt berichtet, das in der Schule von Hubert Aiwanger die Runde gemacht haben soll. Aiwanger befand sich da gerade im Landtagswahlkampf und wies die Vorwürfe zurück. Als Urheber des Flugblatts bekannte sich kurz darauf sein Bruder. Einen Beleg, dass Hubert Aiwanger das Flugblatt selbst verfasst habe, blieb die Zeitung bis zum Schluss schuldig.
Trotzdem erhielten die Autoren des Textes im Juni den Stern-Preis für die „Geschichte des Jahres“ – auch für Sonja Zekri sollte also noch alles drin sein.
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