Live im Presseclub: So verstrickt sich die Correctiv-Chefin in Lügen und Widersprüche
Das Rechercheportal Correctiv verstrickt sich in Widersprüche. Man habe nicht von Wannseekonferenz oder Deportationen gesprochen, behauptet die Vize-Chefredakteurin im Presseclub. Correctiv sei auch nicht von der Regierung bezahlt – drei nachweisliche Lügen.
Nach dem Bericht von Correctiv über ein privates Treffen in Potsdam, auf dem angeblich die Massen-Deportation deutscher Staatsbürger mit Migrationshintergrund geplant worden sei, nimmt die stellvertretende Chefredakteurin Anette Dowideit plötzlich Abstand vom Begriff „Deportation“.
In vielen Medien wurde der Begriff „Deportation“ genutzt
Diesen habe das teils staatlich finanzierte Medium nicht benutzt: „Wir haben auch nicht von Deportation gesprochen. Das wurde dann von denen, die es interpretiert haben, verwendet“, sagte sie am Sonntag im Presseclub der ARD. Die Wahrheit ist: Correctiv hat die Deportations-Analogie, die so viele Medien übernommen haben, selbst in die Welt gesetzt.
Im Text von Correctiv heißt es: „Was (Martin) Sellner entwirft, erinnert an eine alte Idee: 1940 planten die Nationalsozialisten, vier Millionen Juden auf die Insel Madagaskar zu deportieren. Unklar ist, ob Sellner die historische Parallele im Kopf hat“, lautet ein Absatz unter der Überschrift „Die Utopie der Nazis“, der den angeblichen Geheimplan des österreichischen Identitären einordnen soll.
Noch eindeutiger wird es bei der Bewerbung des Correctiv-Buchs „Der AfD-Komplex“ im hauseigenen Online-Shop. Dort heißt es im Zusammenhang mit dem Treffen in Potsdam: „Die Pläne zur Deportation von Millionen Deutschen“. Der Eintrag wurde vor wenigen Stunden überarbeitet, NIUS liegt jedoch ein Screenshot der ursprünglichen Verkaufsseite vor.

Der Shop des Onlinemagazins Correctiv, wo das Buch „Der AfD-Komplex“ beworben wird.
Begriffe wie „millionenfache Deportation“ und „Massen-Deportation“ hatten es nach dem Correctiv-Bericht schnell in Überschriften, Texte, Audio- und Filmbeiträge nahezu sämtlicher deutscher Medien geschafft, obwohl diese Worte beim angeblichen Geheimtreffen nie gefallen sind – jedenfalls nicht laut Correctiv. Angesprochen auf den Begriff „Deportation“ schrieb Correctiv am 12. Januar in einer Antwort an NIUS: „Für Begriffe, die in Kontext unserer Berichterstattung fallen, sind wir nicht verantwortlich. Wir können aber gut nachvollziehen, dass sich aufgrund der Recherche diese Assoziationen bei Leserinnen und Lesern aufdrängen, die sich durch Rechtspopulisten bedroht fühlen.“
Autoren wollten Holocaust-Verbindung aufbauen
Was die Autoren mit der Erwähnung der Nazi-Deportationen bezwecken wollten, könnte jedoch klarer nicht sein: Wer in Deutschland das Wort hört, denkt an Züge, die Millionen Menschen – Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, Behinderte – in Vernichtungslager in den sicheren Tod gebracht haben. Wer das Wort hört, denkt an das größte Verbrechen, dass Deutschland an der Menschheit begangen hat: den Holocaust.

Im Gespräch im Presseclub verstrickt sich die Correctiv-Chefin in Widersprüche. (Quelle: WDR)
Die just folgenden Sätze des Correctiv-Textes untermauern diesen Plan der Autoren, eine Holocaust-Verbindung im Kopf des Lesers aufzubauen: „Womöglich ist es auch Zufall, dass die Organisatoren gerade diese Villa für ihr konspiratives Treffen gewählt haben: Knapp acht Kilometer entfernt von dem Hotel steht das Haus der Wannseekonferenz, auf der die Nazis die systematische Vernichtung der Juden koordinierten“, heißt es weiter. Doch auch hiervon will Dowideit nun nichts mehr wissen: „Wir haben das nicht geschrieben“, sagte sie.
Staatliche Fördermittel erhält Correctiv reichtlich
Auch an anderer Stelle erzählt Dowideit nicht die Wahrheit: „Correctiv ist nicht von der Regierung bezahlt“, behauptete sie im Presseclub. „Unsere Recherchen sind nicht von der Regierung bezahlt, sondern von Stiftungen und Dauerspendern.“ Die AfD versuche damit, vom eigentlichen Thema abzulenken.
Tatsächlich jedoch erhielt Correctiv seit 2014 rund 2,5 Millionen Euro an Steuergeldern. Darunter fällt auch ein erheblicher Teil, der direkt aus den Bundesministerien kam. So unterstützte beispielsweise das Ministerium für Bildung und Forschung das Portal in den Jahren 2022 und 2023 mit insgesamt 266.000 Euro für ein Forschungsprojekt mit dem Namen „nofake“ zum Thema Desinformation.
Die Berliner Zeitung berichtete am Montag über ein Geheimtreffen am 2. Juni 2020 zwischen Regierungsvertretern, Facebook, der Amadeu Antonio Stiftung und Correctiv, bei dem vor allem ein Thema im Vordergrund stand: Desinformation. Auf ihrem Linkedin-Profil gibt Jeannette Gusko, seit 1. September 2022 Geschäftsführerin von Correctiv, preis, mehrere Jahre als Beraterin für das Bundesministerium für Bildung und Forschung gearbeitet zu haben.
„Wir sind eine journalistische Organisation, die im Austausch mit der Regierung steht“, erklärte der Gründer von Correctiv, David Schraven, gegenüber der Berliner Zeitung die Treffen mit der Regierung. „Das macht jedes Medium in einer Demokratie so, das ist normal. Man redet miteinander.“ Es handle sich hierbei um „unverbindliche Gespräche“. Er ergänzte: „Wie alle Medien reden wir mit allen.“
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