Neue Plagiate nachgewiesen: SZ-Vizechefin schrieb Zitate von KZ-Gedenkstättenleiter ab
Ein Beitrag von
Der Plagiatsgutachter Stefan Weber wirft Alexandra Föderl-Schmid weitere Plagiate vor.
Im jüngsten Fall geht es um einen Artikel der SZ-Autorin über die letzten Todesurteile in der Bundesrepublik 1951, die sich gegen NS-Kriegsverbrecher richteten. Föderl-Schmid soll dabei unter anderem Zitate eines KZ-Gedenkstättenleiters aus einem Artikel der Deutschen Welle übernommen haben. Damit ist fraglich, ob die Journalistin den Gedenkstättenleiter jemals getroffen oder mit ihm gesprochen hat.
Weber spricht von zehn Plagiaten in ein und demselben SZ-Artikel vom 7. Juni 2021. Sieben dieser Übereinstimmungen verortet er in einem Artikel des Autors Hans Pfeifer, der am 7. Januar 2021 bei der Deutschen Welle erschien. Bei weiteren Textübereinstimmungen geht es um Lexikoneinträge, die fast wortwörtlich übernommen wurden.
An fünf Stellen zitiert Föderl-Schmid den „Leiter der Europäischen Holocaustgedenkstätte in Landsberg, der die Ereignisse von damals aufgearbeitet hat“, wie es im Text heißt. 1951 wurden in Landsberg Todesurteile gegen SS-Angehörige vollstreckt. In der Bevölkerung kam es zu Solidarisierungen mit den Verurteilten. Dagegen wiederum protestierten Holocaust-Überlebende, die sich in Landsberg in einem Lager für „Displaced Persons“ befanden.
Gab es ein Treffen von Manfred Deiler und Alexandra Föderl-Schmid?
Vier Zitate des Gedenkstättenleiters Manfred Deiler sind in der Süddeutschen Zeitung (SZ) und bei der Deutschen Welle (DW) nahezu identisch.
SZ-Journalistin Föderl-Schmid zitiert Deiler unter anderem wie folgt:
„Es war tatsächlich ein Querschnitt der Bevölkerung an diesem Tag dabei, man nahm auch die Kinder mit. Aber es kamen auch Abgeordnete aus dem Landtag.“
Bei DW-Autor Hans Pfeifer lautet die Stelle fünf Monate zuvor:
„Es war tatsächlich ein Querschnitt der Stadtbevölkerung an diesem Tag dabei. Es waren auch der Oberbürgermeister der Stadt Landsberg dabei, Stadtverordnete und es kamen auch Abgeordnete aus dem Landtag von außerhalb.“
An anderer Stelle berichtet die SZ-Autorin:
„Für Manfred Deiler zeigt sich in der öffentlichen und damals auch veröffentlichten Meinung jene Art von Schuldabwehr, wie sie im Deutschland der Nachkriegsjahre weitverbreitet war: ‚Für viele Menschen waren die Amerikaner immer noch Besatzer, auch wenn die Bundesrepublik schon gegründet war.‘“
Zum Vergleich die Stelle bei DW-Autor Hans Pfeifer:
„Für Manfred Deiler ist es die Schuldabwehr, wie sie im Deutschland der Nachkriegsjahre weitverbreitet war: ‚Im Denken vieler Menschen in der damaligen Zeit waren die Amerikaner immer noch Besatzer, auch wenn die Bundesrepublik schon gegründet war.‘“

Alexandra Föderl-Schmid im Rahmen einer Podiumsdiskussion.
Mehrere Wörter wurden dem Zitat hinzugefügt
Das fünfte Zitat von Deiler, das sich auf die AfD bezieht, ist jedoch länger als das Original. Wurden dem KZ-Gedenkstättenleiter hier Worte in den Mund gelegt oder hat er sie tatsächlich so geäußert?
Bei Föderl-Schmid heißt es:
„Für engagierte Landsberger wie den Gedenkstättenleiter Manfred Deiler ist dieser Zeitgeist auch nach 70 Jahren längst nicht Geschichte. Diese Einstellung werde heute etwa gegenüber Flüchtlingen deutlich. ‚Die AfD macht mit der gleichen Thematik wie damals Stimmung. Jetzt kommen Wortschöpfungen zutage wie Vervolkung. Man benutzt wieder alte Begriffe, die funktionieren noch immer. Es ist der gleiche Mechanismus. Auch heute behaupten manche, dass sie das Volk sind und gehen dafür auf die Straße.‘“
Und bei Hans Pfeifer:
„Für engagierte Landsberger, wie den Gedenkstättenleiter Manfred Deiler, ist der Zeitgeist von vor 70 Jahren längst nicht Geschichte. ‚Wenn ich mir die Umfragen anschaue, mit den Werten für die AfD und deren Schlagworten von damals, würde ich sagen: zwanzig Prozent der Bevölkerung hängen diesem Zeitgeist von damals noch immer an.‘“
Alle zehn Plagiate, die Weber ausgemacht haben will, finden Sie hier.
Ob Föderl-Schmid mit Manfred Deiler gesprochen hat, lässt sich kaum rekonstruieren. Der langjährige Präsident des eingetragenen Vereins „Europäische Holocaustgedenkstätte Stiftung“ verstarb am 12. November 2023.
Lesen Sie auch:
Neues Gutachten: 157 Plagiatsstellen in Doktorarbeit von Vize-Chefin der SZ gefunden.
Mehr NIUS:
Karl Lauterbach teilt bei Lanz aus: „Dieser Zirkus erinnert mich an das Lügen-Gerede von Lindner“
Plötzlich gegen die Brandmauer: Hat die Bild-Zeitung ihren AfD-Kurs geändert?
Die fatale Rolle der UNRWA: ZDF will TV-Doku über das Palästinenserhilfswerk nicht zeigen
Die Empörungswelle gegen die neue NIUS-Werbekampagne
„Ausgelassen gefeiert“: So verharmlost die Tagesschau die Gewalt von Paris
Neuer „Digitale Medien-Staatsvertrag“: Greift der Staat schon diesen Sommer nach den Algorithmen?
NIUS jetzt auch auf WhatsApp
CDU-Politiker Roland Koch über Schwarz-Rot bei Lanz: „Wir sind in einer Gefangenschaft mit der SPD“
Mehr NIUS:
Die Empörungswelle gegen die neue NIUS-Werbekampagne
„Ausgelassen gefeiert“: So verharmlost die Tagesschau die Gewalt von Paris
Neuer „Digitale Medien-Staatsvertrag“: Greift der Staat schon diesen Sommer nach den Algorithmen?
NIUS jetzt auch auf WhatsApp
CDU-Politiker Roland Koch über Schwarz-Rot bei Lanz: „Wir sind in einer Gefangenschaft mit der SPD“
Hitzewelle in Frankreich: Tagesschau erklärt ertrunkene Menschen zu Hitzetoten
Gabriel widerspricht Bas: Einwanderung in Sozialsysteme? „Na klar!“
Angriff auf die Pressefreiheit? Wie der Staat durch „Public Value” bestimmen will, was wir auf Social Media sehen
Redaktion
Artikel teilen
Kommentare