Plagiats-Skandal bei der SZ: In manchen Absätzen stammt nur das Gendern von Vize-Chefin Föderl-Schmid
Ein Beitrag von
Die stellvertretende Chefredakteurin der Süddeutschen Zeitung, Alexandra Föderl-Schmid, steht im Fokus einer Plagiatsaffäre. NIUS liegen exklusiv weitere Fundstellen vor. Der Plagiatsjäger Stefan Weber erhebt schwere Vorwürfe.
Bei der Süddeutschen Zeitung herrscht redaktionsintern derzeit dicke Luft. Hat die stellvertretende Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid in ihren Artikeln bei anderen Autoren abgeschrieben? NIUS liegen weitere Textstellen vor, die offenbar nicht aus der Feder der österreichischen Journalistin stammen, aber unter ihrem Namen veröffentlicht wurden, und die die Vorwürfe erhärten.
Der renommierte Plagiatsjäger Stefan Weber wirft ihr jedoch nicht nur in weiteren Artikeln die Übernahme fremder Textpassagen vor. Auch ihre Doktorarbeit steht nun im Fokus: Nach einer NIUS-Anfrage zu Plagiatsvorwürfen in ihrer Doktorarbeit („Vom Monopol zum Markt: zehn Jahre duales Rundfunksystem in Deutschland“) zog die SZ ihre stellvertretende Chefredakteurin vom Tagesgeschäft ab – mehr dazu lesen Sie hier!
Es geht vor allem um Plagiate aus ihrer Zeit als Israel-Korrespondentin
Kommunikationswissenschaftler Weber hat weitere Passagen in SZ-Artikeln identifiziert, die auffällig sind. NIUS berichtet exklusiv über die neue Runde im Plagiats-Skandal. Im Vorfeld dieses Artikels wurden sowohl Föderl-Schmid als auch der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung die Möglichkeit gegeben, sich zu den Vorwürfen zu äußern.
Zunächst geht es um vier Formulierungen, die Föderl-Schmid in ihrer Tätigkeit als Israel-Korrespondentin der Süddeutschen Zeitung von 2017 bis 2020 niedergeschrieben hat. Neben ihrer Autorenangabe findet sich über den entsprechenden Texten die Ortsmarke „Tel Aviv“. Damit wird ein direkter Bericht von vor Ort gekennzeichnet, weitere Quellenangaben – etwa zu Agenturmeldungen – finden sich nicht.
In ersten Fall erinnern die Auszüge aus Föderl-Schmids Text an einen Artikel, der einen Tag zuvor bei der Jüdischen Allgemeinen erschien.

Die nächste Fundstelle bezieht sich auf einen Artikel, der in der Welt erschienen ist.

Auch im dritten Fall finden sich Formulierungen, die zuvor in ähnlicher Art und Weise durch den Welt-Autor Gil Yaron publiziert wurden.

Die vierte Fundstelle bezieht sich auf eine Agenturmeldung von dpa. Die Textstelle wurde jedoch nicht gekennzeichnet. Übernahmen von dpa-Texten werden von der Süddeutschen Zeitung eigentlich als solche angegeben.

„Gegen den journalistischen Ehrenkodex verstoßen“
Plagiatsjäger Stefan Weber ist sich sicher, dass Föderl-Schmid, die 2013 das Buch „Journalisten müssen super sauber sein. Anspruch und Wirklichkeit in der Medienwelt“ veröffentlichte, damit in ihrer Tätigkeit als Auslandskorrespondentin bewusst getäuscht hat. „Mehrere überprüfte Artikel von Frau Föderl-Schmid aus der Süddeutschen verstoßen gegen den journalistischen Ehrenkodex und das Gebot der Quellentransparenz“, kritisiert der Kommunikationswissenschaftler im Gespräch mit NIUS. „Mittels der Autorenangabe ‚Von Alexandra Föderl-Schmid, Tel Aviv‘ wird ein Live-Report vor Ort suggeriert, aber Frau Föderl-Schmid unterschlägt, dass sie mit Text-Versatzstücken aus Agenturen und aus anderen Medienquellen arbeitet, ohne diese Quellen irgendwo anzugeben. Auch wenn sie Medien wiedergibt, die andere Medien zitieren, gibt sie diese Informationen wie Primärinformationen wieder.“
Medieninsider hatte Ende 2023 öffentlich gemacht, wie die stellvertretende Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid aus anderen Artikeln ohne Kennzeichnung abgeschrieben hatte. Elf solcher Stellen listete der Branchendienst auf. Intern begann bei der Süddeutschen Zeitung danach die Aufarbeitung der Affäre. Auch in Redaktionskonferenzen wurde offenbar heiß über das Thema diskutiert, wie der Medieninsider herausfand. In einer Redaktionskonferenz stellte sich Chefredakteur Wolfgang Krach demonstrativ hinter Föderl-Schmid und sprach von „Verleumdung“. Doch dass auch diese internen Streitigkeiten nach außen drangen, wollte die Chefredaktion nicht akzeptieren.
Auch aus Wikipedia wurde abgeschrieben
Kurzerhand ließ Wolfgang Krach in Abstimmung mit der IT-Abteilung und dem Betriebsrat die Kommunikation seiner Mitarbeiter überwachen. „Den Aussagen zufolge wurden Verbindungen über Festnetztelefone ausgewertet wie auch Netzwerke und die E-Mail-Kommunikation der SZ-Journalisten. Laut Betriebsrat sollte dafür nach Nachrichten an Medieninsider-Domains wie auch nach IP-Adressen gefahndet werde“, schreibt der Medieninsider. Der Maulwurf sollte mit allen Mitteln gefunden werden. „Wenn das Herz einer Redaktion abgehört wird, können wir das nicht hinnehmen“, erklärte SZ-Chefredakteur Krach gegenüber der dpa. „Das zerstört die Arbeitsgrundlage einer Redaktion.“
Auch in weiteren Fällen tauchen in den Texten von Föderl-Schmid merkwürdige Überschneidungen mit fremden Formulierungen auf. In einem biografischen Stück zu Liedermacher Wolf Biermann finden sich fast wortgleiche Formulierungen aus einem Wikipedia-Artikel zu Wolf Biermann. Der Wikipedia-Artikel wurde inzwischen verändert, es handelt sich um die Version aus dem Jahre 2022.

In einem Text über die Kritik am US-Milliardär George Soros lassen sich Wortlaute finden, die so auch drei Jahre zuvor in einem Faktenfinder der ARD publiziert wurden. Auffällig hier: Die Veränderung des Wortlautes besteht nur darin, dass Föderl-Schmid die Original-Version sauber durchgegendert hat. Das Wort „Regierung“ wurde zu „Regierenden“ …

Was aber sagt nun Alexandra Föderl-Schmid zu den Vorwürfen des Gutachters Stefan Weber? Hat sie bewusst getäuscht? Sind ihr handwerkliche Fehler unterlaufen? Die österreichische Journalistin, die seit 2020 als stellvertretende Chefredakteurin der SZ tätig ist, verweist gegenüber NIUS lediglich auf eine Stellungnahme der Süddeutschen Zeitung, die am Montag veröffentlicht wurde. Auf die konkreten Vorwürfe von Stefan Weber geht sie nicht ein.
Demnach habe die SZ eine externe Kommission beauftragt, die Vorwürfe gegen Föderl-Schmid zu überprüfen. Zudem will die 53-Jährige auch die Universität Salzburg gebeten haben, ihre Doktorarbeit zu überprüfen. Der Grund dafür liegt in einer Anfrage von NIUS: Plagiatsjäger Stefan Weber hat auch in der 1996 eingereichten Dissertation gravierende Plagiate gefunden, die NIUS exklusiv vorliegen. „Bis zum Abschluss dieser Prüfungen wird sich Föderl-Schmid aus dem operativen Tagesgeschäft der SZ zurückziehen“, verkündet die Süddeutsche Zeitung.
Dazu lesen Sie mehr im zweiten Teil dieses Berichts:
Plagiats-Skandal bei der SZ: Auch bei ihrer Doktorarbeit hat Vize-Chefin Föderl-Schmid abgeschrieben.
Noch mehr News:
- Plagiats-Skandal bei der SZ: Schon in der Einleitung ihrer Doktorarbeit wurde Föderl-Schmid beim Abschreiben erwischt
- Hat der grüne Kanzlerkandidat seine Philosophen etwa gar nicht selbst gelesen? Plagiatsvorwürfe gegen Habecks Doktorarbeit
- Diese acht Beispiele belegen, wie systematisch Robert Habeck in seiner Doktorarbeit getäuscht hat
- Gewalt-Drohung! Polizei Grün e.V. will sich um Reichelt „kümmern“ ... (In diesem Beitrag soll NICHT der Eindruck erweckt werden, der Verein Polizei Grün sei im Auftrag von Bündnis90/Die Grünen tätig)
- Finanziert von der Bundesregierung: Mit Steuergeldern werden jetzt Mitarbeiter an Jan Böhmermann vermittelt
- Warum überprüft ein vom Bund finanzierter Klimaprofessor Habecks Täuschungsversuch?
- Leipziger Bäckerei mit Kot beschmiert, weil Bäckerin für die AfD im Stadtrat sitzt: „Kein Bock auf Nazi-Brötchen!“
- „Polizei Grün“: Das steckt hinter der Polizei in der Grünen-Parteizentrale
- Spiegel-Chefin wollte Corona-kritische Kollegin ausforschen lassen: „Wir gehen jetzt an ihr Postfach“
Mehr NIUS:
Karl Lauterbach teilt bei Lanz aus: „Dieser Zirkus erinnert mich an das Lügen-Gerede von Lindner“
Plötzlich gegen die Brandmauer: Hat die Bild-Zeitung ihren AfD-Kurs geändert?
Die fatale Rolle der UNRWA: ZDF will TV-Doku über das Palästinenserhilfswerk nicht zeigen
Die Empörungswelle gegen die neue NIUS-Werbekampagne
„Ausgelassen gefeiert“: So verharmlost die Tagesschau die Gewalt von Paris
Neuer „Digitale Medien-Staatsvertrag“: Greift der Staat schon diesen Sommer nach den Algorithmen?
NIUS jetzt auch auf WhatsApp
CDU-Politiker Roland Koch über Schwarz-Rot bei Lanz: „Wir sind in einer Gefangenschaft mit der SPD“
Mehr NIUS:
Die Empörungswelle gegen die neue NIUS-Werbekampagne
„Ausgelassen gefeiert“: So verharmlost die Tagesschau die Gewalt von Paris
Neuer „Digitale Medien-Staatsvertrag“: Greift der Staat schon diesen Sommer nach den Algorithmen?
NIUS jetzt auch auf WhatsApp
CDU-Politiker Roland Koch über Schwarz-Rot bei Lanz: „Wir sind in einer Gefangenschaft mit der SPD“
Hitzewelle in Frankreich: Tagesschau erklärt ertrunkene Menschen zu Hitzetoten
Gabriel widerspricht Bas: Einwanderung in Sozialsysteme? „Na klar!“
Angriff auf die Pressefreiheit? Wie der Staat durch „Public Value” bestimmen will, was wir auf Social Media sehen
Redaktion
Artikel teilen
Kommentare