„Satirisch überspitztes Wortspiel“: So reagiert das ZDF auf Böhmermanns Tötungsaufruf
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Mehr als 1,3 Millionen Menschen haben alleine auf YouTube die „ZDF Magazin Royale“-Folge gesehen, an deren Ende Moderator Jan Böhmermann sagt: „Nicht immer die Nazi-Keule raus holen, sondern vielleicht einfach mal ein paar Nazis keulen. Tschüss, bis nächste Woche.“ Ein lupenreiner Aufruf zur Tötung von Andersdenkenden!
Keulen ist ein Verb aus der Tiermedizin und wird vom Duden wie folgt definiert: „Nutztiere töten, um Tierseuchen zu verhindern oder einzudämmen.“ Heißt: Böhmermann vergleicht die Politiker von AfD und FPÖ mit kranken Tieren, die es zu töten gilt, um eine Seuche zu verhindern. Böhmermann hatte in der Sendung zuvor immer wieder die österreichische FPÖ und die deutsche AfD mit der Hitler-Partei NSDAP verglichen oder gleichgesetzt. Hier ist die Szene:
NIUS weiß: Das ZDF erhielt daraufhin viele Leserzuschriften, die sich über die Sendung und explizit das Ende beschwerten. Die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass auch mehrere Strafanzeigen eingegangen sind, aktuell prüfen die Behörden noch die rechtliche Bewertung.
ZDF: Das ist im „satirischen Gesamtkontext der Sendung“ zu sehen
Hier ist die Antwort des ZDF auf Zuschauer, die sich über Böhmermann beschweren:
„Die Ausgabe des ‚ZDF Magazin Royale‘ vom 16. Februar 2024 beschäftigt sich mit dem Erstarken der FPÖ in Österreich. Darüber hinaus wird der häufig gegen das Sendeformat gerichtete Vorwurf ‚immer gleich die Nazikeule rauszuholen‘ im Laufe der Sendung mehrfach satirisch eingesetzt, zurückgenommen, variiert und parodiert. Die von Ihnen angesprochene provokante Schlussbemerkung ist im satirischen Gesamtkontext der Sendung zu sehen. Sie ist auch angesichts des Tonfalls der Abmoderation erkennbar nicht als Aufruf zur Gewalt gemeint, sondern ist ein satirisch überspitztes Wortspiel. Satire irritiert, stört, lotet Grenzen aus; das liegt in ihrem Wesen. Auch und gerade in einer Zeit gesellschaftlicher Polarisierung hat Satire als Kunstform ihren Platz.“
Das ZDF stellt sich schützend vor seinen Star – und sagt, es war alles Satire. Natürlich …
Welt-Autor Henryk M. Broder, Sohn zweier Holocaust-Überlebender, schreibt in seinem Kommentar „Das verräterische Nazi-Verständnis von Jan Böhmermann“ über den Fall, der ZDF-Mann sei „kein Satiriker, er ist ein politischer Influencer“. Broder schreibt über Böhmermanns Blick auf Andersdenkende: „Nazi ist, wer auf die Nachteile der Zuwanderung hinweist, den Sinn der Energiewende infrage stellt und einen SUV mit Dieselantrieb fährt. Um sich als Antifaschist zu qualifizieren, reicht es dagegen, eine Halskette oder ein Armband mit dem Kürzel ‚FCKAFD‘ zu tragen. Wer sich noch stärker ‚gegen Nazis‘ engagieren will, nimmt an einer Menschenkette rund um das bedrohte Regierungsviertel teil.“

Broder und Böhmermann
Der renommierte Autor hatte die Satire-Ausrede des ZDF bereits vorempfunden und dazu geschrieben: „Das wäre eine vertretbare Position, nur würde sie dazu führen, dass auch ‚Der Stürmer‘ rückwirkend als Satiremagazin anerkannt werden müsste.“
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