UFOs im US-Mainstream gelandet – der mediale Aufstieg eines früher verschrobenen Themas
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Jahrelang galt das Thema als obskur – als Spielwiese für Spinner mit Aluhüten. Für Menschen, die erzählten, von Außerirdischen entführt worden zu sein. Inzwischen aber ist es Gegenstand im amerikanischen Kongress, hochrangige Politiker und Beamte äußern sich dazu im Parlament. Vor Kurzem hat der amerikanische Comedian Bill Maher das Thema endgültig aus der „Schwurbelecke“ geholt.
Unabhängig davon, welchen Realitätsgehalt man Theorien über extraterrestrisches Leben beimisst – eines ist bereits jetzt klar: Das Phänomen unidentifizierter Flugobjekte hat sich zu einem Regierungsthema gewandelt. NIUS erzählt die Geschichte dieses Aufstiegs.
USA-weit bekannter Moderator verkündet ein neues Paradigma
Steven Spielberg wird diesen Sommer mit einem Blockbuster an den Start gehen: „The Disclosure“ – die Offenbarung. Was bei Spielberg noch als Fiktion firmiert, erscheint bei Maher längst als mögliche Realität: die Vorstellung, dass Außerirdische bereits unter uns weilen und ihre Existenz durch UFOs verraten. Auch ihr Name hat sich geändert: Statt von „Unidentified Flying Objects“ spricht man inzwischen von UAP – „Unidentified Anomalous Phenomena“, also unidentifizierten, anomalen Phänomenen.
In seiner Sendung Real Time with Bill Maher widmete Maher dem Thema rund neun Minuten. Überschrift: „New Rule: The Disclosure Moment“. Seine Pointe: „Wenn Sie nicht glauben, dass Aliens gerade unter uns sind und uns beobachten – vielleicht sind Sie der Verschwörungstheoretiker.“
Wenn man Maher zuhört, bleibt offen, ob hier der Comedian spricht, der ein kurioses Thema zuspitzt – oder jemand, der selbst von dem überzeugt ist, was er sagt. Wer nicht an UFOs glaubt, gilt plötzlich als der Seltsame – ein Paradigmenwechsel?
Der Durchbruch: Der New-York-Times-Artikel von 2017
Der Eindruck eines solchen Paradigmenwechsels kommt jedoch nicht aus dem Nichts. Tatsächlich begann der Aufstieg des Themas in den Mainstream bereits vor knapp zehn Jahren. Ein Artikel der New York Times hob die UFO-Thematik erstmals in den seriösen Journalismus. Der Bericht aus dem Jahr 2017 enthüllte die Existenz eines bislang geheimen Pentagon-Programms zur Untersuchung von UFO-Sichtungen: des sogenannten Advanced Aerospace Threat Identification Program (AATIP).
Dieses wurde 2007 auf Initiative des damaligen Mehrheitsführers im Senat, Harry Reid, gestartet und mit rund 22 Millionen Dollar finanziert – ein vergleichsweise kleiner Posten im Verteidigungshaushalt, bewusst verborgen als „black money“. Geleitet wurde das Programm von Luis Elizondo, der später öffentlich machte, dass die Untersuchungen auch nach dem offiziellen Ende der Finanzierung 2012 informell weitergeführt worden seien.

New York Times, 16. Dez., 2017.
Inhaltlich beschäftigte sich das Programm mit Berichten über Flugobjekte, die außergewöhnliche Eigenschaften zeigten – etwa extreme Geschwindigkeiten, abruptes Abbremsen oder das Schweben ohne sichtbaren Antrieb. Dazu gehörten auch Videoaufnahmen von Begegnungen zwischen US-Militärjets und unbekannten Objekten, darunter ein Vorfall von 2004 vor der Küste Kaliforniens.
Ein Großteil der Forschung wurde über die Firma des Unternehmers Robert Bigelow abgewickelt, der selbst überzeugt ist, dass außerirdisches Leben existiert. Untersucht wurden neben den Objekten auch mögliche physische Effekte auf Menschen sowie angeblich geborgene Materialien unbekannter Herkunft.
Gleichzeitig blieb der Times-Artikel in seiner Bewertung vorsichtig und betonte die Unsicherheit der Befunde. Wissenschaftler und Skeptiker wiesen darauf hin, dass ungeklärte Phänomene nicht automatisch außerirdischen Ursprungs sind und oft konventionelle Erklärungen möglich sind. Auch das Pentagon erklärte, das Programm sei beendet worden, da andere Prioritäten wichtiger gewesen seien.
Dennoch markierte der Bericht einen Wendepunkt: Er machte ein lange tabuisiertes Thema öffentlich sichtbar – und verlieh ihm durch die Kombination aus staatlicher Forschung, militärischen Zeugen und seriöser Berichterstattung erstmals echte Legitimität im Mainstream-Diskurs.
2023: Das Thema im Kongress
Was 2017 journalistisch begann, erreichte später die große politische Bühne. Einen der ersten institutionellen Höhepunkte erreichte die Entwicklung mit den Anhörungen zu UAP im Jahr 2023 im US-Kongress. Dort sagte der ehemalige Air-Force-Offizier und Geheimdienstmitarbeiter David Grusch unter Eid aus, die US-Regierung verfüge über „nicht-menschliche Artefakte“ und betreibe geheime Programme zur Bergung abgestürzter Objekte.
Zur Begründung berief er sich auf rund 40 Insider-Quellen aus Militär und Geheimdiensten. Entscheidend ist jedoch: Seine Aussagen beruhen nicht auf eigener Anschauung, sondern auf Berichten Dritter, die er im Rahmen seiner Tätigkeit zusammengetragen hat.

David Grusch in der Anhörung vom 26. Juli 2023 vor in einem Untersuchungsausschuss im US-Parlament.
Die Pentagon-Videos und das Infrarot-Problem
Parallel dazu verlagerte sich die Debatte zunehmend auf konkretes Bildmaterial. Im Zentrum stehen drei Videos, die das Pentagon 2017 veröffentlicht hat – und im Folgenden ungeschnitten dokumentiert werden. Sie bekamen unteschiedliche Namen.
„Tic Tac“:
„Gimba“l:
„Go Fast“:
Die Aufnahmen stammen aus hoch entwickelten Zielerfassungssystemen von F/A-18-Kampfjets und basieren auf Infrarot-Technologie. Sichtbar sind dabei nicht Objekte im klassischen Sinne, sondern deren Wärmesignaturen, die von Sensoren erfasst und anschließend interpretiert werden.
Hier liegt eine mögliche Quelle für Fehldeutungen. Wärme verteilt sich nicht entlang der Geometrie eines Körpers, sondern nach den Gesetzen der Thermodynamik. So können Objekte, die in Wirklichkeit Vögel, Drohnen oder andere bekannte Phänomene sind, auf Infrarot-Aufnahmen ganz anders geformt sein, etwa wie kompakte, flügellose Körper erscheinen – zum Beispiel in der Form eines „Tic-Tac“. Auch optische Täuschungen anderer Art können eine Rolle spielen.

In Flughöhe und -geschwindigkeit machen die Waffensysteme solcher Flugzeuge mitunter schwer zu deutende Aufnahmen.
2025: Neue Anhörungen – und neue Töne
Vor wenigen Monaten wurde wieder im Kongress debattiert. Die Vorsitzende der Anhörung, Anna Paulina Luna, kritisierte, dass Piloten aus Angst um ihre Karriere nicht offen sprechen: „Viele Piloten wagen nicht, öffentlich auszusagen, aus Angst um ihre Fluglizenz und Karriere. Das ist inakzeptabel.“
Weiter sagte sie: „Die Amerikaner sind nicht zerbrechlich. Sie müssen nicht wie Kinder vor der Realität geschützt werden. Was sie nicht dulden, ist eine Regierung, die Wahrheit zurückhält und Whistleblower bestraft.“
Hier werden die Anhörungen dokumentiert, und ins Deutsche übersetzt:
Und mit deutlichem Pathos schloss sie: „Künftige Generationen werden fragen, wie wir reagierten, als wir dem Unbekannten begegneten. Wandten wir uns ab oder suchten wir mutig die Wahrheit?“
Die Faszination für das Mysteriöse
Das bislang bekannte Material beweist keine UFOs im Sinne von Alien-Technologie. Auch die zahlreichen Whistleblower bleiben den Beweis dafür schuldig. Gesichert ist allerdings, dass Flugobjekte, die nicht klar eingeordnet werden können, ein recht verbreitetes Phänomen sind – und sicherheitspolitisch brisant sind. Sicher ist auch: Das Thema ist längst dort angekommen, wo es früher undenkbar war: im Zentrum politischer Debatten.
Und wer weiß, was in den abgeschotteten Bereichen von Area 51 noch auf seine Offenlegung wartet? So werden die Faszination für das Unbekannte und Geheimnisvolle sowie die Lust am Spekulieren das Thema wohl weiter medial lebendig halten.
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Felix Perrefort
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