Youtuber-Paar treibt Baby mit Downsyndrom ab und erhält jetzt Morddrohungen
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Sie tragen ihr Familienleben in die Öffentlichkeit und verdienen damit Geld. Jetzt erleben zwei Influencer aus den USA, wie die Öffentlichkeit über sie urteilt: Der amerikanische Youtuber Jesse Ridgway, bekannter als „mcjuggernuggets“, und seine Frau Ashley haben ihr ungeborenes Kind abtreiben lassen, weil bei ihm das Downsyndrom diagnostiziert worden war. Nachdem die beiden ihre Entscheidung öffentlichmachten, brach ein Shitstorm inklusive Morddrohungen über sie herein.
Wie viele Influencer ließ das Paar seine Follower an wichtigen Stadien der Schwangerschaft teilhaben, zeigte Ultraschallbilder und teilte sogar Untersuchungsergebnisse. Eine der Untersuchungen brachte zunächst den Verdacht auf Downsyndrom. Kurz darauf postete Ridgway Bilder seines kranken Hundes und wirkte aufrichtig ergriffen. Für viele sah es damals so aus, als sorge er sich mehr um das Tier, als um sein Baby. Nach einer Fruchtwasseruntersuchung Ende Mai dann die Gewissheit: Das Kind würde mit Trisomie 21 aufwachsen, dem Downsyndrom.
Daraufhin ließ das Paar abtreiben und verkündete am Donnerstag auf X, der Entschluss sei „alles andere als einfach gewesen“. Der Youtuber schreibt: „Wir haben eine schwierige Entscheidung getroffen, von der wir glauben, dass sie unserer Familie auf lange Sicht von Vorteil sein wird.“ Ridgway begründete den Schritt mit den möglichen gesundheitlichen Komplikationen, die mit Trisomie 21 einhergehen können.
Schockiert über das Ausmaß an Hass
Schon davor hatte Ridgway mehr als 4 Millionen YouTube-Abonnenten und 625.000 Instagram-Follower. Spätestens jetzt aber kennt ihn gefühlt halb Amerika: Mehr als 22 Millionen Menschen sahen den X-Post und empörten sich in den Kommentaren. Kritiker warfen ihm vor, er sei zu bequem, um ein beeinträchtigtes Kind großzuziehen, er und seine Frau wollten mit ihrer Geschichte verdienen. Im Gespräch mit der New York Times sagte Ridgway, er und seine Frau bekämen Morddrohungen, würden sogar mit Adolf Hitler auf eine Stufe gestellt, er sei schockiert über das Ausmaß an Hass.

Sein Umgang mit dem Schwangerschaftsabbruch hat Jesse Ridgway einen Shitstorm beschert.
Sogar die Politik schaltet sich ein. Mike Johnson, der Sprecher des US-Repräsentantenhauses, bezeichnete die Entscheidung des Paares als „böse“ und schrieb: „Wenn eine Kultur so weit verfällt, dass Influencer im Internet den vorsätzlichen Mord an ihrem eigenen geliebten Kind so beiläufig abtun können, ist das Überleben dieser Kultur selbst in Gefahr.“
„Eine extrem traumatische Erfahrung“
In Deutschland entscheiden sich Schätzungen zufolge 9 von 10 Frauen im Fall einer Downsyndrom-Diagnose für einen Schwangerschaftsabbruch. Offizielle Zahlen existieren nicht, da der genaue Grund in der Statistik nicht separat erfasst wird. Anfang Juni, nur zwei Tage nach dem medizinischen Eingriff, machte Ridgway die Abtreibung öffentlich und erklärte auf X und Instagram: „Es war eine extrem traumatische Erfahrung für uns beide, besonders für Ashley.“
Der Youtuber zählt auf X in seiner Begründung die möglichen Folgeschäden infolge des Downsyndroms auf: Herzfehler, Sehschwächen, Hörprobleme, eine kürzere Lebenserwartung. Er schreibt: „Das Downsyndrom ist aus gesundheitlicher Sicht objektiv betrachtet extrem schwierig.“ Doch das reicht den Kritikern nicht als Begründung. Im Gegenteil: Das Paar bekommt Morddrohungen.

Noch im Mai freute sich das Paar auf Nachwuchs.
„Du hast ein Baby getötet“
„Du bist ein Monster“, schreibt ein User. Ein anderer kommentiert: „Du hast ein Baby getötet, ein gesundes Baby, für deine Bequemlichkeit.“
Besonders verstörend: Nur wenige Tage nach dem Schwangerschaftsabbruch postet der Influencer ein Video, in dem er sich im Garten lustig mit Wasserballons beschießen lässt. Die Kommentare darunter spiegeln die Empörung der Follower, mehrere User fordern ihn auf, seinen Account stillzulegen.
„Ich bin ehrlich entsetzt, dass du immer noch postest, das ist surreal“, schreibt einer. Und ein anderer: „Offensichtlich ganze zwei Sekunden getrauert.“ Und ein weiterer: „Ein Kind mit Downsyndrom hätte diese Wasserschlacht genauso genossen, wie jedes Kind.“
In manchen Kommentarspalten wird auch darüber diskutiert, ob die ganze Schwangerschaft ein Fake war, ein kalkulierter Shitstorm für mehr Aufmerksamkeit.
„Aber ich bin ja auch normal!“
Am Samstag aber sorgt Ridgway für einen weiteren Skandal. Als Reaktion auf die Kritik schaltet er einen Livestream. Als ein User ihn fragt, ob er schon mal daran gedacht habe, dass seine Eltern ihn ja nicht abgetrieben haben, da sagt Ridgway:
„Ich bin froh, dass sie mich nicht abgetrieben haben. Aber ich bin ja auch normal!“
Vielleicht hat das Paar jetzt ein paar Schlagzeilen. Aber viele Follower und Sympathien weniger.
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Melanie Grün
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