ZDF suggeriert, dass Putin Einfluss auf unseren Karneval hat, dabei sorgte schon ein SPD-Skandal im Jahr 2000 bereits für große Karneval-Reform
Ein Beitrag von
Leonie IpatiIn der ZDF-Berichterstattung über die Karnevalszüge am Rosenmontag entsteht durch Auslassung entscheidender Informationen der Eindruck, dass Putin Einfluss auf den deutschen Karneval nehmen würde. Der wahre Hintergrund ist jedoch ein anderer.
Am Rosenmontag berichtete das ZDF im „heute journal“ über die Karnevalszüge: „In Düsseldorf blieben die Motivwagen bis heute Morgen streng geheim, damit es nicht schon im Vorfeld Protest um die närrische Kritik gibt.“ Präsentiert wurden zunächst Wagen aus Köln und Mainz: Friedrich Merz als „Kanzler der Schmerzen“ im Fetisch-Outfit, der den Finanzminister versohlt, oder Donald Trump, der die Freiheitsstatue bedrängt.

riedrich Merz als „Kanzler der Schmerzen“ im Fetisch-Outfit
Nach den Bildern aus Köln und Mainz folgt ein Beitrag über den Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly. Berühmt und berüchtigt für seine satirischen Angriffe auf die Mächtigen, umgesetzt in humorvolle, dreidimensionale Karikaturen. Eine seiner bekanntesten Arbeiten: Wladimir Putin in einer Badewanne in den Farben der Ukraine, gefüllt mit Blut.

Rosenmontagszug in Düsseldorf 2023: Putin badet in einer Badewanne voller Blut.
Wegen genau solcher Motive hatte im Dezember die russische Justiz gegen Tilly Anklage erhoben, unter anderem wegen „Verunglimpfung staatlicher Organe“. Seitdem läuft in Russland ein Verfahren gegen ihn, von dem Tilly selbst aber gar nichts mitbekommt.
Als Antwort auf die Anklage aus Russland zeigt sein aktueller Wagen den Karnevalisten, der das Schwert der russischen Justiz spürt und mit der Narrenpritsche aus Papier zurückschlägt.

Jacques Tilly mit seinem neusten Motivwagen in seiner Werkstatt.
Mit seinem Beitrag ließ das ZDF den Eindruck entstehen, die Geheimhaltung der Wagen stehe in direktem Zusammenhang mit der russischen Strafverfolgung Tillys.
Die Bilder der Düsseldorfer Wagen waren aber längst vorab verfügbar: Bereits am 10. Februar konnte die dpa die Wagen fotografieren, am 15. Februar wurden diese Aufnahmen veröffentlicht. Das Hauptmotiv war klar erkennbar. Die angebliche Angst vor Putin erklärt also nicht die Geheimhaltung.

Am 10.2. durfte die dpa die Entstehung des Putin Wagens in Tillys Werkstatt fotografieren.
Der wahre Grund für die Geheimhaltung
Der wahre Grund für die streng gehütete Verschwiegenheit reicht zurück bis ins Jahr 1999: Damals verlor die damalige SPD-Kandidatin Marlies Smeets die Düsseldorfer Oberbürgermeister-Stichwahl gegen Joachim Erwin (CDU). Tilly hatte einen Wagenentwurf vorbereitet, der Smeets mit einem Messer im Bauch zeigte, versehen mit dem Schriftzug „Stichwahl“.

Jacques Tillys Entwurf zeigte die damalige OB-Kandidatin Marlies Smeets mit einem Messer im Bauch.
Smeets rief Tilly daraufhin an und warf ihm im Gespräch sogar Frauenfeindlichkeit vor. Am Ende wurde der Wagen nicht gebaut. Aus dieser Erfahrung entstand die Regel, dass Wagen bis zum Morgen des Rosenmontags unter Verschluss bleiben.
Mehr NIUS: Karneval gegen Rechts: In der ZDF-Fastnacht brechen alle Dämme
Weitere Artikel zum Thema
Die Potsdamer Kernschmelze: 15 unfassbare Folgen des Correctiv-Fakes – das NIUS-Dossier
Sender stoppt Zusammenarbeit: Deutsche-Welle-Reporter kassierten deutsches Steuergeld – und feierten Terror
Niederlage für Correctiv: Gericht kassiert in Grundsatzurteil Schlüsselaussagen der Geheimplan-Recherche
Schon bald „Leiter des crossmedialen ARD-Studios in Nairobi“: WDR-Linksjournalist Georg Restle verlässt „Monitor“
Krieg der Hauptstadtjournalisten auf X: Gabor Steingart wirft Kult-Podcasterin „Prostitution“ vor
ARD schneidet „Free Palestine” aus Oscar-Rede: Schon wieder ein höchstverdächtiger Anti-Trump-Schnitt bei den Tagesthemen
Nach Anfrage der FAZ: Tagesschau löscht irreführenden Beitrag zu Studie über Diskriminierung
Leonie Ipati
Autor
Artikel teilen
Kommentare