„Es kommt zum Mord“: Die Zeit warnt vor Liebesfilmen, weil sie zu „Femiziden“ führten
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Journalismus bedeutet, dorthin zu schauen, wo es ungemütlich wird. Zum Beispiel auf die Popkultur und ihre Folgen für die Unversehrtheit der Frauen. Nur die Wenigsten wissen: Liebesfilme können zu Femiziden führen! Die Zeit widmet sich diesem unterschätzten und darum umso dringlicheren Thema nun in einem Text mit dem Titel „Aber ist das nicht auch irgendwie süß?“ Die These: Morden an Frauen gingen in der Regel Kontrolle und Stalking voraus. „Das sind Verhaltensweisen, die unsere Popkultur bis heute absurd romantisiert.“

„Femizide sind selten spontane Taten“, findet die Zeit.
Millionen junger Frauen sind etwa mit der Liebesgeschichte zwischen dem Vampir Edward Cullen und seiner menschlichen Angebeteten Bella sozialisiert. Wer Edward bislang wegen seiner ins Bürokratische tendierenden Förmlichkeit für unverdächtig hielt, der irrt. In der Zeit erfahren wir: Erward taucht nachts in Bellas Zimmer auf, weil er ihr gerne beim Schlafen zusieht. Und er folgt Bella, als sie eines Nachts allein unterwegs ist, rettet sie sogar vor einer Straßengang. Ein unangenehmer Typ also.
„Es kommt zum Mord“
Mit ähnlicher Vorsicht (und das sollte wirklich niemanden überraschen) müssen wir Woody Allens „Stadtneurotiker“ schauen: Alvy folgt darin seiner Freundin Annie durch New York, um zu kontrollieren, ob sie eine Affäre mit ihrem Professor hat. Auch seine Ausrede („Ich bin dir hinterhergegangen und habe dich angestarrt, das ist kein Verfolgen“) kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier eindeutig „stalkinghaftes Verhalten“ vorliegt, so die Zeit, und dieses wiederum kann laut dem Acht-Stufen-Modell irgendeiner Kriminologin, die die Zeit heranzieht, zu Stufe 8 führen: „Es kommt zum Mord“.

Annie Hall (Diane Keaton) küsst ihren Stalker Alvy (Woody Allen).
Damit Morde in Zukunft verhindert werden, brauchen wir nicht nur einen kritischen Blick auf den cineastischen Kanon, sondern vor allem neue Erzählungen, schließlich wollen wir weiterhin ins Kino gehen und Menschen dabei zusehen, wie sie sich verlieben.
Der Prototyp einer Liebesgeschichte, die Femiziden vorbeugt, könnte wie folgt aussehen: Ein Mann, nennen wir ihn Ben, verliebt sich in eine Frau, nennen wir sie Anna, und entfernt in einer rituellen Zeremonie seine Augäpfel aus ihren Höhlen, damit er Anna nicht länger mit seinem male gaze besudeln kann. Zum Zeichen seiner Ergebenheit schickt er ihr seine Augen, in Formaldehyd eingelegt. Mit Herzklopfen stellt Anna sie in den Kühlschrank und denkt fortan ständig an ihn.
Dann meldet er sich zwei Wochen lang nicht. Zuerst denkt sie, er ist doch nur einer wie alle anderen. Doch dann verstreichen zwei weitere Wochen, und dann noch zwei, und von Tag zu Tag wird Anna glücklicher, weil sie spürt: Ben liebt sie so sehr, dass er sie nicht stalkt. Also treffen sie sich im Görlitzer Park zu einem Date. Auf dem Rückweg - Ben bringt Anna nicht zum Bahnhof, davon könnte sie sich eingeengt fühlen - wird sie von zwei Männern überfallen. In diesem Moment weiß Anna, dass sie niemals einen anderen Mann als Ben an ihrer Seite wird haben wollen.
Sie sendet ihm ein Päckchen: Darin findet er seine Augen, die er sogleich wieder einsetzt, und eine Rechnung (129 Euro inklusive Versand) für das Norrudden-Gästebett von IKEA, das sie bei sich im Wohzimmer aufstellt. Seit diesem Tag verbringen Anna und Ben jede Nacht gemeinsam, natürlich in getrennten Zimmern (damit Ben die schlafende Anna nicht dumm von der Seite anglotzt), und sie leben glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.
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