Berlin, du wilde Sau! Über eine Löwen-Jagd, die keine war
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Gegen 13.30 Uhr ließ Kleinmachnows Bürgermeister Michael Grubert (SPD) die Katze wieder in den Sack: Die Löwin ist ein Wildschwein!
Also vielleicht. Wahrscheinlich. Eigentlich höchstwahrscheinlich. „Ich würde meine Hand aufs Feuer legen, aber nicht ins Feuer“, so der Bürgermeister in einer denkwürdigen Pressekonferenz, auf der er für die Weltöffentlichkeit einen Löwen auf das Fahndungsfoto montierte und zum Rücken-Vergleich einlud. Na, sehen Sie es jetzt auch? Ganz unlöwische Krümmung. Oder nicht?
Wildkatze oder Wildschwein? Hauptsache Wochenende!
Es werden wahrscheinlich noch Doktorarbeiten darüber geschrieben werden, was genau der Screenshot aus dem nächtlichen Wald-Video zeigt. Ist am Ende aber auch egal, ob nun Puma, kaukasischer Bärenhund oder ein sehr groß geratener Luchs (diese Tiere waren alle in der Verlosung): Es ist das Ende einer Löwen-Jagd, die keine war. Gut gebrüllt, Wildschwein! Die Polizei-Safari ist offiziell beendet.

GANZ EINDEUTIG sehen wir hier … ein Tier, das Berlin in Atem hält
Berlin kann einfach nur wilde Sau. Ist ja auch irgendwie schön, mal nicht über Corona und die Regierung zu streiten. Die Bäckerei-Fachkraft meines Vertrauens hatte mitten im Großstadt-Dschungel mehr Angst, dass die Löwin sie auf dem Heimweg frisst, als vor dem Klimawandel. Anderthalb wunderbare Tage hatten wir alle ein Problem, das offenbar nie eins war, aber dafür ziemlich ernst genommen wurde.
Wie lange haben wir über Panzer für die Ukraine debattiert. Und zack, reibt ein Wildschwein sich am Baum, patroulliert das SEK mit vermummten Einsatzkräften und einem Panzerfahrzeug vor den Toren der Hauptstadt. Die Polizisten, die bei den angeblichen Löwen-Sichtungen die Waldränder abriegelten, taten dies mit höchst professioneller Anspannung.

Im Schnitt waren 200 Polizisten im Einsatz
Diese Löwen-Safari ist sau peinlich, sau witzig, sau gefährlich und sau komisch zugleich. 84 Millionen Ex-Bundestrainer und Ex-Virologen wurden auf einmal zu Sahara-Kennern. Jeder war schließlich mal im Zoo und kann sich vorstellen, was der Löwe macht, wenn er ein Wildschwein gefuttert hat. Erst mal ruhen. Dann jagen. Dann wieder ruhen. Dann jagen. Am besten über die Autobahn, gibt ja kein Tempolimit in Deutschland (im Gegensatz zu Südafrika, 120 km/h).
Im besten Fall war das die schönste Sommerloch-Geschichte dieses Sommerlochs. Im schlechtesten Fall will die Löwin aber auch einfach nur, dass wir alle denken, sie sei ein Wildschwein. Damit wir uns in Sicherheit wähnen. Und zack, werden wir Jäger zu Gejagten. Der Vorstadt-Pool als Wasserloch mit Fleischbeilage.
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Willi Haentjes
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