Brennender Autofrachter vor holländischer Küste - Löschen schwierig
Vor der niederländischen Wattenmeerinsel Ameland ist Feuer auf einem Frachtschiff (200 Meter lang, 32 Meter breit) mit rund 3000 Autos ausgebrochen. Tragisch: Ein Mensch sei ums Leben gekommen, teilte die Küstenwache am Mittwoch mit. Die in Flammen stehende „Fremantle Highway“ treibt etwa 27 Kilometer nördlich vor der Insel Ameland – und droht inzwischen zu sinken! Doch die Eindämmung des Feuers verläuft mühsam. Die Küstenwache rechnet sogar damit, dass es noch Tage brennen könnte. Groß ist die Sorge vor einer möglichen Umweltkatastrophe.
Teile der Besatzung sprangen in Panik von Bord
22 Mitglieder der Besatzung konnten demnach gerettet werden, einige seien von Bord gesprungen und wurden mit Booten gerettet, der größte Teil war nach Angaben der Küstenwache mit Hubschraubern von Bord geholt worden. Es gab Verletzte. Die Geretteten wurden nach Lauwersoog (Niederlande) und zum Flughafen Groningen Eelde gebracht. 16 Besatzungsmitglieder sollen mit Atemproblemen in Krankenhäuser gebracht worden sein.
Ursache soll Brand in E-Auto gewesen sein
Das Schiff, die „Fremantle Highway“, war unterwegs aus Bremerhaven nach Port Said in Ägypten. Nach ersten Erkenntnissen der Küstenwache soll das Feuer in der Nacht in einem elektrischen Auto entstanden sein. Das Feuer habe sich danach schnell ausgebreitet. Die Besatzung versuchte den Angaben der Küstenwache zufolge, das Feuer zu löschen. Doch das sei fehlgeschlagen. Nach Angaben von niederländischen Medien soll es sich bei den Pkw um der Modelle der Marke Mercedes handeln.

Zwei Hubschrauber der Küstenwache, die an der Rettungsaktion auf dem Schiff „Fremantle Highway“ beteiligt sind, am Flughafen Den Haag
Die Lage auf See hat sich innerhalb der vergangenen Stunden zugespitzt: Bei einem Sinken des Schiffes könnten Treibstoff, Öl und die etwa 3000 Autos ins Wasser und auf den Meeresboden gelangen. „Wir tun alles, um das zu verhindern“, sagte ein Sprecher der Wasserbehörde dem Radiosender NOS. Aber die Rettungskräfte bereiteten sich „auf alle Szenarien“ vor.
Die Bergung sei schwierig, sagte der Sprecher der Küstenwache, Edwin Granneman. Das Feuer war am Mittwochnachmittag noch immer nicht unter Kontrolle. „Auf dem Schiff selbst wird auch nicht gelöscht und auch nicht von oben herab auf das Schiff“, sagte der Sprecher. Denn bei zu viel Wasser auf dem Frachter, könne der instabil werden. „Das Schiff kann dann kentern.“ Daher kühlen Löschboote, darunter auch eins aus Deutschland, nun die Seitenkanten des Schiffes.
Abschleppkabel schon montiert
Zumindest gelang es aber, den Frachter mit einem Notkabel an einen Schlepper zu koppeln. „Die Lage ist nun zu instabil, um das Schiff wegzuschleppen“, sagte der Sprecher. Doch nun blockiert das Schiff nicht die Route von und nach Deutschland. Reeder teilten inzwischen auch mit, dass der Schiffsverkehr nicht beeinträchtigt sei.
Schwierig, den Brand auf See in den Griff zu bekommen
Auch deutsche Behörden sind alarmiert. Inzwischen ist auch der deutsche Notfall-Schlepper „Nordic“ am brennenden Frachter angekommen. Ein Sprecher des deutschen Havariekommandos in Cuxhaven: „Wir beobachten die Situation.“
Erst kürzlich hatte der Industrieversicherer der Allianz (AGCS) vor erhöhtem Brandrisiko durch den Transport der Lithium-Ionen-Akkus auf Schiffen gewarnt. Hauptursachen für Brände, die von den Akkus ausgehen, seien Produktionsdefekte, beschädigte Batteriezellen oder Geräte sowie eine Überladung oder Kurzschlüsse, schreibt der Versicherer in seiner neuesten Schifffahrtsstudie. Sie seien tückisch, weil sie schwer zu löschen seien und sich spontan wiederentzünden könnten. „Die meisten Schiffe verfügen weder über ausreichenden Schutz noch über ausreichende Frühwarn- oder Löschfähigkeiten, um solche Brände auf hoher See zu bekämpfen“, sagte der Schifffahrtsexperte Justus Heinrich.
Das könnte eine Umweltkatastrophe für die Nordsee bedeuten
Umweltorganisationen und auch Bürgermeister der Küstenregionen sind besorgt über mögliche Schäden durch Öl oder Müll. „Das könnte eine Umweltkatastrophe für die Nordsee und das Wattenmeer bedeuten“, warnte ein Sprecher der Stiftung De Noordzee. Einige denken nun auch zurück an die Katastrophe des Containerschiffs MSC Zoe 2019. Damals hatte das Schiff in der stürmischen Nordsee auf der Fahrt nach Bremerhaven 342 Container verloren. Die meisten zerbarsten beim Aufprall auf dem Wasser, in der Folge trieb tonnenweise Müll an die Strände.
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