Das Dokument des Staatsversagens: Brisante BKA-Liste zeigt, dass der Terrorist von Magdeburg 105 Mal aktenkundig wurde
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Es ist ein unfassbares, höchst brisantes Dokument, das die Innenministerin von Sachsen-Anhalt, Tamara Zieschang (CDU) in ernsthafte Bedrängnis bringt! Mehr als 100 Mal hätte sie laut einem BKA-Bericht die Möglichkeit gehabt, gegen den Attentäter von Magdeburg vorzugehen, mehr als 100 Mal tat sie eben dies nicht.
Taleb Al Abdulmohsen, der Terrorist, der in Magdeburg sechs Menschen tot fuhr und dutzende verletzte, ist polizeibekannter Araber, der seit Jahren mit Drohungen von sich hören machte. Sage und schreibe 105-mal wurde der Arzt aus Saudi-Arabien seit 2013 in sechs Bundesländern aktenkundig, es gab 18 Ermittlungsverfahren und drei Gefährderansprachen, zweimal wurde der Mann rechtskräftig verurteilt. Dies geht aus einem 16-seitigen Bericht des Bundeskriminalamts (BKA) hervor, der an den Bundestag übermittelt wurde und den mindestens fahrlässigen Umgang der Behörden mit Taleb Al Abdulmohsen dokumentiert.

Bereits 2013 ermittelten diese gegen ihn wegen des Verdachts der Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten, nachdem die Ärztekammer notwendige Unterlagen von ihm gefordert hatte. „Dies sei von ihm nicht akzeptiert worden und er habe Handlungen angedroht, welche „internationale Beachtung finden“ würden und habe auf den Anschlag in Boston vom 15.04.2013 verwiesen. Im Rahmen einer Durchsuchung am 19.04.2013 und der anschließenden Auswertung der sichergestellten Asservate konnten keine gefährdungsrelevanten Erkenntnisse gewonnen werden“, heißt es im Bericht des BKA. Und:„ Das Amtsgericht Rostock verurteilt AL ABDULMOHSEN zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 10 Euro. Es erfolgt eine Eintragung im Bundeszentralregister (BZR).“
Terrorist drohte, zwei Richter zu erschießen

2015 leitete man gegen Abdulmohsen ein Verfahren wegen des Verdachts der Bedrohung ein. Im Aktenvermerk heißt es: „AL ABDULMOHSEN habe dem Bundeskanzleramt gedroht, sich eine Pistole zu kaufen und zwei Richter zu erschießen. Er habe sich von diesen ungerecht behandelt gefühlt. Diese hätten absichtlich gelogen und außerdem wolle er, dass das Grundgesetz in Deutschland geändert werde, da dieses ausländerfeindlich sei.“
Neben den Ländern Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Berlin, Hamburg und Bayern waren laut Spiegel-Bericht auch zahlreiche Bundesbehörden in den Fall involviert, darunter das BKA, der Bundesnachrichtendienst (BND), das Bundesamt für Verfassungsschutz und sogar das Bundeskanzleramt. Al Abdulmohsen, ein Schiit, wütete nicht nur gegen seine mehrheitlich sunnitische Heimat Saudi-Arabien, sondern auch gegen Vertreter der Justiz, etwa Richter und Staatsanwälte, und sogar gegen seinen eigenen Anwalt.
Über das Kontaktformular des Innenministeriums wurde „Dr. Google“ im Februar 2023 sogar konkret: „Muss man in Deutschland 20 Leute auf den Straßen von Berlin umbringen, um die Gerechtigkeit zu bekommen?“

„Terrorismus-Experte“ sieht kein Behördenversagen
Doch nichts geschah. Offenbar gibt es keine Plattform, die Gefährderinformationen bei verschiedenen Behörden effektiv miteinander verknüpft, und für sich genommen reichte den Sicherheitsbehörden die „sehr unterschiedliche Gewichtigkeit in den Straftaten“ (ARD-Terrorismus-Experte Holger Schmidt) wohl nicht aus, um den Saudi als Gefährder wahrzunehmen. Schmidt selbst spricht von einem „extrem verwirrten und querulatorischen Menschen“, dessen „ganz extreme Tat aber nicht terroristisch geprägt ist“. Es habe „keinen einzigen Hinweis darauf“ gegeben, dass Al Abdulmohsen vorhaben könnte, mit einem Fahrzeug in eine Menschenmenge zu rasen, „das muss man ganz deutlich sagen“. Der „Terrorismus-Experte“ Schmidt tut sich mit dem Begriff „Behördenversagen“ daher schwer. Bei einem islamistischen Anschlag sähe er das anders.

Taleb Al Abdulmohsen, der Attentäter von Magdeburg.
Zur Veranstaltung „Magdeburg singt“ wird heute Abend Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine Rede halten, und es ist eher nicht anzunehmen, dass er die Untätigkeit etwa des Innenministeriums nach den Drohungen des Arabers („Aufgrund des unklaren bzw. verworrenen Anliegens erfolgt keine Antwort des BMI“) thematisieren könnte.
Steinmeier und Ministerpräsident Haseloff wollen vor der Veranstaltung am Abend einen Kranz am zentralen Gedenkort an der Johanniskirche niederlegen und sich anschließend in ein Kondolenzbuch eintragen, außerdem sei ein Gespräch mit Einsatz- und Hilfskräften geplant. Opfer und Angehörige bleiben wohl außen vor.
Aktionswoche „Eine Stadt für alle“
Am Donnerstag jährte sich die Zerstörung Magdeburgs von 1945 zum 80. Mal. Der Gedenktag ist auch Auftakt der Aktionswoche „Eine Stadt für alle“, die mit der Veranstaltung „Magdeburg singt“ am Abend beginnt. Diese steht in diesem Jahr im Gedenken an die Opfer des Terroranschlags vom 20. Dezember – „als besonderes Zeichen der Hoffnung und des Zusammenhalts in Magdeburg“.
Mit dem Friedenssingen auf dem Alten Markt beginnt auch die Aktionswoche „Eine Stadt für alle“ des Bündnisses Weltoffenes Magdeburg, die am 27. Januar endet. Dass es die „Weltoffenheit“ war – also die schrankenlose Migration auch solcher Täter wie Taleb al-Abdulmohsen, Attentäter auf dem Weihnachtsmarkt –, die bisher sechs Magdeburger das Leben und hunderte ihre Gesundheit gekostet hat, verleiht der 11-tägigen Aktionswoche der Veranstalter, die sich, wie es heißt, „für ein tolerantes und demokratisches Magdeburg einsetzen“, allerdings einen fatalen Beigeschmack.

In Stille trauern und innehalten, keine Fragen stellen
Im Saal mit Blick auf den Alten Markt (Saal der Partnerstädte) kann montags bis freitags zwischen 8 und 18 Uhr sowie sonnabends zwischen 10 und 13 Uhr der Opfer des Weihnachtsmarkt-Anschlags gedacht werden, ein Kondolenzbuch liegt aus. Magdeburgs parteilose Oberbürgermeisterin Simone Borris sagte, mit dem Trauer- und Gedenkort wolle man den Magdeburgern und Gästen der Stadt die Möglichkeit geben, angemessen und in Stille zu trauern und innezuhalten.
Gleichzeitig verurteilte sie die „rassistischen Übergriffe“, die in den vergangenen Tagen von Polizei und die Migrantenorganisationen gemeldet wurden, wobei es sich in den allermeisten Fällen um Beleidigungen der Preisklasse („Verpiss dich in dein Land und lieg uns Deutschen nicht weiter auf der Tasche“) handelte. Auch eine Hakenkreuzschmiererei an der Wohnungstür eines Ausländers soll registriert worden sein.
„Das sind alles Lügen“: Ex-Bürgermeister verlässt SPD
Wie jetzt bekannt wurde, hat Lutz Trümper, von 2001–2022 Oberbürgermeister von Magdeburg, bereits am 19. Dezember, einen Tag vor dem Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt, seinen Austritt aus der SPD erklärt. Trümper hatte im vergangenen Sommer gefordert, das Bürgergeld für Asylbewerber und Arbeitsmigranten auf maximal ein Jahr zu begrenzen, lehnt aber auch die Energiepolitik und das Gerede von der „Kriegstüchtigkeit“ ab.

Ex-Bürgermeister Lutz Trümper, aus der SPD ausgetreten, spricht von einem islamistischen Attentat.
Zu Bild sagt Trümper, hätte er seinen Austritt nicht bereits vor dem Anschlag von Magdeburg erklärt, wäre der Umgang damit ein weiterer Grund. Für ihn sei das ganz klar ein islamistisch motiviertes Attentat. Auch die Behauptung von Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne, der Attentäter habe als Arzt tadellose Arbeit geleistet, stieß ihm sauer auf: „Das sind alles Lügen.“
Morgen geht es im Innenausschuss des Bundestags um den Terroranschlag von Magdeburg, der im Spiegel zitierte BKA-Bericht dürfte dort für Furore sorgen. Eingeladen hat Bundesinnenministerin Nancy Faeser Bruno Kahl vom BND, Holger Münch (BKA), Hans-Eckart Sommer (BAMF) und Sinan Selen vom Bundesamt für Verfassungsschutz.
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Claudio Casula
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