Das ist der Messer-Mann, der drei Mal Polizisten angriff und jedes Mal laufen gelassen wurde
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Drei Angriffe auf Polizisten, einer davon mit einer Cuttermesser-Klinge, sechs verletzte Beamte und jedes Mal mussten die Polizisten zuschauen, wie der polizeibekannte Nigerianer Wisdom O. (36) wieder auf freiem Fuß die Polizeidienststelle verlassen durfte.
Nur 22 Stunden vergingen vom Nachmittag des 5. Juli bis zum Vormittag des 6. Juli zwischen den drei Angriffen.
Fall 1: 8-jährigen Schüler belästigt, Polizist gebissen
Im ersten Fall am Hauptbahnhof Karlsruhe soll O. einen 8-jährigen Jungen einer Schülergruppe angesprochen und angefasst haben. Die hinzugerufenen Beamten der Bundespolizei griff O. dann an, wehrte gegen das Eingreifen der Beamten durch Kratzen und Beißen und verletzte dadurch vier Polizisten – einen durch einen Biss in die Hand.
Ein Haftbefehl durch die Staatsanwaltschaft folgte auf den Angriff nicht, O. wurde wieder auf freien Fuß gesetzt.
Fall 2: Mit Messerklinge gegen Polizisten
13 Stunden später, in der Nacht zum 6. Juli wurde O. beim Schwarzfahren erwischt. Als Bundespolizisten am Bahnsteig des Karlsruher Hauptbahnhof eintrafen, weigerte er sich, den Zug zu verlassen und drohte den Beamten, sie zu töten, sollte er den Zug verlassen müssen. Als die Bundespolizisten dann unmittelbaren Zwang anwendeten, zückte O. eine Messerklinge: „Hierbei leistete er erheblichen Widerstand und stieß mehrfach hinterrücks mit der Klinge eines Cuttermessers in Richtung der Beamten. Dadurch wurde ein Bundespolizist im Bereich des Kopfes, am Arm und an der Hand leicht verletzt. Eine weitere Bundespolizistin erlitt leichte Schnittverletzungen am Bein“, heißt es wörtlich in der Polizeimeldung. Beide Polizisten kamen ins Krankenhaus und konnten den Dienst nicht fortsetzen.
Auch in diesem Fall durfte der Polizei-Angreifer wieder gehen. Die Bereitschaftsstaatsanwältin in „lehnte eine Haftsache ab“, wie es in der internen Polizei-Meldung, die NIUS vorliegt, heißt. Aus zwei Gründen: Weil der Angreifer einen festen Wohnsitz habe und eine Cuttermesserklinge nicht ausreiche, um lebensgefährliche Verletzungen hervorzurufen.

Der Hauptbahnhof in Karlsruhe
Fall 3: Polizisten zum Kampf aufgefordert
Keine zehn Stunden später dann der nächste Angriff auf Polizisten, diesmal am Hauptbahnhof in Mannheim: Wisdom O. war wieder ohne Ticket erwischt worden und wurde dann von Polizisten am Bahnsteig kontrolliert. „Während dieser Kontrolle baute er sich bedrohlich vor den eingesetzten Beamten auf und forderte sie zum Kampf auf“, heißt es im internen Bericht. Dann griff er einem der Beamten an den Arm, woraufhin die Polizisten – im Wissen um die ersten beiden Fälle – sofort Ernst machten, O. zu Boden brachten und in Gewahrsam nahmen.
Die Staatsanwaltschaft Mannheim wollte mit dem Fall nichts zu tun haben, verwies wegen der beiden ersten Fälle nach Karlsruhe. Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe blieb aber bei ihrer Entscheidung und stellte keinen Haftantrag. Auch eine Vorstellung des Angreifers wegen möglicher psychischer Auffälligkeiten beim Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim blieb ohne Folgen: „Die dortigen Ärzte sahen jedoch keine Notwendigkeit, den Beschuldigten einzubehalten und ließen ihn ohne Absprache auf freien Fuß“, heißt es wörtlich im internen Polizeibericht.
In der internen Polizeimeldung, die NIUS vorliegt, wurden die Beamten in roter Schrift vor dem Mann gewarnt: „Bei Eintreffen der Person unbedingt auf Eigensicherung achten!“, hieß es da.

Am Hauptbahnhof Mannheim ereignete sich der dritte Angriff.
Messer-Angreifer mit vier Tagen Verspätung in U-Haft
Es brauchte offenbar weitere Ermittlungen und neue Erkenntnisse, um einen Haftbefehl gegen den Nigerianer zu erlassen. Vier Tage nach der Angriff-Serie meldet die Bundespolizeiinspektion Karlsruhe nun, dass der 36-Jährige in Untersuchungshaft sei.
Anders als die Bereitschaftsstaatsanwälte kam das Amtsgericht Karlsruhe auf Antrag der Staatsanwaltschaft Karlsruhe zu dem Schluss, dass Wisdom O. des versuchten Totschlags dringend tatverdächtig sei.
„Am 10.07.2024 kontrollierten Beamte der Bundespolizeiinspektion Münster den Tatverdächtigen am Hauptbahnhof Hamm (Westfalen) und erklärten ihm auf Grundlage des Haftbefehls des Amtsgerichts Karlsruhe die Festnahme. Der Beschuldigte wurde noch am selben Abend einem Richter am Amtsgericht Hamm vorgeführt, der den durch das Amtsgericht Karlsruhe erlassenen Haftbefehl in Vollzug setzte“, heißt es in der Pressemitteilung der Bundespolizei.
Der Präsident des Bundespolizeipräsidiums, Dr. Dieter Romann, sagte dazu: „Ich danke den Kolleginnen und Kollegen der Bundespolizeiinspektionen Karlsruhe und Münster für die schnellen und professionellen Ermittlungs- und Fahndungsmaßnahmen, welche zur Festnahme des Tatverdächtigen geführt haben. Den verletzten Beamten wünsche ich weiterhin eine gute und schnelle Genesung.“
Alle Beamten seien auf dem Weg der Besserung und würden ihren Dienst zeitnah wieder aufnehmen können, heiß es weiter.
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