Die Kessler-Zwillinge, ein starkes Stück Deutschland – Leben zusammen, Sterben zusammen
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Sie waren ein Sinnbild für den ersten internationalen Glamour in den prüden Nachkriegsjahren der Bundesrepublik Deutschland. Man kannte ihre Tanzschritte, man kannte ihre langen Beine, die sie gerne zeigten. Alice und Ellen Kessler galten als das „doppelte deutsche Fräuleinwunder“. Sie hatten einen Wunsch: Sie wollten gemeinsam sterben – so geschah es. Die beiden Frauen starben gemeinsam im Alter von 89 Jahren.
Nach Informationen der Bild-Zeitung haben Alice und Ellen Kessler „begleitete Sterbehilfe“ in Anspruch genommen. Seit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2020 ist dieser assistierte Suizid unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Sogenannte „aktive Sterbehilfe“ bleibt jedoch strafbar. Die Polizei schließt ein Fremdverschulden aus.

Die beiden Schwestern im Jahr 1994
„Im Tode vereint. So hätten wir es gern“
Schon Anfang des Jahres hatten die beiden in einem Interview verraten: „Im Tode vereint. So hätten wir es gern. Und so haben wir es auch testamentarisch verfügt.“ Doch die Urne wollten sie nicht nur zu zweit teilen. Neben den beiden Show-Ikonen sollen auch ihre 1977 verstorbene Mutter und die Asche ihres blonden Pudels Yello in der Urne beigesetzt werden.

Alice und Ellen Kessler bei einer Theaterpremiere in München im Jahr 2023
Alice und Ellen Kessler kamen am 20. August 1936 im sächsischen Nerchau zur Welt. Noch vor dem Mauerbau verließ ihre Familie die DDR in Richtung Westen. Die im Ballett ausgebildeten Schwestern bekamen 1952 ein Angebot, am Düsseldorfer Revuetheater Palladium aufzutreten. Mit gerade 18 wurden sie am weltberühmten Lido in Paris engagiert – ihre internationale Karriere hatte begonnen.
Weltkarriere auf Welttournee
Als ihr Vertrag in Paris 1960 endete, ging das doppelte Fräuleinwunder auf Welttournee. Die Kesslers tanzten in New York, Caracas, Monte-Carlo, Barcelona, Buenos Aires oder Sydney, waren zu Gast in internationalen Fernsehshows und traten mehrfach in Kinofilmen auf. Sie waren ein starkes Stück Deutschland. Ihre erste gemeinsame Rolle erhielten sie in der Komödie „Solang’ es hübsche Mädchen gibt“. Viele weitere Filme folgten. Danach bekamen die beiden auch immer mehr Fernsehrollen im In- und Ausland.
Es war die Zeit, in der unverheiratete Frauen „Fräulein“ genannt wurden – und die Mädchen und jungen Frauen diese Anrede mit Würde und Stolz trugen. So wie die ersten großen Revue-Entertainerinnen Deutschlands, Alice und Ellen Kessler. Sie strahlten das Positive und das Schöne dieses Show-Genres aus, wie wohl keine anderen. Sie haben nie geheiratet.
Sie waren die letzten großen Show-Girls unserer Zeit.
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