Die Weihnachts-Wetter-Bilanz
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Statt weißer Weihnacht plagten dieses Jahr Unwetter die Bundesrepublik. Vor allem Nord- und Westdeutschland hatten und haben zum Teil noch mit Hochwasser zu kämpfen.
Die Gefahr ist lange noch nicht vorüber. In Niedersachsen besteht die Befürchtung von Deichbrüchen. Sowohl im Wesergebiet als auch an der Nordseeküste besteht die Gefahr von Sturmfluten.
Tausende von Einsatzkräften sind über die Feiertage im Einsatz.
Doch was war los und wie ist der jetzige Stand?
Niedersachsen
In manchen Teilen Niedersachsens hat sie die Hochwasserlage deutlich zugespitzt. Es werden Evakuierungen vorgenommen und hunderte Einsatzkräfte sind tagelang im Einsatz.
100 Einwohner aus Rinteln mussten am Morgen des zweiten Weihnachtstages in Sicherheit gebracht werden.
Die Okertalsperre im Harz hat ihre maximale Kapazität erreicht. Die Stadtverwaltung Braunschweig teilte am Dienstag mit, dass nun mehr Wasser über den Überlauf der Staumauer in die Oker abgegeben wird. Statt 16 Kubikmeter pro Sekunde fließen nun 30 Kubikmeter pro Sekunde in den Fluss.
Die Stadt warnt vor einer weiteren Verschärfung der Hochwasserlage. Es wird erwartet, dass die Welle in den späten Abendstunden in der Stadt ankommt.
Die Stadt bietet an, sich Sandsäcke aufzufüllen:
In Uplengen, Landkreis Leer, haben Freiwillige den Deich in Hollen vorläufig mit Sandsäcken verstärkt. Der Deich wies an zwei Stellen Risse auf und war auf einer Strecke von fast 500 Metern durchweicht.

Einsatzkräfte sichern den Deich mit Sandsäcken.

Einsatzkräfte laden gefüllte Sandsäcke in ein Boot der Wasserrettung. Mit ihnen werden die Risse im Deich der Hollener Ehe rund 90 Kilometer nördlich von Bremen repariert.
In Vechta wurde das Gelände rund um das Krankenhaus geflutet.

Die Feuerwehr sichert mit Sandsäcken eine Risikostelle.

Das geflutete Krankenhaus in Vechta.
Thüringen
Die Hochwassersituation in Windehausen, einem Ortsteil von Heringen in Nordthüringen, ist nach Angaben der Einsatzkräfte stabil, aber noch immer ernst. Das Wasser geht an einigen Stellen leicht zurück, aber der Ort ist weiterhin vom Hochwasser umgeben. Eine Entwarnung ist noch nicht möglich.
Am ersten Weihnachtsfeiertag wurden alle Einwohner von Windehausen aufgrund der kritischen Lage evakuiert. Etwa 100 der geschätzten 500 Einwohner sind noch vor Ort, berichtet Matthias Marquardt, Bürgermeister von Heringen. Die meisten Bewohner fanden bei Familienmitgliedern, Freunden oder Bekannten Unterschlupf. Niemand musste die Nacht in der bereitgestellten Turnhalle in Heringen verbringen.

In der Turnhalle in Heringen stehen Dutzende Feldbetten bereit. Die Hochwasserlage in Nordthüringen bleibt weiterhin angespannt.
Die Häuser in Windehausen sind nicht einsturzgefährdet. Allerdings gibt es keinen Strom und die Toiletten funktionieren nicht, da die Kanalisation überflutet ist. Es ist ungewiss, wann die Bewohner zurückkehren können.
In der Nacht zu Dienstag hat das Technische Hilfswerk zusammen mit den Einsatzkräften eine Saatgutproduktion in Windehausen vor der Überflutung bewahrt. Dafür pumpten sie über vier Stunden lang 3,5 Millionen Liter Wasser ab.
Die Hochwasserlage in ganz Thüringen hat sich am Dienstag weiter entspannt. In den besonders betroffenen Gebieten in Südthüringen konnte Entwarnung gegeben werden, obwohl die Situation weiterhin angespannt bleibt. Derzeit liegen noch vier Pegel in Süd- und Nordthüringen über der Meldestufe zwei. Dazu gehören die Helme bei Sundhausen, die Werra bei Gerstungen sowie die Nahe bei Hinternah und die Schleuse bei Rappelsdorf, berichtet die Deutsche Presseagentur.

Zwei überflutete Autos in Windehausen.

Das Restaurant „Siegfähre“ an der Mündung der Sieg in den Rhein ist überschwemmt.
Nordrhein-Westfalen
Seit dem Mittag des 25. Dezember gab es in Essen mehrere Feuerwehreinsätze aufgrund des starken Windes. In Kettwig ist eine Fichte in der Straße Unterlehberg auf die Fahrbahn gestürzt.I n Kupferdreh sind dicke Äste im Bereich Frauenstein auf die Fahrbahn gefallen. In Gerschede gab es zwei Einsätze: An der Weidenstraße drohte eine Antenne vom Hausdach zu fallen und an der Kamerunstraße haben sich Dachziegel gelöst. Auch an der Twentmannstraße in Stoppenberg gab es Probleme mit dem schlechten Wetter. Wasser drang durch die Decke in eine Wohnung ein, berichtet Radio Essen.

Der Fluss erreicht „Brückenhöhe“

Schaulustige Passanten nutzten den Weihnachtsspaziergang, um sich ein Bild von der Hochwasserlage zu machen.
In Bochum erreichte der Pegelstand an Heiligabend 5,98 Meter. Der aktuelle Pegelstand beträgt 5,93 Meter. Laut einer Sprecherin der Stadt ist die Lage stabil. Der Krisenstab hat heute erneut getagt. Derzeit gibt es keine Einsätze, aber etwa 100 Einsatzkräfte von Stadt, Feuerwehr, THW und DLRG stehen auf Abruf bereit. Sollte das Wasser stark ansteigen, müssten möglicherweise einige Häuser evakuiert werden, wie von der Stadt angegeben, berichtet Radio Bochum.

DIe überfluteten Ruhrauen.

Auch Bäume wurden Opfer des Unwetters.
Am ersten Weihnachtstag 2023 haben sich in Hattingen 60 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk (THW) und Deutscher Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) einem Hochwassereinsatz gestellt. Während viele Bürgerinnen und Bürger das Weihnachtsfest im Kreis ihrer Lieben feierten, waren diese Helfer damit beschäftigt, Hab und Gut der Menschen vor den Folgen des Hochwassers zu schützen.
Die Situation war besonders kritisch am Camping- und Mobilheimplatz an der Tippelstraße, wo das Wasser bedrohlich anstieg. Die Bewohner versuchten seit Samstag, mit eigenen Pumpen gegen das steigende Wasser anzukämpfen. Am Weihnachtstag um 16:30 Uhr wurden externe Hilfsorganisationen hinzugezogen, um zu verhindern, dass das Wasser in die Häuser eindringt und erhebliche Schäden verursacht, berichtet RuhrkanalNEWS.

Ein Gebäude wurde vom Hochwasser komplett umschlossen.
In den vergangenen Tagen ist der Wasserstand der Ruhr in Mülheim kontinuierlich angestiegen und erreichte an Heiligabend einen Pegel von rund 510 Zentimetern. Am ersten Weihnachtstag stagnierte der Hochwasserpegel und blieb über den Tag hinweg recht konstant bei diesem Wert, wie die Feuerwehr berichtet. Laut Einsatzleiter Schütz lag der Pegel am Dienstagmorgen um 7 Uhr bei 511 Zentimetern und war rückläufig, berichtet die Westdeutsche Allgemeine Zeitung.

Die Pegelhöhe ist rückläufig, trotzdem gibt es vorerst keine Entwarnung.
Sachsen-Anhalt
In einigen Regionen Sachsen-Anhalts herrscht aufgrund von Regen und Tauwetter weiterhin eine kritische Hochwassersituation. Die Pegelstände vieler Flüsse in dem Bundesland sind über die Weihnachtstage angestiegen und einige Flussufer sind bereits überschwemmt. Besonders ernst ist die Lage an der Helme nahe der Talsperre Kelbra, wo mittlerweile die höchste Warnstufe 4 erreicht ist. Für mehrere andere Flüsse haben die zuständigen Behörden die zweithöchste Warnstufe 3 ausgelöst. Die Wassermassen haben außerdem Teile des Bahnnetzes beschädigt, indem sie die Gleisbetten unterspült haben.

Am ersten Weihnachtstag erreichte das Wasser den ersten Stock.

In Bad Düben erreicht der Wasserstand kontinuierlich die Warnstufe 3.
Der Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt hat die Einwohner von Thürungen wegen Hochwassergefahr zur Evakuierung aufgerufen. Wie eine Sprecherin des Landkreises am Dienstagnachmittag mitteilte, sollen alle Einwohner bis spätestens 18 Uhr ihre Häuser verlassen. Von der Maßnahme sind rund 180 Menschen betroffen.
Die betroffenen Anwohner wurden gebeten, bei Verwandten oder Bekannten unterzukommen. Zusätzlich hat der Landkreis eine Notunterkunft in Kelbra eingerichtet. Thürungen gehört zur Verbandsgemeinde Goldene Aue.
Wie wird das Wetter die nächsten Tage?
Der Deutsche Wetterdienst erwartet stürmische Böen. Zum Nachmittag soll es vorerst ein Ende der Dauerregensituation geben.
Der Deutsche Wetterdienst teilte am Dienstagmittag in Offenbach mit: „Bis auf Weiteres ist mit keinen ergiebigen Niederschlägen zu rechnen“.

Derzeit gibt es nur in Mitteldeutschland eine Unwetterwarnung vor Dauerregen. (Quelle DWD)
Am Mittwoch breitet sich von Westen her Regen in den Nordwesten aus, während es im Süden und Osten meist sonnig und trocken bleibt. In der Nähe der Alpen bleibt es länger sonnig. Die Temperaturen liegen zwischen 5 Grad im Nordosten und bis zu 12 Grad am Oberrhein.

Ein Dresdner steht an der Elbe.
Der Wind weht überwiegend schwach bis mäßig aus südlichen Richtungen, mit Windböen im höheren Bergland und stärkeren Böen an der See und im angrenzenden Binnenland.
In der Nacht zum Donnerstag ziehen die Niederschläge im Nordwesten ab, und später setzt von Nordwesten her erneut Regen ein, der bis zum Morgen die Mitte Deutschlands erreicht. In den anderen Gebieten bleibt es größtenteils klar und trocken. Die Temperaturen liegen unter dichten Wolken bei 9 bis 5 Grad, sonst zwischen 5 und 0 Grad, mit Frost bis -3 Grad südlich der Donau und im höheren Bergland. Im Westen und Nordwesten nimmt der Wind zu, an der Nordsee und im höheren Bergland gibt es Sturmböen.
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