Firmenpleiten in Deutschland um 40 Prozent gestiegen
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Im ersten Halbjahr gab es in Deutschland 41 Prozent mehr Insolvenzen als im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres. Das zeigen exklusive Berechnungen vom „Handelsblatt“. Demnach sind die Zahlen stärker gestiegen als von Experten prognostiziert.
In den ersten sechs Monaten gerieten 162 Unternehmen mit mehr als zehn Millionen Euro Umsatz in finanzielle Schieflage. Das belegt eine Analyse der Restrukturierungsberatung Falkensteg. Unter den insolventen Firmen sind prominente Namen wie der Reiseveranstalter FTI, die Warenhauskette Galeria oder die Modefirma Esprit.
Das höchste Niveau seit fast 10 Jahren
Über alle Unternehmensgrößen hinweg registrierte die Auskunftei Creditreform im ersten Halbjahr rund 11.000 Insolvenzen – das höchste Niveau seit fast zehn Jahren. Vor allem Immobilienfirmen, Autozulieferer und Maschinenbauer sind betroffen. Angeschlagene Firmen haben zunehmend schlechtere Chancen, sich erfolgreich zu sanieren und müssen im Insolvenzverfahren endgültig ihren Betrieb einstellen. „Die Rettungsquote sinkt, denn Investoren glauben, dass die Talsohle noch nicht erreicht ist“, sagt der Düsseldorfer Insolvenzverwalter Dirk Andres. Selbst strategische Investoren seien derzeit sehr zurückhaltend.

Die Modekette Esprit gehört zu den prominenten Insolvenzen des Jahres 2024.
„Weil Krisen zum Dauerzustand werden“
Die Analyse von Falkensteg zeigt: Von den 279 untersuchten Firmen, die 2023 Insolvenz anmelden mussten, konnten bis Ende des ersten Halbjahres 2024 nur 35 Prozent gerettet werden – durch Verkauf an einen Investor oder weil die Gläubiger einem Insolvenzplan zugestimmt haben. Im selben Zeitraum vor drei Jahren gelang das noch in 57 Prozent der Fälle. „Weil Krisen zum neuen Dauerzustand werden, bricht das vielen schwächelnden Firmen nun endgültig das Genick“, sagt Falkensteg-Partner Joachim Eckhardt. „Für den Standort Deutschland wird das zunehmend zum Problem.“ Frank Schlein, Deutschland-Geschäftsführer der Bonitätsauskunft Crif: „Zehn Monate in Folge gab es jetzt zweistellige prozentuale Zuwachsraten bei den Insolvenzzahlen.“

Das Hamburger Prestige-Projekt „Elbtower“ – nicht fertig, aber pleite.
Immobiliensektor: Nur 21 Prozent konnten gerettet werden
233 Prozent mehr Insolvenzen – in keiner anderen Branche sind im ersten Halbjahr so viele Firmen mit mehr als zehn Millionen Euro Umsatz in Schieflage geraten wie im Immobiliensektor. Nur 21 Prozent der Betriebe, die 2023 in die Insolvenz mussten, konnten bisher gerettet werden. Die Branche leidet infolge hoher Zinsen, gestiegener Baukosten und Lieferengpässen unter einem Nachfrageeinbruch. Von Pleiten besonders betroffen sind Immobilienentwickler und -projektierer. Auch insolventen Modefirmen droht oft das endgültige Aus. Zu den bekanntesten Beispielen zählt der frühere Reno-Mutterkonzern HR Group, einst einer der führenden Schuhhändler Europas.
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