„Alerta Alerta“ und „Bella Ciao!“: In Karlsruhe singen nun Vögel im Schlossgarten „antifaschistische“ Kampflieder
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- In Karlsruhe zwitschern Protestsongs aus den Bäumen: Der Künstler Dennis Siering hat antifaschistische und klimapolitische Lieder in Vogelgesänge umgewandelt und sie in einer Installation im Schlossgarten präsentiert.
- Die Premiere der Arbeit „Radical Climate Action Bird“ soll echte Vögel anregen, die Melodien nachzuahmen – Experten bestätigen die Lernfähigkeit von Arten wie Amseln.
- Solarbetrieben und bis Mitte September geplant, thematisiert das Kunstwerk den Dialog zwischen Mensch, Natur und Technologie sowie eine Kritik am Aufkommen „neofaschistischer Ideen“.
Man stelle sich vor: Aus dem dichten Laub einer großen grünen Eiche hinter dem Karlsruher Schloss dringt ein ungewöhnliches Zwitschern: Es sind die Töne antifaschistischer Hymnen, wie man sie von Antifa-Demonstrationen und Klimaprotestcamps kennt. Sie ertönen allerdings nicht in ihrer ursprünglichen Form, sondern als künstlich generierte Vogelrufe.
Die Kunstinstallation, über die die Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) zuerst berichtet haben, stammt vom Frankfurter Künstler Dennis Siering, dessen Installation „Radical Climate Action Bird“ – übersetzt in etwa: „Radikaler Klimaschutzvogel“ – jetzt in den Karlsruher Schlossgarten platziert wurde.

Die Installation Dennis Sierings verschreibt sich antifaschistischem Widerstand im öffentlichen Raum. (Quelle: City of Media Arts/Stadt Karlsruhe)
Das Werk ist Teil einer breiteren Schau mit elf Medienkunst-Objekten, die die Stadt als „City of Media Art“ parallel zu den Schlosslichtspielen ausstellt. Dazu zählen etwa auch ein schwebender Spiegel über dem Karstadt-Gebäude, ein rotierendes Rasenstück im Botanischen Garten oder eben dieser verborgene Lautsprecher: Die Kunst sucht die Passanten auf, statt sie ins Museum zu locken, heißt es in dem Bericht über die unkonventionelle Kunst in der badischen Stadt. In Karlsruhe feiern die antifaschistischen Vögel Sierings ihre Premiere.
Wie Daniela Burkhardt vom städtischen Kulturamt erläutert, setze Siering darauf, dass die lokalen Vögel die Protestmelodien übernehmen und sie bald selbst vortragen. „Vögel ahmen zum Beispiel auch Stadtgeräusche nach, das ist ein ganz natürliches Verhalten“, so Burkhardt. Derzeit können Spaziergänger und Gefiederte im Karlsruher Grün Fragmente von „Bella Ciao“ oder den Schlachtruf „Alerta, Alerta“ in Vogelform lauschen. Der Künstler, so heißt es, habe dafür monatelang experimentiert – mit Erfolg, insbesondere bei lernbegabten Arten wie Amseln, die er zur akustischen Botschafterin des Widerstands machen möchte. Eine Anfrage über den gesamten Liederkanon ließ die Stadt Karlsruhe bis zur Veröffentlichung des Artikels unbeantwortet.

Die Amsel gilt als besonders lernfähiger Vogel – und könnte schon bald in Karlsruhe linke Widerstandshymnen zwitschern.
Mit Vogellauten im Kampf gegen aufkeimenden Nationalismus
Für das Projekt kooperierte der Künstler Siering mit Fachleuten aus Ornithologie, Bioakustik, Audiodesign und Künstlicher Intelligenz. Der Künstler, der auch schon Mikroplastik-Installationen umgesetzt hat, um für das Thema Klimaschutz zu sensibilisieren, gehe es um den „Dialog zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Wesen“ sowie die „Verschränkung von Technik und Umwelt“. Ein weiterer Aspekt ist ihm essenziell: „Gleichzeitig ist die Installation eine kritische Auseinandersetzung mit dem Wiederaufleben nationalistischer und neofaschistischer Ideen“, heißt es auf der Website des Projekts.
Eine weitere Besonderheit: Die gesamte Vogelkunst in Karlsruhe laufe mit Solarenergie; die Paneele seien ebenfalls im Baum verborgen. Ursprünglich bis zum Abschluss der Schlosslichtspiele am 14. September vorgesehen, könnte die Installation aber länger bleiben: Es gebe „schon Diskussionen, ob sie dauerhaft in Karlsruhe im öffentlichen Raum bleiben kann“, so Burkhardt vom Kulturamt. Eine Anfrage zu den eingesetzten Vogelarten für die Installation sowie den angefallenen Kosten ließ die Stadt bis zur Veröffentlichung dieses Artikels unbeantwortet.
Die umgewandelten Protestsongs ertönen – unterbrochen von kurzen Pausen – täglich von 8:00 bis 11:00 Uhr aus dem Baum im Schlossgarten. Bei genügend Sonnenlicht für die Solarpanels könnten die Widerstandsvögel auch abends singen, dafür gebe es laut BNN einen Timeslot zwischen 18:30 und 20:00 Uhr.
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