Wenn Linke gegen Linke demonstrieren: Wie der Nahostkonflikt die Antifa-Szene in Leipzig spaltet
Ein Beitrag von
Marc SierzputowskiAm kommenden Samstag steht der Leipziger Stadtteil Connewitz im Fadenkreuz. Zwei Gruppen, die sich selbst zur linksradikalen Szene zählen, gehen dabei aufeinander los. Im Vordergrund stehen die linksradikale Gruppierung Handala (Migrantifa), die sich mit Palästina solidarisiert, und die Gruppe der „Antideutschen“, die bedingungslose Solidarität mit Israel fordert. Gegenseitig bezichtigt man sich des Faschismus. Am Wochenende werden knapp 1000 Polizisten in Connewitz im Einsatz sein.

Graffiti im Stadtteil Connewitz: „Bomb Gaza“ steht auf einer Hauswand.
Tritt die Migrantifa in die Fußstapfen der Hooligans?
Der Leipziger Stadtteil Connewitz brodelt. Im Vorfeld der geplanten Demonstrationen am „Connewitzer Kreuz“ kam es bereits zu mehreren Übergriffen auf Mitglieder beider Gruppen. Brisant ist vor allem der Zeitpunkt der Demonstration: Ziemlich genau vor zehn Jahren griffen Hunderte rechtsradikale Hooligans den Stadtteil an und zerstörten Läden und Kulturzentren und zündeten Brandsätze gegen Linke. Nun kündigen propalästinensische Antifas an, den Stadtteil „auseinandernehmen“ zu wollen. Die Gruppierung, die sich mit den Palästinensern solidarisiert, heißt „Handala“ und taucht in mehreren Verfassungsschutzberichten des Landes Sachsen auf.

Der Verfassungsschutzeintrag des Vereins „Handala e.V.“
Terrorverharmlosung von Handala?
Nach Einschätzung des sächsischen Verfassungsschutzes testet Handala regelmäßig die Grenzen des Sag- und Machbaren. Sowohl der Verein als auch die Gruppierung werden dem auslandsbezogenen Terrorismus zugeordnet. Im Bericht des sächsischen Verfassungsschutzes heißt es: „Handala e. V. machte kurz nach dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 medial auf sich aufmerksam, da der Verein auf seinem Instagram Account in Anspielung auf die Hamas Terrorkämpfer die Comicfigur Handala mit einem Fallschirm postete. Nach öffentlicher Kritik an dieser Darstellung wurde der entsprechende Beitrag gelöscht.“

Der terrorverharmlosende Post von Handala auf Instagram
Neben Schmierereien an Hauswänden und Drohungen durch die beiden verfeindeten linken Gruppierungen, kommt es auch immer wieder zu gewaltsamen Übergriffen aufeinander.
Hier überfallen maskierte Antideutsche eine kleine Gruppe von Palästina-Sympathisanten vor einem Uni-Campus in Leipzig:
Linken-Politikerin und Kulturzentrum als Hauptziel
Als Reaktion auf die Dominanz antideutscher Gruppen in Connewitz mobilisieren Handala und die sogenannten „Students for Palestine“ nun zahlreiche Unterstützer, die Connewitz aufmischen sollen. Hauptziel der Großdemonstration wird das autonome Kulturzentrum „Conne Island“. Das letzte Mal war das Kulturzentrum in den Schlagzeilen, als die AfD in Sachsen versuchte, staatliche Fördermittel für das Zentrum zu streichen. Das „Conne Island“ wurde im vergangenen Jahr mit über 250.000 Euro an Steuermitteln gefördert. Das geht aus einem Dokument der Stadt Leipzig hervor.
Auch die Abgeordnete Juliane Nagel (Die Linke) soll mit der Demonstration adressiert werden. Laut Handala solidarisierte sich Nagel in der Vergangenheit mit gewaltsamen Aktionen gegen palästinasolidarische Projekte und Personen. Grund genug, um am Samstag ihr Büro aufzusuchen.
Prominente (Rechts-)Unterstützung

Ferhat Sentürk, vergangenes Jahr auf einer von seiner Demonstration gegen Linksextremismus. Jetzt mittendrin.
Die migrantische Antifa und Handala werden dabei von einem prominenten Einpeitscher unterstützt: Ferhat Sentürk, einst Rädelsführer einer rechtsradikalen Gruppierung, die bundesweit zu Demonstrationen gerufen hatte, wechselt jetzt die Seiten. Sentürk entdeckte die palästinensische Szene als sein Zuhause und verließ die glatzköpfigen Einöden Ostdeutschlands. Dafür wendet er sich jetzt der Migrantifa zu, und wirbelt in den sozialen Medien ordentlich Staub auf. Ein gefundenes Fressen für die antideutsche Antifa-Szene vor Ort. Diese weiß jetzt, dass irgendwo unter den Demonstranten vor dem „Conne Island“ ein ehemaliger Rechter rumläuft.
Radikalisierung der linken Szene in Connewitz

Graffiti in Connewitz
So radikalisiert sich die linke Szene gegenseitig. Auch Lokale bleiben von der Gewalt nicht verschont. Erst vor wenigen Tagen, sollen Kinder (zehn und elf Jahre alt) in einem jüdischen Café in Leipzig randaliert, israelische Fahnen heruntergerissen und palästinensische Parolen gerufen haben. Derweil läuft im Stadtteil Connewitz ein regelrechter Graffiti-Krieg mit Drohungen und Ankündigungen für den 17. Januar. Insgesamt werden knapp 1.000 Polizeibeamte im Einsatz sein, um die beiden Lager voneinander zu trennen.
Sehen Sie auch das NIUS Original:
Gießen-Krawalle: Undercover bei der Antifa!
Weitere Artikel zum Thema
Studie: Fast jeder zweite Bürgergeld-Empfänger sagt, Jobcenter-Termin „bringt nichts“ – 88 Prozent der Arbeitslosen haben mindestens ein „Vermittlungshemmnis“
Streit zwischen Merz und Trump wegen Einsatz in der Straße von Hormus eskaliert
Verdi kündigt Nahverkehr-Streiks am Donnerstag in mindestens fünf Bundesländern an
Ehemaliger BND-Vize von Loringhoven fällt auf simplen Betrug herein – und schiebt es den Russen in die Schuhe
Rheinmetall-Chef Armin Papperger: „Fast niemand in Europa hat genügend Munition“
Schwerer Unfall bei Rostock: Meck-Pomm-Wirtschaftsminister Wolfgang Blank im Krankenhaus
15-Jähriger stirbt nach Gewalt-Eskalation vor Supermarkt in Eckernförde
Marc Sierzputowski
Autor
Artikel teilen
Kommentare