Das Märchen von der Zunahme der Naturkatastrophen
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Eine uralte Mär wird immer wieder neu erzählt. Zum Beispiel mit Schlagzeilen wie dieser: „Fünfmal so viele Naturkatastrophen wie in den Siebzigerjahren“, meldete der Spiegel – der Klimawandel verstärke Wetterkatastrophen. Die Zahlen gehen auf das Centre for Research on the Epidemiology of Disasters (CRED) in Belgien zurück, das in seiner Emergency Events Database (EM-DAT) Daten über Naturkatastrophen sammelt. Doch das Institut kommt zu ganz anderen Schlüssen als der Spiegel und andere Medien, berichtet die Welt.
Das CRED begann 1988 mit der Veröffentlichung von EM-DAT-Statistiken. Zwar zeigen die Grafiken einen deutlichen Anstieg von Naturkatastrophen – allerdings dokumentieren sie nicht die tatsächliche Häufigkeit, sondern lediglich ihre gemeldete Zahl. Früher trafen nur spärlich Berichte ein. Für die gesamte Sowjetunion beispielsweise weist die Datenbank in den 60 Jahren von 1920 bis 1980 lediglich fünf Wetterkatastrophen aus, danach häuften sich die Meldungen. Allein von 1981 bis 1983 registrierte EM-DAT in drei Jahren sieben Desaster innerhalb der UdSSR.
Hassmails, weil die Katastrophen nicht zunehmen
Es wäre irreführend, den Aufwärtstrend bei Wetterkatastrophen und die Auswirkungen im Wesentlichen durch den Klimawandel zu rechtfertigen, erklärte das CRED bereits in seinem Sachstandsbericht 2007: „Der Anstieg des Auftretens und der Auswirkungen hydrometeorologischer Katastrophen im Wesentlichen mit dem Klimawandel zu begründen, wäre irrführend“. Erst seit der Jahrtausendwende seien die EM-Daten verlässlich, denn mittlerweile kommen selbst aus abgelegenen Regionen Belege per Handyfoto. Seither zeigen die Grafiken jedoch keinen Anstieg von Wetterkatastrophen mehr. „Wir haben auf Pressekonferenzen gesagt, dass es keinen Anstieg gegeben hat“, sagte CRED-Forscherin Debarati Guha-Sapir. „Doch wir bekommen Hassmails, weil unsere Daten nicht zeigen, dass Katastrophen zunehmen. Niemand möchte gute Nachrichten.“

Debarati Guha-Sapir sieht in ihren Statistiken keinen Anstieg von Naturkatastrophen – im Gegenteil.
Die Weltbevölkerung hat sich seit Ende des 19. Jahrhunderts vervierfacht, entsprechend größer sind Siedlungen und damit das Potenzial für Zerstörungen bei Wetterextremen. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit, wegen einer Wetterkatastrophe zu sterben, dramatisch gesunken – bessere Vorhersagen, Bauweisen und Infrastruktur haben die Anfälligkeit massiv reduziert.
Besonders gefährlich war das Wetter in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Allein Mitte der 1870er-Jahre starben mehr als 50 Millionen Menschen im Zusammenhang mit Wetterextremen, also rund vier Prozent der damaligen Weltbevölkerung.
Es ist eine der größten Erfolgsgeschichten der Menschheit: Trotz der seit Beginn des 20. Jahrhunderts vervierfachten Weltbevölkerung und zunehmender globaler Erwärmung ist die Wahrscheinlichkeit, wegen einer Wetterkatastrophe zu sterben, um mehr als 95 Prozent gesunken. Die um Inflation und Wertzuwachs bereinigte Statistik der Versicherungsschäden von Wetterextremen offenbart sogar einen abnehmenden Trend – ein Klimatrend lässt sich aus den Versicherungsschäden nicht ablesen.
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