Maras mutmaßlicher Mörder festgenommen: Der Tannenbaum-Händler zog vor 7 Jahren einen Jungen ins Auto
Dieser Mann ist gefährlich: Andreas Becker aus Kirchdorf (Niedersachsen) soll am Sonntagabend die 17-Jährige Mara H. getötet und in der Nacht auf Mittwoch eine 30-jährige Frau schwer verletzt haben. In beiden Fällen habe der 42-Jährige mit einem Messer auf die beiden Opfer eingestochen.
Die Polizei hat am Mittwochmittag den Bauernhof, auf dem Becker mit seinen Eltern lebt, gestürmt – und den Tatverdächtigen dort nicht vorgefunden.
Nach einer Großfahndung wurde Beckers PKW an der A7 bei der Abfahrt Schwarmstedt gesichtet. Der Tatverdächtige wurde widerstandslos von der Polizei festgenommen.
Tagelang suchten die Beamten nach dem Mann, der als Tannenbaum-Händler sein Geld verdiente – seit Mittwoch sogar mit Klarnamen und Foto. Es wurde ausdrücklich gewarnt: „Nach derzeitigem Ermittlungsstand hat er seine Opfer zufällig ausgewählt und diese unkontrolliert attackiert. Andreas Becker ist als gefährlich einzustufen. Bei Sichtung des Tatverdächtigen oder des mitgeführten PKW bitte umgehend die Polizei informieren und nicht an die Person herantreten.“
NIUS ist vor Ort in Kirchdorf. Der Hof, auf dem Becker lebt, ist nur sieben Minuten vom Ort entfernt, an dem Mara H. tot aufgefunden wurde. Das Mädchen war mit Inlineskatern unterwegs und wurde mit Stichwunden im Hals im Straßengraben neben einem Feldweg entdeckt. Becker ist alleinstehend und gilt im Ort als Einzelgänger. Eine ehemalige Klassenkameradin sagt zu NIUS: „Er ist distanziert und einsam, schon zu Schulzeiten hatte er eher wenige Freunde.“ Der Hof hat ein großes Silo und eine angrenzende Tannenbaumzucht. Ein Artikel in der Kreiszeitung zeigt ein Familienfoto unter der Überschrift: „Die Weihnachtsbaumzüchter“. Der Vater erzählt, dass die Familie Shropshire-Schafe züchtet, die das Unkraut zwischen den Tannenbäumen jätet.
Becker soll viel Zeit alleine im Wald verbracht haben.

Mit diesem Foto fahndet die Polizei nach Andreas Becker

Tannenbaumzucht am Ortsrand: Hier lebt und arbeitet der mutmaßliche Killer
Einzelgänger ja, aber nicht isoliert: Der 42-jährige war Mitglied im Schützenverein und auch in der Freiwilligen Feuerwehr, in der auch die tote Mara H. aktiv war. Die Polizei sagt, dass Becker seine beiden Opfer zufällig ausgewählt habe – was ihn noch einmal gefährlicher macht.
In einem Bericht von 2014 heißt es, dass die Familie Blaufichte und Nordmanntannen „rechtzeitig vor dem Weihnachtsfest“ auf dem Hof in Kirchdorf anbiete, „auch zum Selbstschlagen“. Zwischen den Bäumen seien die 20 Shropshire Schafe, die die Familie züchte.
„Ich weiß nicht, ob ich den Jungen vergewaltigt hätte“
NIUS erfuhr: Der Mann ist vorbestraft. Becker wurde nach einem Vorfall im Juni 2016 nach NIUS-Informationen in einem Sexualstrafdelikt mit einer Bewährungs- und Geldstrafe belegt. Auf der Gemeindehomepage seines Heimatortes ist der Fall nachzulesen: „Wegen versuchten sexuellen Missbrauchs eines Jugendlichen, Freiheitsberaubung und Körperverletzung ist der 36-jährige Kirchdorfer (Landkreis Diepholz) zu einer 18-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Er muss außerdem 1000 Euro an die Stiftung Opferhilfe zahlen und eine bereits begonnene Therapie fortführen.“
Weiter heißt es über den Fall: „Am Abend des 5. Juni 2016 hatte der Kirchdorfer den Jungen im Bereich „Krumme Bank“ in Darlaten vom Fahrrad gezerrt, ihn auf den Beifahrersitz seines Autos geschubst und war mit ihm davon gefahren, um ,ein bisschen zu kuscheln‘ – das hatte er dem Jungen gesagt, als dieser ihn gefragt hatte, was denn nun mit ihm passieren würde. Weil der Mann an der Bundesstraße 61 verkehrsbedingt halten musste, konnte sich sein Opfer befreien. Die Polizei veröffentlichte wenig später ein Phantombild und gab außerdem Details zum Tatfahrzeug bekannt, woraufhin der Mann gefasst wurde.“
Die Staatsanwältin zitierte bei dem damaligen Verfahren aus dem Bericht der polizeilichen Vernehmung vom 24. Juni 2016. „Ich weiß nicht, ob ich den Jungen nicht vergewaltigt hätte“, heißt es darin. Schon damals hieß es, Einsamkeit sei „das Hauptproblem seines Lebens“ gewesen.
Im Ort äußern sich am Mittwoch viele Menschen im Gespräch mit NIUS fassungslos darüber, dass der Mann nach dem Vorfall 2016 nicht härter bestraft wurde.

Trauer um Mara H.: Eindrücke vom Abschiedsgottesdienst

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Die Staatsanwaltschaft wollte den Zusammenhang auf NIUS-Anfrage nicht kommentieren.
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