Terrorverdacht: Bundesanwaltschaft ermittelt nach Angriff in Bielefeld
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Nach der blutigen Messerattacke vor einer Bar in Bielefeld hat der Generalbundesanwalt die Ermittlungen an sich gezogen. Die Bundesanwaltschaft geht inzwischen von versuchtem Mord in mehreren Fällen aus – und von einem islamistisch motivierten Anschlag auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung. Der mutmaßliche Täter: ein syrischer Staatsangehöriger mit möglichem Islamistenhintergrund, der erst wenige Monate zuvor als subsidiär Schutzberechtigter nach Deutschland kam. Nun wurde er in Heiligenhaus bei Düsseldorf festgenommen. Was über den Mann, seine Vorgeschichte und die Tat bekannt ist – und welche Hinweise auf eine mögliche Radikalisierung deuten.
Bei dem Festgenommenen handelt es sich mit an „Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ um den gesuchten Mahmoud Mhemed, wie ein Sprecher der Polizei mitteilte.
Das ist nach neuesten Ermittlungen über den Attentäter bekannt: Im August 2023 reiste Mhemed über die Türkei, die Balkanroute und Tschechien nach Deutschland ein, ohne unterwegs einen Asylantrag zu stellen. Am 29. November 2023 wurde der syrische Staatsbürger dem Kreis Gütersloh zugewiesen. Am 21. Dezember 2023 erhielt er vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge den subsidiären Schutzstatus. Bereits am 22. Februar 2024 erweiterte die Ausländerbehörde Gütersloh diesen Status und erteilte ihm eine befristete Aufenthaltserlaubnis bis Februar 2027.
Und: Mhemed stammt aus Al-Raqqa, einer Stadt im Norden Syriens, die als Hochburg der Terrororganisation „Islamischer Staat“ gilt! Schon kurz nach der Festnahme wird zudem bekannt: Die Sicherheitsbehörden prüfen Verbindungen des Tatverdächtigen zur islamistischen Szene. Auch ein Einschalten des Generalbundesanwalts steht im Raum. Noch heute werden weitere Erkenntnisse erwartet.
Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Bielefeld bekräftigte, dass die Ermittlungen liefen und in „alle Richtungen“ ermittelt werde. Die Staatsanwaltschaft wolle sich möglicherweise am heutigen Dienstag näher äußern.
Zuvor hatte es am Montagabend nach Polizeiangaben an zwei Orten in Heiligenhaus einen SEK-Einsatz im Zusammenhang mit der Tat gegeben. Zudem waren die Ermittler zu einem weiteren Einsatz im benachbarten Velbert ausgerückt, der ebenfalls mit dem Angriff von Sonntag in Verbindung stehe.

Mahmoud M. im Polizeiwagen
Wie die Welt berichtet, wurde Mhemed in einer Wohnung in Heiligenhaus festgenommen, die einem Verwandten gehört. Offenbar sei er dort eingebrochen, ohne dass der Angehörige davon wusste. In der Nähe des Tatorts seien nach Angaben der Zeitung mehrere Messer sowie ein Rucksack gefunden worden, in dem sich Ausweisdokumente und ein Behälter mit benzinartigem Geruch befanden.
Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul habe sich laut Welt nach der Festnahme erleichtert gezeigt und den Ermittlern für ihre intensive Spurensuche unter großem öffentlichen Druck gedankt. Die Festnahme könnte auch politisch für Entlastung gesorgt haben: Nach einem vergleichbaren Angriff in Solingen im August 2024 habe insbesondere die grüne Fluchtministerin Josefine Paul unter Rechtfertigungsdruck gestanden.
Nach Informationen der Welt versuchen die Ermittler derzeit, das Motiv des Täters zu klären. In seiner Unterkunft seien Bücher über den Islam gefunden worden, die jedoch laut einem hinzugezogenen Islamwissenschaftler keine dschihadistische oder IS-nahe Ausrichtung hätten. Daneben seien auch Fotos entdeckt worden: Ein Bild eines Hisbollah-Führers sowie ein Porträt von PKK-Anführer Abdullah Öcalan. Beide Organisationen gelten als Terrorgruppen, seien jedoch weder ideologisch noch organisatorisch mit islamistischen Netzwerken wie dem IS verbunden.
Zudem soll in der Unterkunft die Telefonnummer eines Mannes aus dem Kreis Gütersloh gefunden worden sein, der den Sicherheitsbehörden als Islamist bekannt sei. Ob es sich dabei um eine ideologische Verbindung oder um einen anderen Kontakt handle, sei bislang offen, heißt es laut Welt aus Sicherheitskreisen. Zusätzlich könnte er auch Kontakte zum Umfeld zweier Personen haben, gegen die in der Vergangenheit Verfahren wegen Terrorismus liefen, berichtet die Bild.
Auch die Aussagen von Zeugen und Weggefährten zeichnen laut Welt ein uneinheitliches Bild: Während einige von einer plötzlichen Radikalisierung berichteten, sagten andere, es habe keine Auffälligkeiten gegeben. Ein Mitbewohner aus der Unterkunft in Harsewinkel habe gegenüber Welt TV gesagt, Mehmed habe häufig mit Personen gesprochen, die seiner Einschätzung nach vom IS seien. Auch habe er immer wieder über Krieg, Töten und politische sowie religiöse Themen gesprochen. Die Neue Westfälische berichte ergänzend, Mehmed habe sich über TikTok regelmäßig mit Kontakten in Syrien, Irak und Ägypten ausgetauscht, wobei es häufig um das „Töten“ gegangen sei.
Sicherheitsexperten warnten laut Welt jedoch davor, vorschnelle Schlüsse zu ziehen. Zwar gebe es klare Hinweise auf religiös-extremistische Tendenzen, ein geschlossenes islamistisches Weltbild lasse sich aber bisher nicht erkennen. Möglich sei auch eine psychische Beeinträchtigung. Zudem solle Mehmed am Tattag laut Sicherheitskreisen alkoholisiert gewesen sein.
Nach Recherchen der Bild habe ein früherer Mitbewohner berichtet, Mhemed habe sich etwa sechs Monate vor der Tat stark verändert. Er habe ständig über Terrorismus und Töten gesprochen und den Wunsch geäußert, sich dem IS anzuschließen und nach Syrien in den Krieg zu ziehen. Der Mann, der ebenfalls aus Syrien stammt, habe gegenüber Bild aus Angst um seine Sicherheit anonym bleiben wollen.
Laut Welt könnten Hinweise auf ein Mobiltelefon weitere Aufklärung bringen. Allerdings sei bislang kein Gerät sichergestellt worden. Möglicherweise habe der Tatverdächtige es bewusst entsorgt, um Spuren zu vernichten. Das bleibe jedoch Spekulation.
Einige Zeugen sagten laut Sicherheitskreisen, Mhemed habe während der Tat „Allahu akbar“ gerufen. Andere Zeugen hätten das nicht gehört. Auch dadurch bleibe das Gesamtbild diffus. Warum der Täter ausgerechnet eine Kneipe voller feiernder Fußballfans mitten in der Nacht angriff, obwohl dort mit Widerstand zu rechnen war, sei ebenso unklar. Ein zielgerichtetes, durchorganisiertes Vorgehen – etwa unter Anleitung einer Terrororganisation – lasse sich laut Welt bislang nicht erkennen.
Die Betreiber der Bar „Cutie“ dankten derweil laut Welt in den sozialen Medien insbesondere einem jungen Mann, der sich dem Täter entgegenstellte und dabei lebensgefährlich verletzt wurde. Ohne ihn, so der Eindruck der Betreiber, hätte es vermutlich noch mehr Opfer gegeben.
Mehr lesen: Was kümmert ihn der Anschlag? Bielefeld weint, Wüst jubelt!
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