Lydia S. (39) wurde am Tag vor Bluttat aus Psychiatrie entlassen – Im Februar soll sie ein sechsjähriges Mädchen angegriffen haben
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In Turnschuhen und Sporthose wird sie abgeführt, in einem Video ihrer Festnahme, das im Netz kursiert, ist zu hören, dass sie einen der Polizisten angeht: „Lass mich!“ Die 39-jährige Lydia S. ist die mutmaßliche Messerstecherin von Hamburg. 18 Menschen hat sie dort am Bahnhof brutal niedergestochen. Nun berichtet die Bild: Erst am Tag vor der Bluttat wurde sie aus der Psychiatrie entlassen.
Am Samstag wurde sie einem Haftrichter vorgeführt, der sie erneut in eine Klinik einweisen ließ. Der Unterbringungsbefehl lautet auf versuchten Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung in 15 Fällen.
„Der Unterbringungsbefehl bezieht sich auf die Personen, die unmittelbar mit dem Messer verletzt wurden und dadurch Schnitt- oder Stichverletzungen unterschiedlicher Schwere erlitten haben“, erklärte die Polizei in ihrer Mitteilung.
Laut Bild war die gebürtige Braunschweigerin Lydia S. bis 22. Mai in einer Fachklinik in Bremerhaven untergebracht – für vier Tage. Sie soll unter paranoider Schizophrenie leiden. Bei dem Krankheitsbild leiden die Betroffenen unter Halluzinationen und Wahnvorstellungen.
Bereits im Februar 2025, berichtet Bild weiter, soll Lydia S. am Flughafen Hamburg im Terminal 1 ein sechsjähriges Mädchen angegriffen haben. Wegen des Vorfalls läuft ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung gegen sie.
Einen weiteren Vorfall soll es laut Bild im psychiatrischen Hamburger Krankenhaus Ochsenzoll gegeben haben: Auf der Station, wo sie im März 2025 untergebracht war, soll sie ebenfalls eine Körperverletzung begangen haben. Wo die 39-Jährige zwischen den Klinik-Aufenthalten war, ist unklar, sie gilt als wohnsitzlos.
Die Amok-Angreiferin soll polizeibekannt sein und bereits mehrere Aufenthalte in der Psychiatrie hinter sich haben. Die Mordkommission hat die Ermittlungen aufgenommen.
Am Hamburger Hauptbahnhof auf dem Bahnsteig 13/14 hatte sie mit einem Messer wahllos auf Menschen eingestochen, 18 Menschen im Alter von 19 bis 85 Jahren wurden verletzt! Wie Bild berichtet, soll es nur deshalb nicht noch mehr Opfer geben, weil zwei mutige Passanten sie stoppten: Bei den beiden handelt es sich um einen Syrer und einen Tschetschenen.

Gegenüber NIUS bestätigte die Polizei:
- Vier Personen wurden lebensbedrohlich verletzt
- Sechs Personen wurden schwerverletzt
- Acht Personen erlitten leichte Verletzungen.

Ein Großaufgebot an Rettungskräften und Polizeikräften raste am Freitag zum Einsatzort. Die Steintorbrücke südlich des Bahnhofs war stundenlang voll gesperrt. Eine Reporterin des Hamburger Abendblatts berichtete: „Hier ist Polizei, so weit das Auge reicht.“ Der Steintordamm neben dem Bahnhof glich laut Augenzeugen einem Lazarett.
Nach NIUS-Informationen sollen drei Personen vor Ort reanimiert worden sein.
Zum Ablauf der Tat sagte Polizeisprecher Florian Abbenseth, es seien mehrere Notrufe eingegangen. Die sogenannte Quattrostreife – das sind je ein Beamter von Bundes- und Landespolizei sowie Mitarbeiter von DB-Sicherheit und Hochbahnwache – sei schnell vor Ort gewesen und habe die 39-Jährige festgenommen.

„Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse gehen wir davon aus, dass sie allein gehandelt hat“, schrieb die Polizei bei X. „Die Ermittlungen zu den Hintergründen laufen auf Hochtouren.“

Sie sei eine Deutsche, es werde geprüft, ob sie sich in einem psychischen Ausnahmezustand befunden habe, sagte ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur. Er fügte hinzu: „Nach einer ersten Videosichtung gehen wir davon aus, dass die Frau allein gehandelt hat.“

Ein ICE wird von Ermittlern ebenfalls untersucht.

Nach NIUS-Informationen ereignete sich der Messerangriff auf Gleis 13 des Hamburger Hauptbahnhofs kurz vor der Abfahrt des RE 4 auf dem Weg nach Bremen. Der ICE 885 an Gleis 14 wurde auf Anordnung der Bundespolizei geräumt und beschlagnahmt, berichtet die Hamburger Morgenpost.


Die Deutsche Bahn informiert ihre Fahrgäste: „Ein Polizeieinsatz beeinträchtigt den Zugverkehr im Bereich Hamburg Hbf. In der Folge kommt es zu und kurzfristigen Gleisänderungen, Verspätungen und Teilausfällen.“

Spurensicherung am Tatort



Großaufgebot an Rettungskräften
Eine junge Zeugin berichtet im Hamburger Abendblatt: „Ich hatte zum Glück keine Kopfhörer drin, deswegen habe ich mitbekommen, wie alle angefangen haben zu schreien. Und dann sind alle weggerannt.“

Merz telefoniert mit Hamburger Bürgermeister
Der Bundeskanzler hat sich am Freitagabend mit dem Ersten Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg zum Messerangriff am Hauptbahnhof ausgetauscht. Peter Tschentscher informierte den Bundeskanzler über die Versorgung der Verletzten und die Situation vor Ort. Merz nannte die Nachrichten aus Hamburg bestürzend und sagte: „Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen.“ Außerdem sprach er seinen Dank an alle Einsatzkräfte vor Ort für ihre schnelle Hilfe aus.

Der Großraumrettungswagen der Feuerwehr Hamburg ist ebenfalls im Einsatz.
Stark besuchter Verkehrsknotenpunkt
Der Hamburger Hauptbahnhof gehört zu den am stärksten frequentierten Verkehrsknotenpunkten in Deutschland. Im freitäglichen Feierabendverkehr herrscht dort regelmäßig dichtes Gedränge.
Polizeigewerkschaft: Bedrohung für Leib und Leben jeden einzelnen Tag
Manuel Ostermann, stellvertretender Bundesvorsitzender der DPolG Bundespolizeigewerkschaft, äußert sich nach dem Messerangriff bestürzt. „Wir haben hier ein Problem. Und zwar genau mit bestialischen Gewalttaten gegen Leib und Leben“, sagt der Experte bei NIUS.
Man dürfe nicht nur über Klingenlängen oder Messerverbotszonen reden, sondern man müsse auch Täterprofile analysieren. „Dass zunehmend auch im Bereich der Jugendkriminalität wir auf dieses Tatmittel Messer zurückblicken müssen und auch in allen gesellschaftlichen Formen auf dieses Tatmittel Messer zurückblicken müssen, ist auch ein Ausfluss aus dem schwachen Staat, weil Politik über Jahrzehnte hinweg die soziale Infrastruktur hat kaputtsparen lassen.“
Messer im Hauptbahnhof verboten
Der Hamburger Hauptbahnhof zählte laut Bundespolizei im Jahr 2022 zu den gefährlichsten Bahnhöfen in Deutschland. Inzwischen hat sich die Lage nach offiziellen Angaben verbessert.
Die Zahl der Gewalttaten sank am Bahnhof um knapp ein Viertel (24,2 Prozent) von 720 im Jahr 2023 auf 546 im vergangenen Jahr, wie die Bundesregierung im Februar auf eine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion mitteilte. Allerdings verdoppelte sich die Zahl der Gewalttaten, bei denen ein Messer eingesetzt wurde, fast von 12 auf 23 Fälle.

Mehr als 30 Einsatzfahrzeuge versammelten sich an der Südseite des Hamburger Hauptbahnhofs.
Seit dem 1. Oktober 2023 sind Messer im Bereich des Hamburger Hauptbahnhofs verboten, seit Mitte Dezember 2024 gilt ein solches Verbot auch im gesamten Hamburger Nahverkehr. Der Hauptbahnhof wird täglich von mehr als 500.000 Menschen frequentiert, so viele wie an keinem anderen deutschen Bahnhof.
Lesen Sie auch das Interview mit Wolfgang Büscher von „Die Arche“: „Viele haben ihr Messer in der Tasche wie ein Handy“
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