Mit FTI versinken 500 Millionen Euro Steuergeld: ... und im Vorstand war ein verurteilter Betrüger
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- Der Urlaubs-Veranstalter FTI Touristik ist pleite.
- Mit dem Unternehmen gehen auch mehr als 500 Millionen Euro Steuergeld verloren. Die Hilfen hatte das Unternehmen in der Corona-Zeit erhalten.
- Damals im Vorstand: ein vorbestrafter Betrüger.
Insolvenz kostet den Steuerzahler mehr als 500 Millionen Euro
Während der Corona-Zeit erhielt FTI aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfond (WSD) rund 600 Millionen Euro Hilfe. Damit war man der viertgrößte Empfänger von Corona-Hilfen (nach Lufthansa, TUI und Galeria). Bisher konnte FTI jedoch nur rund 42 Millionen Euro zurückzahlen.
„Es muss davon ausgegangen werden, dass nur geringe Rückflüsse aus den noch offenen Forderungen zu erwarten sind“, erklärt ein Sprecher aus dem Finanzministerium. Bedeutet: Mehr als 500 Millionen Euro Steuergeld sind futsch!
Ehemaliger Vorstand und Aufsichtsrat war bereits im Konflikt mit dem Gesetz
Rückblick 2018: Fahnder fuhren mit zahlreichen Fahrzeugen an der Münchener Konzernzentrale von FTI vor. Sie durchsuchten das Gebäude – es wurde, so berichtet das Handelsblatt, wegen möglichen Betrug rund um Werbekampagnen in der Türkei ermittelt. Damals im Visier: Ralph Schiller, der trotz der Vorfälle 2021 zum CEO befördert wurde. Inmitten der Krise wechselte Schiller dann 2023 in den Aufsichtsrat.
Kurz vor seinem Positionswechsel kam heraus: Bereits 2020 wurden einige Manager wegen Betrugs verurteilt. Ein Gericht verhängte per Strafbefehl gegen Schiller eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten wegen Betrugs.
Wettbewerb wittert neues Geschäft
Erste Wettbewerber bringen sich bereits in Stellung: Europas größter Reiseveranstalter TUI hat angekündigt, das eigene Angebot auszubauen und wirbt mit Rabatten und einem befristeten Verzicht auf Anzahlungen um Kunden des Konkurrenten. „Wir werden unsere Kontingente aufstocken“, berichtet ein TUI-Sprecher. Sowohl bei Hotelbetten als auch bei Flugsitzen wollen man zulegen und Kapazitäten des insolventen Konkurrenten übernehmen. „Die Kapazitäten werden ja jetzt frei.“

Urlauber werden wohl nicht stranden – ein Sicherungsfond springt ein.
Branche arbeitet an Schadensbegrenzung
Für die Branche ist es der größte Rückschlag nach der Pleite von Thomas Cook 2019. „Es ist wichtig, dass die anderen Anbieter jetzt dafür sorgen, das Vertrauen wiederherzustellen“, betont der TUI-Sprecher. Anders als bei Thomas Cook gebe es inzwischen aber den Deutschen Reisesicherungsfonds, der die Ausfälle absichert. Urlauber können daher bei Pauschalreisen von der Erstattung ihrer Zahlungen ausgehen.
Anders als FTI haben Tui und der Branchenzweite DER Touristik die Corona-Pandemie inzwischen verdaut und profitieren von der wieder anziehenden Reiselust der Deutschen. Im vergangenen Geschäftsjahr vermeldeten beide Konzerne wieder deutlich steigende Buchungszahlen und Zuwächse bei Umsatz und Gewinn. TUI-Chef Sebastian Ebel zeigte sich zuversichtlich, in diesem Jahr weiter zulegen zu können. Bei den Buchungen für den Sommer liege man bereits deutlich über Vorjahresniveau. „Urlaubsreisen haben nach wie vor eine hohe Priorität bei unseren Kunden. Das ist stabiler, als wir gedacht hätten“, so Ebel.
65.000 Urlauber betroffen
In der Branche war zu hören, dass um die 65.000 Urlauber derzeit mit FTI im Ausland unterwegs seien. „Spätestens jetzt zeigt sich, dass wir aus der Pleite von Thomas Cook 2019 die richtigen Lehren gezogen und mit dem Reisesicherungsfonds ein vernünftiges Instrument geschaffen haben“, sagt der tourismuspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Stefan Schmidt. „Daher bin ich zuversichtlich, dass wir die Pleite besser managen werden als die letzte große Pleite in der Tourismusbranche 2019.“
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