Schriftlicher Befehl an die Soldaten: Bundeswehr-Uni verbietet Deutschland-Flaggen am Gebäude
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„Alle Flaggen sind umgehend zu entfernen.“
So lautet der schriftliche Befehl des zuständigen Feldwebels an die Soldaten, die an der Bundeswehr-Universität in Hamburg studieren und wohnen. Die Mail mit dem Betreff „Flaggenparade“ liegt NIUS vor. Das Aufhängen von Flaggen aus den Fenstern oder außen am Wohngebäude sei nicht gestattet, heißt es weiter. Die Wohnebenen-Ältesten sollen dafür sorgen, dass „alle Flaggen sofort entfernt werden“.
Die Soldaten dürfen also keine Deutschland-Flaggen anlässlich der Fußball-EM im eigenen Land aus ihren Stuben hängen. Auch betroffen: französische Kadetten, die zum Austausch in Deutschland sind.

Ein Auszug aus der Befehls-Mail
Die „Flaggenparade“ ist bereits seit Beginn der EM Thema an der Helmut-Schmidt-Universität. Schon vergangene Woche soll das Aufhängen von Flaggen an den Wohngebäuden verboten worden sein, wie ein Bundeswehr-Student berichtet: „Der Buschfunk und Streisand-Effekt taten ihr Übriges, sodass über dieses Wochenende quasi alle bewohnten Gebäude (keine Übertreibung) mit Flaggen verziert waren“, so der Soldat, der anonym bleiben möchte.
Am Montag war dann Schluss mit lustig: Dann kam der schriftliche Befehl des Feldwebels!
Bundeswehr-Uni bestätigt: Flaggen-Befehl ist echt
Die Bundeswehr-Uni in Hamburg bestätigte auf NIUS-Nachfrage die Echtheit des schriftlichen Befehls: „In der Liegenschaft der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg ist es grundsätzlich untersagt, Gegenstände aus den Gebäuden der Liegenschaft zu hängen. Am 1. Juli 2024 wurde durch die militärischen Vorgesetzten der Studierenden bekräftigt, dass dies auch Flaggen betrifft.“
Die skurrilen Begründungen: Zum einen soll ein „sauberes, einheitliches und gepflegtes Äußeres der Wohngebäude innerhalb des militärischen Sicherheitsbereiches angestrebt“ werden. Darüber hinaus soll durch das Flaggen-Verbot Verkehrsunfällen vorgebeugt werden: „Weiter gilt es, aufgrund der aktuellen Wetterlage und der Nähe zu einer öffentlichen Hauptverkehrsader (Rodigallee) vorbeugende Maßnahmen der Unfallverhütung zu treffen, damit unbeaufsichtigt keine Gegenstände auf die öffentliche Straße wehen können“, hieß es wörtlich aus der Pressestelle.
Zusammengefasst: Deutschlandflaggen, die aus den Fenstern hängen, könnten abfallen und wegwehen und so den Verkehr gefährden – und würden ohnehin das ästhetische Bild der Bundeswehr-Liegenschaften stören.

Der Campus der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg von oben
„Soldaten sind Verfassungspatrioten“
Die Bundeswehr-Universität betont, dass es kein grundsätzliches Verbot der Deutschland-Flagge gebe: „Ein sichtbares Anbringen innerhalb der jeweiligen Wohnbereiche und innen an den Fenstern der Wohngebäude ist weiterhin gestattet. Soldaten und Soldatinnen sind durch Treueeid und Überzeugung Verfassungspatrioten und -patriotinnen.“
Von der Innen-Erlaubnis würden die Soldaten und Bundeswehr-Studenten auch rege Gebrauch machen, wie eine Sprecherin mitteilte. Statt aus den Fenstern heraus würden die Flaggen nun von innen an Fenstern oder in Treppenhäusern und Fluren hängen.
Ein Störgefühl bleibt bei (angehenden) Soldaten, die NIUS sprechen konnte, jedoch bestehen: Junge Menschen, die im Konfliktfall mit Deutschland-Flagge auf dem Arm ihr Leben für dieses Land einsetzen sollen, dürfen nicht ungestört mit ebenjener Flagge ihre Freude über ein Fußball-Großereignis ausleben dürfen?
Die Debatte um die Deutschland-Fahnen-Erlaubnis für Staatsdiener wird seit Wochen und im Umfeld der Fußball-EM besonders emotional geführt, weil etwa der Berliner Polizei schwarz-rot-goldene Flaggen untersagt worden sind, während die Kollegen der Bundespolizei ihre Dienstwagen damit stolz schmücken.
Regenbogenflagge hing vor der Bundeswehr-Universität
Umso bemerkenswerter erscheint der „Alle Flaggen sind umgehend zu entfernen“-Befehl angesichts der Tatsache, dass anlässlich des „Christopher Street Days“ (CSD) in Hamburg zusätzlich zur Bundesdienstflagge an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg auch die Regenbogenflagge gehisst wurde. Das bestätigte die Pressestelle und verwies auf die damalige Erlaubnis von Bundesinnenministerin Nancy Faeser.

Die damalige Verteidigungsministerin Christine Lambrecht hatte die Regenbogenflagge auch vor dem Bundesministerium der Verteidigung feierlich hissen lassen.
„Bundesministerin Nancy Faeser erteilte in einem Schreiben an die Bundesministerinnen und Bundesminister vom 06.04.2022 auf Grundlage von Abschnitt IV. Abs. 4 des Erlasses der Bundesregierung über die Beflaggung der Dienstgebäude des Bundes vom 22. März 2005 (Beflaggungserlass) die grundsätzliche Genehmigung dafür, die Regenbogenflagge unter Beachtung verschiedener Maßgaben zu setzen. Der Kasernenkommandant kann das Hissen der Regenbogenflagge somit anordnen“, so die Erklärung. Und weiter: „Diversität gehört zur Wissenschaftsfreiheit“, sagt Präsident Prof. Dr. Klaus Beckmann. Das Hissen der Regenbogenflagge bringe die Offenheit der Universität als wissenschaftlicher Einrichtung zum Ausdruck.
Dass die Deutschland-Flagge aus den Stuben-Fenstern angehender Soldaten den Stolz auf das Land zum Ausdruck bringt, für das sie im Zweifel kämpfen sollen, konnte die Bundeswehr-Ästhetik und Unfallgefahr rund um die Bundeswehr-Universität in Hamburg jedoch nicht übertrumpfen.
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