So reagiert das politische Deutschland auf den grünen Sieg in Baden-Württemberg
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Spannender Wahlabend in Baden-Württemberg. Die Grünen und Cem Özdemir sind euphorisch, die CDU ist geknickt und die SPD am Boden zerstört.
„Was für eine fulminante Aufholjagd!“, rief Grünen-Kandidat Cem Özdemir seinen Parteifreunden zu. Es sei noch zu früh, „aber das, was wir schon wissen, darüber kann man sich freuen!“ Und: „Egal, wie’s ausgeht, haben viel Erwartungen geweckt, und so möchte ich das Land führen.“
Im Interview sagte Özdemir später zur frisch eingetroffenen zweiten Hochrechnung: „Ich habe immer gesagt: Das Rennen ist offen.“ Jetzt hoffe er, dass die Grünen den knappen Vorsprung ins Ziel bringen würden, damit die grün-schwarze Koalition fortgesetzt werden könne. Die CDU sei ein „Partner auf Augenhöhe“.
Ricarda Lang ist „total überwältigt“
Schon laut erster Prognose in der ARD liegen die Grünen bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg mit 32 Prozent drei Prozentpunkte vor der CDU. „Leute, Leute, Leute, Leute, Leute! Was für ein Start ins Superwahljahr!“, jubelte der Bundesvorsitzende Felix Banaszak. „Was für ein toller Tag für Baden-Württemberg, was für ein toller Tag für Bündnis90/Die Grünen! Dieses Ergebnis bringt uns so einen Rückenwind.“ Und er kündigte an: „Die Grünen, mit denen ist zu rechnen in diesem Land!“

Die Grüne Ricarda Lang ist überglücklich.
Ricarda Lang zeigte sich überglücklich: „Ich bin total überwältigt, das ist ein historisches Ergebnis für uns Grüne“. Cem Özdemir habe eine tolle Aufholjagd hingelegt. Man habe als ganze Partei hinter dem Spitzenkandidaten gestanden. In Berlin sprach Franziska Brantner von einem „fantastischen Ergebnis“. Der Wahlkampf sei von der gesamten Partei getragen worden.
Die Enttäuschung über das Wahlergebnis war CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann deutlich anzusehen. „Der Abend bleibt spannend, aber klar möchten wir die Wahl gewinnen.“ Es sei „zu früh, um eine Analyse zu machen. Wir sollten den Abend abwarten und keine Ratschläge aus Berlin machen.“ Er werde in Berlin ARD schauen und die erste Hochrechnung abwarten. Aber: „Es müsste noch ein kleines Wunder geschehen, bei der Prognose.“
Betretene Gesichter auch bei der SPD, die bei 5,5 Prozent um den Verbleib im Landtag zittern muss. Generalsekretär Tim Klüssendorf sagte: „Das ist ein sehr bitteres Wahlergebnis für uns. Wir sind total unter die Räder gekommen im Zweikampf Hagel-Özdemir.“

„Wir sind unter die Räder gekommen“: SPD-Mann Tim Klüssendorf zeigt sich entsetzt.
Weidel: „Wir sehen den Wählerwillen nicht repräsentiert“
Alice Weidel kommentierte das Ergebnis ihrer AfD: „Wir sind sehr zufrieden, es läuft auf eine Verdopplung unseres Ergebnisses hinaus.“ Allerdings: „Wir sehen den Wählerwillen nicht repräsentiert“, auch Baden-Württemberg habe Mitte-rechts gewählt. Trotz Industriesterbens und höchster Insolvenzraten werde die notwendige politische Wende einfach nicht vollzogen.
Ein sichtlich enttäuschter CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel sagte erst einmal gar nichts zur Prognose und dankte ausgiebig den Wählern, Kandidaten und Wahlhelfern: „Ihr wart alle klasse!“
Auf der Plattform X schrieb der CDU-Mann Manuel Schwalm: „Herzlichen Glückwunsch an Cem Özdemir. Diese Aufholjagd ist allein sein Verdienst. Meine Partei darf jetzt nicht den Fehler machen und die Verantwortung bei anderen suchen. Sich in Ausreden flüchten, dieses oder jenes Video hätte das entschieden.“
Thorsten Frei hat noch Hoffnung
Thorsten Alsleben schrieb auf derselben Plattform: „Reformverweigerer werden abgestraft. Der – zumindest rhetorisch – bundesweit wirtschaftsfreundlichste von allen grünen Kandidaten gewinnt. Könnte man ja irgendwelche Konsequenzen draus ziehen.“
Die Journalistin Miriam Hollstein kommentierte auf X: „Grünen-Chef Banaszak feiert das Ergebnis als Erfolg von Özdemir, aber auch der Grünen. Nö. Hat nur funktioniert wegen grenzwertiger parteipolitischer Selbstverleugnung von Özdemir.“

Manuel Hagel nimmt die Verantwortung auf sich.
Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU) sagte in der ARD, ein enges Rennen habe sich abgezeichnet, und zeigte sich vorsichtig zuversichtlich: „Die Hochrechnung war schon knapper als die Prognose.“ Und: „Aber klar ist, dass den Grünen eine große Rückstandaufholung gelungen ist.“ Auf die Frage, ob Kanzler Friedrich Merz eine Hypothek für die Baden-Württemberger CDU gewesen sei, sagte Frei: „Auf gar keinen Fall!“
SPD-Kandidat Andreas Stoch erklärte enttäuscht, er hätte „nie geglaubt, dass ich mal über eine einstellige Prozentzahl sprechen muss“. Es sei „ein extrem schwerer Tag“. „Es ging kaum um Inhalte, sondern nur um Personen. Es hat sich nicht angefühlt wie ein Landtagswahlkampf, es hat sich angefühlt wie ein Oberbürgermeisterwahlkampf.“ Von einem „sehr bitteren Wahlabend“ sprach auch Parteichefin Bärbel Bas.
CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel zeigte sich im ARD-Interview enttäuscht: „Wir haben nicht gewonnen, was wir wollten. Wir wollten klar stärkste Partei werden.“ Dafür trage er die politische Verantwortung, es sei sein Wahlkampf gewesen. Den Umgang mit der AfD nannte er richtig, es sei schade, dass die FDP erstmals den Einzug ins Landesparlament verpasst.
„Dem Manuel Hagel hat die Bundespolitik den Wahlkampf verhagelt“
In der ARD-Runde der Generalsekretäre sagt die zugeschaltete AfD-Vorsitzende Alice Weidel: „Wir können sehr zufrieden sein, AfD hat so stark zugelegt wie niemand andres. Dem Manuel Hagel hat die Bundespolitik den Wahlkampf verhagelt, die SPD kann froh sein, dass sie überhaupt noch im Landtag ist.“ „Dass die CDU einen Rückzieher macht und den Grünen den Vortritt lässt wegen der Brandmauer, ist erbärmlich.“
Als Felix Banaszak erklärt, Union und SPD würden im Bund keinen Nenner mehr finden, bei der Rente, bei Sozialfragen wäre man zerstritten, nur auf Gas und fossile Brennstoffe könne man sich noch einigen, wenden sich sowohl CDU-Generalsekretär Linnemann als auch SPD-Mann Klüssendorf gegen ihn. Linnemann erklärt, man habe das Logo der Grünen Partei auf Özdemirs Plakaten mit der Lupe suchen müssen.
In der Runde der drei Spitzenkandidaten Özdemir, Hagel und Frohnmaier sagte Cem Özdemir, der Auftrag sei „sehr klar, dass wir das Land zusammen führen sollen.“ Man habe Grund, Winfried Kretschmann dankbar zu sein, er habe „den Goldstandard gelegt für künftige Ministerpräsidenten“. Manuel Hagel beklagte eine „Schmutzkampagne“ in den vergangenen Wochen, die „bisweilen weit unter die Gürtellinie gegangen“ sei. Markus Frohnmaier verwahrte sich gegen das Wort von den „radikalen Rändern“ und verwies darauf, dass der grüne Koalitionspartner Manuel Hagel „vor den Bus geschubst“ worden und nur noch „über Eva und die rehbraunen Augen“ geredet worden sei.

Hagel wurde „vor den Bus geschubst“, meint AfD-Kandidat Markus Frohnmaier.
Unterschiedliche Reaktionen bei X
Auf der Plattform X wurde das Wahlergebnis unterschiedlich kommentiert. Dieter Stein, Chefredakteur der Jungen Freiheit, schrieb:
„Mitte-Rechts legt in Baden-Württemberg 12-13 Prozent zu. Rot-Grün Minus sechs Prozent. Trotzdem wird das Land wieder grün-links mit CDU-Hilfe regiert. CDU-AfD-Koalition wäre möglich. Die Union arbeitet stattdessen lieber an ihrem Untergang.“
SPD-Mann Ralf Stegner kommentierte: „Was für ein Debakel für die SPD in Baden Württemberg?! Ja - das Duell Özdemir-Hagel hat uns verdrängt und geschadet. Ja, jetzt heißt es Kämpfen in Rheinland-Pfalz und für Alexander Schweitzer, der ein starker Ministerpräsident ist! Dennoch: Weiter so ist die falsche Antwort!“
Politikberater Armin Petschner-Multari postete: „Herzlichen Glückwunsch zum Wahlsieg, Cem Özdemir. Ein sympathischer und anschlussfähiger Kandidat, der vernünftige Positionen vertritt und hoffentlich künftig stärker und nachhaltiger in seine Partei, vor allem in die eigene Bundestagsfraktion, hineinwirkt.“
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