Spektakuläre Razzia nahe Stuttgart: Millionenbetrug mit gefälschten Mercedes-Oldtimern?
- Ermittler des LKA Baden-Württemberg haben Geschäftsräume des bekannten Oldtimer-Restaurators Kienle durchsucht.
- Die Firma ist Marktführer bei der Restauration von alten Mercedes-Benz-Fahrzeugen.
- Ihr wird der Handel mit gefälschten Automobilen vorgeworfen.
Die Firma Kienle Automobiltechnik ist nach eigenen Angaben der größte Restaurationsbetrieb für Mercedes-Benz-Oldtimer und damit ein absolutes Schwergewicht der Branche. Jetzt könnte das Unternehmen Mittelpunkt eines spektakulären Betrugskrimis sein.
Das ist passiert: Am Mittwoch gab es eine großangelegte und lange vorbereitete Razzia in den Geschäftsräumen des Unternehmens in Ditzingen-Heimerdingen, nahe Stuttgart. Monatelange Ermittlungen des Landeskriminalamtes Stuttgart sollen den gewerbsmäßigen Handel mit gefälschten Automobilen belegen. Es geht um Mercedes-Fahrzeuge des Typs 300 SL Roadster und 300 SL Flügeltürer. Das berichtet ein ehemaliger Mitarbeiter. Sowohl der Roadster als auch der Flügeltürer wurden nur in geringer Stückzahl gebaut und gehören heute zu den absoluten Automobil-Ikonen. Der Stückpreis liegt deshalb zwischen 1,3 und 1,8 Millionen Euro.
Fahrzeuge im Rahmen der Razzia beschlagnahmt
Schon lange wurde in Kennerkreisen vermutet, dass weitaus mehr Fahrzeuge auf den Straßen fahren, als eigentlich möglich wäre. Jetzt scheint eine Fälschung belegt zu sein. Die Firma Kienle Automobile GmbH soll einen 300 SL Roadster verkauft haben, der ein Original aus dem Jahr 1961 sein soll. Vergleiche der Fahrgestellnummer mit einem originalen Roadster belegen jedoch augenscheinlich den Betrug - denn die Nummern beider Fahrzeuge sind identisch. Das Originalfahrzeug hat außerdem eine unverwechselbare Historie: Es war das Messefahrzeug, das Mercedes Benz auf dem Genfer Automobilsalon 1961 präsentierte. Die Echtheit dieses Fahrzeugs ist also eindeutig nachweisbar, das Fahrzeug der Firma Kienle damit eine Fälschung.
Spezialisten des Landeskriminalamtes sichten nun Akten und Papiere. Die Behörden haben außerdem einige Fahrzeuge im Rahmen der Durchsuchung beschlagnahmt. Neben diesem konkreten Fall müssen die Ermittler jedoch etliche weitere Verdachtsfälle dieser Art bearbeiten, so ein Insider. Für die Staatsanwaltschaft Stuttgart reichten die bisherigen Untersuchungsergebnisse insoweit aus, als dass eine großangelegte Hausdurchsuchung des Betriebs und der Privatimmobilien des Firmeninhabers und seiner beiden Söhne durchgeführt werden konnte.
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