„Vermisse Toleranz gegenüber anderen Meinungen“: Warum der Zweibrücker Grünen-Politiker Tim Scherer aus seiner Partei austritt
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Der Grünen-Politiker Tim Scherer trennt sich von seiner Partei. Er vermisse „Toleranz gegenüber Meinungen, die von der grünen Programmatik abweichen. Für Deutschland ist das ein Problem“, so Scherer im Interview mit Focus. Als weitere Gründe für seinen Austritt nennt der geschäftsführende Vorstand bei den Grünen Zweibrücken die grüne Position im Ukraine-Konflikt und in der Zuwanderungspolitik.
Scherer sagt: „Ein Punkt, der für mich das Fass zum Überlaufen gebracht hat, war die politische Ausrichtung der Grünen hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Ich war zu Beginn des Krieges sofort dafür, die Ukraine mit Waffen zu unterstützen, einfach um eine schnelle Überwältigung durch den völkerrechtswidrigen Angreifer Russland zu verhindern. Aber Kriege haben unterschiedliche Phasen und ich halte das verstärkte Forcieren einer Verhandlungslösung mittlerweile für unumgänglich.“
In der Frage der Migrationsproblematik führt er aus: „Über dringende Fragen darf man bei den Grünen nicht sprechen, ohne in die rechte Ecke gestellt zu werden. Bis heute finden Sie hier kaum jemanden, der die Notwendigkeit einer Begrenzung des Zuzugs ernsthaft adressiert. Und wenn, dann bleiben es Lippenbekenntnisse.“
Grüne Bundespolitik „mit meinen Werten nicht mehr zu vereinbaren“
„Ganz wichtig“ ist ihm zu betonen: „Dass ich den Schritt vollziehe, hat keine kommunalen Gründe. Ich bin weiterhin sehr froh, dass ich den Grünen Kreisverband habe. Das sind aus meiner Sicht kompetente, sachorientierte Leute. Bei der Landes- und vor allem Bundespolitik hingegen gibt es zahlreiche Dinge, die ich mit meinen Werten nicht mehr vereinbaren kann.“

Am Tag der Kommunalwahl am 10. Juni ist für Tim Scherer Schluss mit Grünen-Politik.
Die deutsche Bevölkerung hält er für eher konservativ, was progressive Politik aber nicht ausschließe. Jedoch müsse sie, so Scherer, „in einer Form des Respekts gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern geschehen. Es kommt nicht nur auf Inhalte an, auch die Form ist wesentlich. Es muss eine vitale Rückkopplung zwischen der Politik und der Stimmung im Land bestehen. Die grüne Politik tut sich in diesem Kontext unglaublich schwer damit, Begrenzungen zu akzeptieren.“ Man müsse die Menschen, sagt er mit Bezug auf eine Weisheit von Altkanzler Konrad Adenauer, die Menschen „nehmen, wie sie sind.“
Konrad Adenauer hatte einst zu einem Parteifreund, der sich über die Unvernunft der Menschen beschwerte, geantwortet: „Nehmen Sie die Menschen wie sie sind, andere gibt’s nicht.“ Eine wie aus der Zeit gefallene Weisheit, die zum Auftreten der grünen Partei wahrlich nicht passt.
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