Monika Maron über Friedrich Merz: „Ich halte ihn vorwiegend für nicht mutig, um nicht zu sagen feige“
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Monika Maron gehört zu den großen, prägenden Schriftsteller-Persönlichkeiten Deutschlands und hat in diesen Tagen einen bemerkenswerten Band mit ihren Tagebüchern zwischen 1980 und 2021 vorgelegt („Immer noch freundlich, aber kaum noch geduldig“, Hoffmann & Campe). Im Gespräch bei „Schuler! Fragen, was ist“ kommen wir immer wieder auf die seltsamen Ähnlichkeiten zwischen der Endphase der DDR und der Gegenwart zu sprechen. Das Schönreden und Einfordern von Dankbarkeit durch die politische Führung gehörte im ostdeutschen Staatssozialismus zur alltäglichen Propaganda in den Medien und der Öffentlichkeit.
Das ganze Gespräch zwischen Monika Maron und Ralf Schuler sehen Sie hier:
Ich spiele Monika Maron ein Zitat von Kanzler Friedrich Merz (CDU) vor, in dem er Miesmacherei und Unzufriedenheit kritisiert. Ein Thema, das er häufiger aufgreife in seinen Auftritten. Merz beim FAZ-Forum in Berlin: „Wir können doch alle dem Herrgott dankbar sein, dass wir in einem solchen Land leben, wie der Bundesrepublik Deutschland. Sagen Sie mir mal spontan zwei, drei, vier, fünf Länder, wo es besser ist als in unserem Land! Diesen Grundoptimismus wieder zu haben, zu sagen: Wir leben in einem tollen Land, wir haben große Chancen, wir haben ein paar Probleme, die Probleme lösen wir jetzt …“
Alles gut und zu viel Gemecker? „Ich verstehe, was er sagen will“, sagt Monika Maron. „Als die deutsche Einheit begann, oder als ich anderthalb Jahre vorher (1988, Anm. d. Red.) in den Westen kam, war es ein wunderbares Land. Der Zug fuhr pünktlich, ich konnte schreiben, was ich wollte. Es gab, sagen wir mal, die Grünen natürlich, die gab es damals auch in Hamburg, wo die ganze Presse saß. Aber es gab eben auch noch Helmut Schmidt, es gab Verleger wie Gerd Bucerius, es gab Augstein. Die Grünen waren da, aber sie herrschten noch nicht. Inzwischen herrschen sie. Und das ist der Unterschied.“

Monika Maron spricht mit Ralf Schuler unter anderem über ihre erste Zeit im Westen nach dem Mauerfall.
Maron meint eine links-grüne Meinungsdominanz, die das öffentliche Leben und viele große Medien durchdrungen habe. „Und man sieht eben zu, wie dieses Land, was wirklich wunderbar war ... Wenn ich jetzt sage, es war wunderbar, dann heißt das nicht, dass für jeden einzelnen Menschen alles wunderbar war. Aber man sieht heute zu, wie das den Bach runtergeht. Und man denkt: Die können sich jeden Berater holen. Also die können sich Hans-Werner Sinn bestellen so oft sie wollen. Wahrscheinlich wäre er froh, wenn er denen raten könnte, was sie machen sollen. Und sie beschließen Dinge, wo man denkt, man muss gar kein Fachmann sein auf irgendeinem Gebiet, um zu sehen, dass das nicht funktionieren kann, wenn man sich halbwegs beliest in der Sache.“
Ich kann verstehen, dass der Kanzler Angst vor NGOs hat
Über Kanzler Friedrich Merz hat Maron eine differenzierte Meinung. „Den Kanzler halte ich ja gar nicht für so unwissend, wie er sich zuweilen gibt, sondern ich halte ihn vorwiegend für nicht mutig, um nicht zu sagen: feige.“ Diese Feigheit, dieses Zurückweichen könne sie sogar ein wenig verstehen, sagt Maron. „Wenn man erlebt hat, wie die NGOs innerhalb von ein, zwei Tagen Millionen auf die Straße kriegen, bei der angeblichen ‚Wannsee‘-Geschichte da, dann kann ich verstehen, dass er davor Angst hat. Er macht etwas, was denen nicht passt, und schon steht die Republik Kopf.“
Doch dieses Verständnis ist nicht als Entschuldigung gemeint: „Aber dann wünscht man sich einen Mann wie Helmut Schmidt. Da muss ein Kanzler durch. Und wenn er das nicht kann oder nicht will, dann muss er sich nicht wundern, wenn die Leute den Mut verlieren, weil sie nicht sehen, wie sich etwas ändern könnte.“
Das ganze Interview mit Monika Maron können Sie hier anschauen.
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