Schriftstellerin Monika Maron über ihre Kindheit: „Ich schielte, war polnisch, jüdisch und unehelich“
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Angepasst hat sich Monika Maron nie. Wer die gerade erschienenen Tagebücher („Immer noch freundlich, aber kaum noch geduldig“) der Schriftstellerin liest, macht gleich zu Beginn Bekanntschaft mit ihrer Korrespondenz mit der damaligen SED-Spitze. Es geht um das Verbot ihres ersten Romans „Flugasche“ in der DDR, um Ausreise-Visa und schlichte Geldnot, weil ohne Veröffentlichung keine Honorare flossen. Im Gespräch bei „Schuler! Fragen, was ist“ will ich wissen, woher dieser Trotz kommt, dieser Unwille, sich mit den Herrschenden und ihren Verhältnissen zu arrangieren.
Das ganze Gespräch zwischen Monika Maron und Ralf Schuler sehen Sie hier:
„Ich glaube, dass ich eine seltsame Kindheit hatte“
Monika Maron stammt aus einer stramm kommunistischen Familie und ließ sich schon von dieser Ideologie nicht überzeugen. Woher kommt das? Maron wehrt ab: „Wenn man versucht, sich selbst zu erklären, warum man ist, wie man ist, wird es immer schwierig“, sagt sie. „Man bastelt sich da womöglich eine schmeichelhafte Lebensgeschichte zurecht.“ Ein Erklärungsversuch betrifft die schwierige Situation, in der sie aufwuchs. „Ich glaube, dass ich eine seltsame Kindheit hatte. Ich war ja die ersten zehn Jahre im Westen mit meiner kommunistischen Familie, also meiner Mutter, meiner Tante und allem, was dazugehörte. Ich war der einzige Pionier in meiner Klasse, ich schielte, ich war polnisch, jüdisch und unehelich. „Also viel mehr geht eigentlich nicht.“

Monika Maron spricht mit Ralf Schuler über ihre „seltsame Kindheit“. Sie lebte die ersten zehn Jahre im Westen.
Wie stark sie dieses Außenseitertum damals selbst spürte, kann Monika Maron nur noch schwer rekonstruieren, wechselt aber unvermittelt ins unpersönliche „man“, als wolle sie die schmerzhaften Dinge nicht über sich selbst erzählen. „Ich weiß es nicht mehr. Das reflektiert man als 10-Jährige ja nicht. Aber sicher hat man es zu spüren bekommen und irgendwie hat man darauf reagiert. Aber ich könnte jetzt nicht sagen, mir ist das und das passiert.“
Eines allerdings ist in einer Intensität im Gedächtnis geblieben, die man unwillkürlich auch im Gespräch spürt: „Das mit dem Schielen, das war wohl das Schlimmste. ,Schielewipp, Schielewipp, wie der Käse kippt!‘ oder ,Geh weg, du Mondgesicht!‘ und solche Sachen. Dass ich der einzige Pionier war, das fand ich ja eher heldenhaft. Aber man ist dann irgendwann daran gewöhnt, dass man eine Art Außenseiter ist, und nimmt das an, vielleicht auch für die Zukunft.“
Das ganze Interview mit Monika Maron können Sie hier anschauen.
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