Prof. Peter Hoeres über den Krieg gegen „Rechts“: „Konservative dürfen keine Angst mehr vor diesem Begriff haben“
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Wie vermint ist die öffentliche Stimmung? Prof. Peter Hoeres von der Universität Würzburg beobachtet seit Jahren den Konflikt zwischen „rechts“ und „links“. Im Gespräch mit NIUS-Politikchef Ralf Schuler erklärt der Wissenschaftler, wie konservative Haltungen im aktuellen Zeitgeist zu sozialen Nachteilen führen.
Dabei war das in historischer Betrachtung nicht immer so. Und: Der Experte erkennt einen Stimmungswandel im Land, weil frühere Tabu-Begriffe inzwischen als Schimpfworte missbraucht werden. Wo in der deutschen Geschichte die rechten und linken Lager ihren Ursprung haben, deckt Hoeres ebenso auf wie die aktuelle Debattenkultur. Denn „rechte“ Ansichten seien keinesfalls ein Grund, in Debatten ausgeschlossen zu werden.
Das ganze Interview hier anschauen:
Mangelndes Gefühl von Meinungsfreiheit als „Alarmsignal“
Einen Ursprung der Grabenkämpfe zwischen rechts und links sieht der Experte vor allem in dem Verständnis von Meinungsfreiheit innerhalb der Bevölkerung. In der Nachkriegszeit etwa wurde bei aller harten Polemik stets Respekt und Anstand gewahrt. In der DDR wurde für die Meinungsfreiheit sogar gekämpft. „Heute sagen nur noch die Hälfte der Deutschen, dass sie sich frei äußern können. Das war 1971 in der Bundesrepublik anders – da haben noch ungefähr 80 Prozent gesagt, dass sie sich frei äußern können. Das ist ein absolutes Alarmsignal.“
Wenn man seinen Kindern sagen müsse, bitte in der Schule aufzupassen, was man sagt, dann ist das für Hoeres „eine intolerante und auch unmenschliche Gesellschaft“.

Hoeres sprach im Interview auch über den Umgang mit der AfD. Der Experte fordert, dass man weniger mit Strafrecht, sondern mit Argumenten vorgehen sollte.
Nur klare Bekenntnisse beleben Debattenkultur
Cancel Culture, gefühlte Einschränkung der Meinungsfreiheit – wie kommen wir da wieder raus? Prof. Hoeres appelliert an die Selbstreflexion des Einzelnen. „Es müssen Leute, die sich selbst eher als konservativ oder liberal-konservativ empfinden, keine Angst mehr vor diesem Begriff ‚rechts‘ haben.“ In seinem aktuellen Buch („Rechts und links: Zur Karriere einer folgenreichen Unterscheidung in Geschichte und Gegenwart“; 24 Euro) hat der Professor für Neueste Geschichte die politischen Lager in Geschichte und Gegenwart untersucht. Für Hoeres steht fest: „Wenn man davor Angst hat, dass man als rechts bezeichnet wird, dann kann man an keiner Debatte mehr teilnehmen.“

„Ist er zu rechts?“, titelte der Bayerische Rundfunk. Angeblich gebe es aus der Studentenschaft Vorwürfe, dass Hoeres „neurechte Diskursverschiebung“ betreibe. Das Gespräch mit Hoeres suchten die Kritiker jedoch nie.
Wer den bürgerlichen Wertehimmel verdammt und für böse erklärt, der bewegt sich selbst nicht mehr im Rahmen der Demokratie. Prof. Hoeres regt zum Nachdenken an: Jeder Einzelne sei „aufgefordert, wirklich Vernunft an den Tag zu legen und auch seinen Sprachgebrauch zu überprüfen, weil im Endeffekt könnte eben auch der andere einmal recht haben.“
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